Die Lippe-Mündung in Wesel. Foto: Rupert Oberhäuser/EGLV

Nachhaltigkeit

bei Emschergenossenschaft und Lippeverband

Nachhaltige Entwicklung bedeutet für uns

Wir möchten den Bedürfnissen der heutigen sowie künftiger Generationen gerecht werden. Schwerpunkte unserer öffentlich-rechtlichen Daseinsvorsorge sind die Abwasserbeseitigung, das Hochwasserrisikomanagement, die Regenwasserbewirtschaftung, die Verbesserung des ökologischen Zustandes der Gewässer und die Gewässerunterhaltung. Immer im Blick haben wir dabei den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen und der Natur um ihrer selbst Willen.

Wichtig für uns: Wir wollen zu einer wirtschaftlich leistungsfähigen, sozial ausgewogenen und ökologisch positiven Entwicklung beitragen. Dies zeigen auch der Umbau des Seseke- und Emscher-Systems. Letzterer wird bis 2021 zur Abwasserfreiheit aller Gewässer führen, ist bezahlbar geblieben, von ökologischem Nutzen, von begleitenden Wegen vielerorts erlebbar und in der Öffentlichkeit anerkannt. Unsere Anlagen verbessern die Lebensqualität in der Emscher-Lippe-Region – mit effektiver Technik bei akzeptierten Betriebskosten. Mit neuen Technologien werden die Arbeit unserer MitarbeiterInnen und der Ressourcenschutz effizient unterstützt. Nachhaltigkeit ist ein zentraler Grundsatz unserer Aufgabenwahrnehmung, fester Bestandteil unserer integrierten Managementsysteme und Prüfstein unserer Entscheidungen. Die für unsere Verbände wesentlichen Handlungsfelder der nachhaltigen Entwicklung erarbeiten wir mit unseren Mitgliedern und Beschäftigten. Wir nutzen dazu unsere regelmäßigen Mitglieder- und Mitarbeiterbefragungen und beziehen unsere Gremien ein. Bei der Erarbeitung von Zielen und der Umsetzung von Maßnahmen setzen wir auf fach- und institutionsübergreifenden Austausch und Zusammenarbeit. Durch regelmäßige Analysen können wir Erfolge und Misserfolge erkennen, gemeinsam Ursachen erforschen und uns verbessern. Entscheidend ist es für uns dabei, Erreichtes für alle sichtbar zu machen, wertzuschätzen und so zu nächsten Schritten in die Zukunft zu motivieren. Wir wollen mit guten Beispielen vorangehen.

Unsere wesentlichen Handlungsfelder

Die Befragung unserer Mitglieder und Beschäftigten erbrachte Anfang 2018 ein eindeutiges Ergebnis. Besonders wichtig für die nachhaltige Entwicklung der Verbände sind die folgenden sieben Handlungsfelder:

  • Bewirtschaftung der Wasserressourcen entsprechend der Bedürfnisse heutiger und künftiger Generationen,
  • Schutz/Wiederherstellung naturnaher Fließgewässer mit ihren vielfältigen Nutzen für den Menschen,
  • Verbesserung der Ressourceneffizienz/ Ressourcenschonung,
  • Erhalt/Förderung der biologischen Vielfalt,
  • Reduktion von Umweltbelastungen,
  • Stärkung der Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur sowie
  • Arbeitsschutz / Gesundheitsmanagement.

Zu den Handlungsfeldern werden der Status ermittelt, die bisherigen Ziele reflektiert, Abhängigkeiten identifiziert, neue Ziele gesetzt sowie Maßnahmen konzipiert, abgestimmt und umsetzt. Analysiert werden dabei alle Nachhaltigkeitsherausforderungen für die wasserwirtschaftliche Branche. Hierzu zählen z. B. Phosphor-Recycling, Eigenenergieerzeugung, Starkregen- und Hitzevorsorge, Umgang mit Spurenstoffen, Fachkräftebedarfsdeckung und Digitalisierung. Basis unserer nachhaltigen Entwicklung ist das Einhalten aller einschlägigen Rechtsnormen und anderer relevanter Anforderungen insbesondere im Umwelt- und Energiebereich und im Arbeits- und Gesundheitsschutz. Unser Integriertes Managementsystem enthält die zur Absicherung eines dauerhaft rechtskonformen Handelns erforderlichen Regeln. Die Verbände sind nach DIN EN ISO 9001 (Qualitätsmanagement), 14001 (Umweltmanagement) und 18001 (Arbeits- und Gesundheitsmanagement) zertifiziert. Zudem wurden Entsprechungserklärungen zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex vorgenommen.

Unser Vorsorgeinstrument: Der Nachhaltigkeits-Schnellcheck

Unser Nachhaltigkeits-Schnellcheck beinhaltet 29 Kriterien aus den Bereichen Umwelt und Gesellschaft, zu denen die Wirkung eingeschätzt und das Fazit über eine Ergebnisampel visualisiert wird. Die Durchführung des Schnellchecks ist Voraussetzung für alle Vorstandsentscheidungen mit bereichsübergreifender Bedeutung (Konzepte, Förderprojekte etc.).

Unser Kontroll- und Steuerungsinstrument: Die BSC

Das vor über 10 Jahren bei uns eingeführte Balanced Scorecard–System (BSC) wird regelmäßig angepasst und weiterentwickelt. Die BSC hat die Perspektiven „Ganzheitliche Wasserwirtschaft“, „Anspruchsgruppen“, „Finanzen“ und „Organisation/MitarbeiterInnen“. Die Nachhaltigkeit ist keine eigene Perspektive, sondern Teil der genannten. Zurzeit werden insbesondere folgende Nachhaltigkeitsthemen über die BSC verfolgt und berichtet:

  • Realisierungsgrad Abwasserkanäle
  • Realisierungsgrad ökologische Verbesserung
  • Energieeffizienz
  • Eigenstromerzeugung
  • Energieerzeugungsquote
  • Re-Investitionen in wasserwirtschaftliche Anlagen
  • Anteil der Auszubildenden
  • Frauenförderung
  • Unfallhäufigkeit
  • Gesundheitsquote.

Aus unserem Alltag: Good Practice-Beispiele

Unser Anspruch ist es, unsere gesetzlichen Aufgaben im Sinne einer integralen und nachhaltigen Wasserwirtschaft zu bewältigen und dabei einen Mehrwert für die 3,7 Millionen Menschen in der Emscher-Lippe-Region zu schaffen. Das dies gelingt, ist vielerorts erfahr- und erlebbar. Einige Beispiele:
  • Verbesserung des ökologischen Zustands der Gewässer: Unsere Langzeituntersuchungen und Bestandserfassungen der Biologischen Stationen und örtlicher Naturschutzverbände zeigen, dass die ökologische Aufwertung der Emscher-Gewässer und der sie umgebenden Grünbereiche auf einem guten Weg sind. Seit 1990 hat sich die Artenzahl der in den Gewässern lebenden wirbellosen Tierarten auf rund 400 verdreifacht. Bei den Fischen waren beeindruckende Wiederbesiedlungserfolge festzustellen. Die Emschergroppe lebt bereits wieder in mehreren Gewässern. Insgesamt beherbergen die Emscher-Gewässer 43 Arten der Roten Liste NRW. Bis 2019 sind bereits über 139 Kilometer Gewässer in einen ökologisch verbesserten Zustand geführt worden. Weitere 185 Kilometer folgen in den nächsten Jahren. Daraus ergeben sich große Chancen. Die Kooperation „Gemeinsam ins Neue Emschertal“ ermöglicht es seit 2006 BürgerInnen in die Entwicklung der Gewässerlandschaften einbeziehen und städtebauliche Mehrwerte zu generieren. Die Erfolge lassen sich z.B. am Hahnenbach in Gladbeck mit dem Wassererlebnispfad „Unser Hahnenbach“ erleben. Die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges bestätigen auch die Auszeichnung der Emscher als Flusslandschaft des Jahres 2010 und die Würdigung des Emscher-Umbaus mit seinen Begleitprojekten als Beispiel für ein partizipatives Ökogroßprojekt durch die UNESCO in 2013. Das Projekt „Unser Hahnenbach“ wurde vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zum Thema „Umweltgerechtigkeit in der Sozialen Stadt“ als besonders gelungenes Projekt für die Umgestaltung eines ehemaligen „Meideraumes“ ausgewählt und gewürdigt. Ebenfalls in 2013 wurde der masterplan Emscher-Zukunft mit dem Deutschen Städtebau-Sonderpreis als Drehbuch mit ganzheitlich strategisch-orientiertem Ansatz zur Renaturierung des Flusses gewürdigt. Das Projekt “PHOENIX – Eine neue Stadtlandschaft in Dortmund” wurde 2018 mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet. Die ökologisch verbesserte Emscher ist integraler Bestandteil der neuen Stadtlandschaft und Voraussetzung für die gewonnene Stadtqualität mit überregionaler Anziehungskraft. Auch andere Projekte wie der BernePark in Bottrop finden entsprechende Anerkennung: 2010 wurde aus dem Standort einer ehemaligen Kläranlage ein künstlerisch gestalteter Bürgerpark in Kooperation mit Partnern entwickelt und wird heute gemeinsam betrieben. Über 128 Kilometer Fuß- und Radwege entlang der Emscher und ihrer Nebenläufe werden von der Emschergenossenschaft betrieben und ermöglichen Bewegung, Entspannung und Naturerleben im Herz eines der größten Ballungszentren Europas.

 

  • Abwasserbeseitigung: Für den Betrieb von Kläranlagen zunehmend an Bedeutung gewonnen hat in den vergangen Jahren das Thema Energieeffizienz. Einen Großteil der benötigten Energie gewinnen wir aus dem Faulgas. Beispielsweise bei der Kläranlage Bottrop beträgt die Eigenenergieerzeugung zurzeit rund 80 Prozent. Ziel ist eine komplett energieautarke Kläranlage. In 2017 sind wir diesem Ziel unter anderem mit der Inbetriebnahme von vier neuen Blockheizkraftwerk-Modulen (BHKW) einen großen Schritt näher gekommen. Über die geplante solarthermische Klärschlammtrocknung wird eine vollständige Kreislaufführung von Wärme- und Energieströmen angestrebt. Wir engagieren uns mit 10 weiteren Partnern aus sieben Ländern auch für die Rückgewinnung der endlichen Ressource Phosphor aus Abwasser. Über das europäische Modellprojekt Phos4You wird geprüft, ob die Rückgewinnung von Phosphor aus Abwasser machbar ist. Als langfristig verfügbare Energiequelle rückt die Abwasserwärmenutzung mehr und mehr in den Blick. Wie und unter welchen Voraussetzungen dies sinnvoll ist, untersuchen wir mit der Stadtwerke Bochum GmbH am Beispiel des Bochumer Nordwestbades. Dieses wird mit Abwasserwärme aus einem Mischwasserkanal der Emschergenossenschaft versorgt. Insgesamt können so rund 75 Prozent des Gesamtwärmebedarfes des Bades gedeckt werden. Dies entspricht einer CO2-Einsparung von rund 220 Tonnen pro Jahr (etwa 40 Prozent) gegenüber der konventionellen Erdgasheizung. Eine wichtige Erkenntnis aus dem Kläranlagen-Betrieb ist, dass es sich lohnt, präventiv zu handeln und Arzneimitteleinträge ins Wasser zu reduzieren. Hierzu wurden zwei Projekte aufgelegt. Gemeinsam haben wir mit der Stadt Dülmen mit Förderung des NRW-Umweltministeriums und der EU das Vorhaben „Den Spurenstoffen auf der Spur“ umgesetzt. Ziel war, Arztpraxen, Apotheken und Bevölkerung für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Medikamenten zu sensibilisieren. Mit gleicher Zielrichtung haben wir gemeinsam mit dem Ruhrverband und der Stadt Essen das Projekt „Essen macht‘s klar“ angeschoben.
  • Regenwasserbewirtschaftung: Das Regenwasser von der Abwasserableitung abzukoppeln, zu versickern, zu nutzen oder gedrosselt in Gewässer einzuleiten, bringt vielfachen Nutzen. Versickert das Regenwasser vor Ort, unterstützt dies die Neubildung von Grundwasser. Wird es dem nächsten Oberflächengewässer zugeleitet, trägt es zu einer ausgeglichenen Wasserführung bei. Beides stärkt den natürlichen Wasserhaushalt mit seinen vielfältigen ökologischen Funktionen. Zudem können gute Lösungen die gestalterische Qualität von Stadträumen deutlich erhöhen und kleinräumig Hitzeentwicklungen entgegenwirken. Mit diesen Zielsetzungen bekennen wir uns zusammen mit den Emscher-Kommunen und dem Umweltministerium des Landes NRW zum gemeinsamen Handeln und auch dem konkreten Ziel, bis 2020 die Einleitung von Regen- und Reinwasser in die Kanalisation um 15 Prozent zu verringern. Aktuell liegt der Abkopplungsgrad in der Region bei durchschnittlich 8,4 Prozent (rund 1.800 Hektar). Die 2014 ins Leben gerufene Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ fördert integrales Planen und Handeln und stützt so den eingeschlagenen Weg. Entstanden sind neben baulichen Umsetzungen z. B. eine gemeinsame Gründachstrategie für das Emschergebiet, eine Arbeitshilfe für Wassersensibilität in der Bauleitplanung, Handlungsempfehlungen für eine gesundheitsförderliche Stadtentwicklung, mehrere lebendige Experten-Netzwerke und ein regionales Austauschforum.
  • Hochwasserrisikomanagement Gerade im urbanen geprägten Emscher-Gebiet können die Wasser­stände bei Niederschlägen schnell ansteigen und zu Hochwasser führen. Mit aufeinander abgestimmten technischen und organisatorischen Vorsorge- und Schutzmaßnahmen ist die Emschergenossenschaft auf diesen Fall vorbereitet. Der Hochwasser-Aktionsplan Emscher (HWAP Emscher) wurde mit dem NRW-Umweltministerium erarbeitet. Er beinhaltet zahlreiche Maßnahmen zur Schadens­minderung. Die an der Emscher geplanten und z. T. schon realisierten Hochwasserrückhaltebecken sind ins­gesamt rund 60 ha groß, weisen ein Speicher­volumen von insgesamt etwa 2 Mio. m³ auf, er­höhen die biologische Vielfalt und tragen zum Biotopverbund bei. Die Bevölkerung kann sich über die Hochwasserlage immer aktuell hier informieren.

Erwähnenswert ist darüber hinaus, dass in unserem Gebäudemanagement seit vielen Jahren Umweltgesichtspunkte einen hohen Stellenwert genießen. So ist es Ziel, den Verbrauch von Strom und Wasser zu senken. Am Emscher-Quellhof als Informations- und Weiterbildungszentrum werden darüber hinaus Fäkalien samt Spülwasser, Urin, Brauchwasser und Regenwasser separat gefasst, abgeleitet, in einer Pflanzenkläranlage gereinigt und zum Teil erneut genutzt. Darüber hinaus wird Erdwärme zum Heizen genutzt. Bei der Beschaffung von Büromöbeln werden von den Anbietern z. B. Umweltprodukterklärungen, Holzherkunftsbescheinigungen und gesundheitliche Unbedenklichkeitserklärungen eingefordert. Bei ersten Produkten konnte zudem dem cradle-to-cradle-Prinzip gefolgt werden. Für unseren betrieblichen Gesundheitsschutz sind wir 2017 zum 3. Mal mit dem „Corporate Health Award“ ausgezeichnet worden. Bei dieser renommierten Auszeichnung handelt es sich um eine gemeinsame Initiative von Handelsblatt, ias Gruppe und EuPD Research unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Verliehen wird der Corporate Health Award an Unternehmen, die sich nachweislich überdurchschnittlich für die Gesundheit der eigenen MitarbeiterInnen engagieren, eine vorausschauende, nachhaltige Personalstrategie verfolgen und dies im Rahmen des Corporate Health Audits dokumentieren. Good Practice ist auch unsere Ausbildung. Wir gehören zu „Deutschlands besten Ausbildungsbetrieben 2017“. Derzeit sind rund 50 Auszubildende bei den Verbänden beschäftigt. Ab Sommer 2019 werden es 77 sein.

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Worum geht es? Gemeint ist eine Bildung, die Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigt. Sie ermöglicht es, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Im Fokus unseres Bildungsengagements stehen die Menschen und Institutionen im Emscher-Lippe-Gebiet und unsere wasserwirtschaftlichen Aufgabenstellungen.

Entsprechenserklärung

zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex

Das Büro des Deutschen Rats für Nachhaltigkeit (RNE) hat am 12.10.2018 die Emschergenossenschaft  und am 27.11.2018 den Lippeverband zur Veröffentlichung der ersten Erklärung zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex beglückwünscht.

Deutscher Nachhaltigkeitskodex

Erklärung der Emschergenossenschaft Erklärung des Lippeverbandes