Dortmund-Hörde: Letzter Akt für die Bachrenaturierung

Emschergenossenschaft und Stadt Dortmund gestalten Hörder Bach und Marksbach um

Dortmund-Hörde. Der Umbau des Emscher-Systems hat in den vergangenen Jahren das Gesicht des Dortmunder Stadtteils Hörde maßgeblich verändert. Die Offenlegung und Renaturierung der Emscher, der Bau des Phoenix Sees auf dem Gelände der ehemaligen Hermannshütte und die Gestaltung des Hörder Bachs als Stadtgewässer im Bereich der Hörder Burg resultierten aus dem Generationenprojekt der Emschergenossenschaft. Gemeinsam mit der Stadt Dortmund setzt der öffentlich-rechtliche Wasserwirtschaftsverband in diesem Jahr nun den finalen Akt der blaugrünen Bachrenaturierung um: Bis Ende 2026 werden auch der noch nicht revitalisierte Abschnitt des Hörder Bachs sowie ein zirka 90 Meter langer Bereich des städtischen Marksbachs naturnah umgebaut. Den offiziellen Startschuss dafür gab die Emschergenossenschaft am Freitag (13.2.) gemeinsam mit Dortmunds Oberbürgermeister Alexander Kalouti.

Seit Anfang 2010 waren die Emscher-Gewässer in Dortmund oberhalb der Kläranlage Deusen vollständig abwasserfrei. In der Folge hat die Emschergenossenschaft im Laufe der vergangenen Jahre die Emscher und ihre Nebenläufe renaturiert. Bislang unangetastet blieb dagegen der Oberlauf des Hörder Bachs südlich des Dreiecks Benninghofer Straße und Am Oelpfad. Hier ist das Gewässer zwar sauber, jedoch immer noch technisch überformt und in seinem aus Betonsohlschalen bestehenden Korsett gefangen. Als letzten Akt des Emscher-Umbaus in Dortmund-Hörde wird die Emschergenossenschaft nun auch diesen finalen Abschnitt des Hörder Bachs renaturieren.

In die Gesamtmaßnahme, die bis Ende 2026 abgeschlossen sein soll, werden rund 850.000 Euro investiert. 70 Prozent der Kosten trägt die Emschergenossenschaft, 30 Prozent übernimmt die Stadt Dortmund. Im Rahmen der Förderrichtlinie „Hochwasserrisikomanagement und Wasserrahmenrichtlinie“ durch das Land Nordrhein-Westfalen erhält die Emschergenossenschaft für ihren Anteil eine 70-prozentige Förderung, die Stadt Dortmund erhält 80 Prozent Förderung.

„Der Emscher-Umbau hat das Gesicht von Dortmund-Hörde maßgeblich zum Positiven verändert. Die Renaturierung der Emscher diente auch als Inspiration für die wasserbewusste Nutzung des alten Stahlwerkgeländes – heute begeistert hier der Phoenix See. Wir freuen uns, dass nun auch der Oberlauf des Hörder Bachs renaturiert wird. Um Synergieeffekte zu nutzen, wird die Emschergenossenschaft – da es sich räumlich und logistisch anbietet – auch den städtischen Abschnitt des Gewässers sowie den Mündungsbereich des Marksbachs mitumgestalten. Auf diese Weise erfolgt die Revitalisierung aus einer Hand“, sagt Alexander Kalouti, Oberbürgermeister der Stadt Dortmund.

Knapp 600 Meter Gewässerstrecke werden renaturiert
„Insgesamt werden bis Ende des Jahres rund 600 Meter Gewässerstrecke umgestaltet werden“, sagt Prof. Dr. Frank Obenaus, Vorstand für Wassermanagement und Technik bei der Emschergenossenschaft. Die Arbeiten umfassen einerseits den 330 Meter langen Abschnitt des Hörder Bachs, der zur Emschergenossenschaft gehört. Dieser Abschnitt reicht von der Kleingartenanlage im Dreieck Benninghofer Straße und Am Oelpfad bis zur Einmündung des Marksbachs in den Hörder Bach. Darüber hinaus werden auch der rund 170 Meter lange städtische Abschnitt des Hörder Bachs oberhalb der Einmündung des Nebenlaufes sowie zirka 90 Meter des städtischen Marksbachs selbst bis zum Durchlass unter der Straße An der Goymark revitalisiert.

„Im Rahmen der Renaturierung werden hauptsächlich die Betonsohlschalen herausgenommen, damit die Bäche künftig wieder über ein natürliches Ufer verfügen. Im Bereich des genossenschaftlichen Abschnitts des Hörder Bachs gibt es drei Gewässerabstürze, die aktuell einen Aufstieg von Fischen entgegen der Fließrichtung verhindern – diese Abstürze werden beseitigt, die Höhenunterschiede werden durch den Einbau von fischfreundlichen Sohlgleiten ausgeglichen“, sagt Obenaus. Zudem gestaltet die Emschergenossenschaft in beiden Gewässern eine Ersatzaue, die aufgrund der räumlichen Gegebenheiten zwischen der Kleingartenanlage und dem Friedhof jedoch nur recht schmal ausfallen kann – hier fehlt schlicht der Platz für größere Bachschleifen.

Rund 140 Millionen Euro wurden in Hörde investiert
„Den Stadtteil Dortmund-Hörde und den Emscher-Umbau verbindet eine besondere Erfolgsgeschichte: Hier wurde 2009 auf einer Länge von 1,3 Kilometern der längste zuvor unterirdisch verrohrte Abschnitt der Emscher am Nordufer des Phoenix Sees offengelegt. Der Phoenix See selbst erfüllt für die Emscher eine wichtige wasserwirtschaftliche Funktion – denn er ist zugleich unser wahrscheinlich schönstes Hochwasserrückhaltebecken. Nicht zuletzt aber demonstriert der mittlerweile weit über die Region hinaus bekannte Weinberg am Ufer der Emscher am Phoenix See die neue Lebens- und Aufenthaltsqualität an der einstigen Köttelbecke. Der Emscher-Umbau in Dortmund-Hörde steht kurzum für das, was erreicht werden kann, wenn Wasserwirtschaft und Stadtentwicklung Hand in Hand gehen und Städtebau vom Wasser her gedacht wird“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.

Für den Einzug des neuen blaugrünen Lebens in Dortmund-Hörde waren zuvor umfangreiche Tiefbauarbeiten notwendig, in die gewaltige Millionensummen investiert wurden. Insgesamt 139 Millionen Euro hat die Emschergenossenschaft bisher im Rahmen des Emscher-Umbaus in wasserwirtschaftliche Maßnahmen in Dortmund-Hörde investiert – im gesamten Dortmunder Stadtgebiet waren es zirka 865 Millionen Euro. 45 Millionen Euro haben die neuen unterirdischen Abwasserkanäle in Dortmund-Hörde gekostet, die die Abwasserfreiheit in den Gewässern erst ermöglicht haben.

30 Millionen Euro wurden in die Offenlegung der Emscher im Bereich des Phoenix Sees eingebracht, 20 Millionen Euro in die Renaturierung der Emscher im fünf Kilometer langen Verbindungsraum zwischen dem Phoenix See und dem Westfalenpark. Neun Millionen Euro hat die Emschergenossenschaft in die Offenlegung des Hörder Bachs im Bereich des Phoenix Sees und der Hörder Burg sowie in die Gestaltung des Gewässertroges investiert. Der nun beginnende Schlussakt des Emscher-Umbaus in Dortmund-Hörde dient der ökologischen Vernetzung des Hörder Bachs mit dem wertvollen Naturraum der Emscher – es ist das letzte Puzzleteil im blaugrünen Gewässersystem.

Emschergenossenschaft
Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de