Die Lippe bei Haus Vogelsang. Foto: Rupert Oberhäuser/EGLV

Programm Lebendige Lippe

Der Umbau von Wasserläufen im Lippe-Gebiet

Die Grundlage: Europäische Wasserrahmenrichtlinie

Ganzheitliche Betrachtung von Gewässern

Mit der Europäischen Wasserrahmenricht­linie (EU-WRRL) wird nicht nur ein „guter Zustand“ für alle Gewässer in den Mitgliedsstaaten der EU bis zum Jahr 2027 gefordert. Seit Inkrafttreten der Richtlinie im Jahr 2000 ist auch die ganzheitliche Betrachtung von Fluss-Einzugsgebieten Allgemeingut geworden. Danach ist der gesamte Fluss von der Quelle bis zur Mündung als Einheit zu sehen. Maßnahmen, die an irgendeiner Stelle des Gewässersystems zu Veränderungen führen, wirken sich auch in anderen Teilen des Einzugsgebiets aus.
Entwicklung einer lebendigen Lippe „Guter Zustand“ der Fließgewässer – dies bedeutet, dass man dort die Fische, Kleinlebewesen und Pflanzenarten findet, die natürlicherweise in nahezu unbeeinträchtigten Gewässern leben. Voraussetzung dafür ist zunächst eine gute Wasserqualität durch lückenlose Abwasserbehandlung nach dem Stand der Technik. An der Lippe ist sie durch den Ausbau der Kläranlagen in den vergangenen Jahrzehnten größtenteils erreicht.

Eine entscheidende Rolle für die Entwicklung der Lippe zu einem lebendigen Gewässer spielt darüber hinaus die Verbesserung der Gewässerstrukturen. Naturnahe Gewässerstrukturen bieten vielfältige Lebensräume für die typischen Gewässerpflanzen und -tiere im und am Wasser. Die Lippe ist ein sogenanntes Gewässer erster Ordnung und steht damit im Eigentum des Landes NRW. Zwischen der Mündung der Lippe in den Rhein und Lippborg führt der Lippeverband die Maßnahmen zur ökologischen Entwicklung der Lippe im Auftrag des Landes durch.

Die Maßnahmen zur Entwicklung erfolgen – weil die Lippe ein Landesgewässer ist – mit Mitteln des Landes als Teil des Programmes Lebendige Gewässer. Mit dem Programm Lebendige Gewässer werden die Maßnahmen der Wasserrahmenrichtlinie im Land NRW umgesetzt.

Programm "Lebendige Gewässer"

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Fördergeber

Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW

Uferentfesselungen sind ein wichtiges Werkzeug

Ein Tieflandfluss wie die Lippe ist von Natur aus breit und flach. Tatsächlich hat sich die Lippe als Folge der massiven Uferbefestigungen dagegen oft tief in den Untergrund eingeschnitten. Daher ist der Rückbau von Uferbefestigungen aus den 1950-er bis 1970-er Jahren durch „Uferentfesselung“ ein wichtiges Instrument, um wieder naturnahe und vielfältige Uferstrukturen zu schaffen. Eine Verbreiterung des Gewässerprofils und eine Anhebung der Sohle sind vielfach möglich. Letztlich geht es darum, der Lippe den im Laufe früherer Jahrzehnte verlorenen Raum wieder zurückzugeben, damit sie sich soweit wie möglich eigendynamisch entwickeln und mit ihrer Aue vernetzen kann.

Durchgängigkeit wieder herstellen

Durch die Schaffung von Auen, die mit dem Gewässer eng vernetzt sind und schon bei leicht erhöhten Wasserständen überflutet werden, wird ein funktionierendes Fluss-Auen-Ökosystem besonders gefördert: Wenn sich der Fluss wieder in seine Aue ausdehnen kann und wechselfeuchte Uferbereiche entstehen, siedeln sich dort standorttypische Tier- und Pflanzenarten an, die auf solche Lebensräume angewiesen sind. Auch einige Fischarten profitieren von häufigeren Überflutungen. Auf diesem Weg wird also die Artenvielfalt erheblich gesteigert. Außerdem werden zusätzliche Retentionsräume zur Dämpfung von Hochwasserspitzen geschaffen.

Daneben ist es notwendig, die Lippe und die Mündungen ihrer Nebenläufe wieder durchgängig zu machen, damit zahlreiche Tierarten sich im Flusssystem ausbreiten können. Weil die Beseitigung von Wehren teilweise nicht möglich ist, sind Fischauf und -abstiege unverzichtbar. Hier wurde an der Lippe bereits sehr viel erreicht.
Laufende Untersuchungen werden zeigen, ob und wo Optimierungen von Fischauf­stiegen an Wehren oder auch ein Neubau erforderlich sind.

Die Entstehung einer „neuen Lippe“ erfordert dabei eine sorgfältige Planung, Flächenerwerb mit Weitsicht und einen Ausgleich unterschiedlicher Interessen. Die Umsetzung der Projekte muss Schritt für Schritt, jedoch eng miteinander verzahnt erfolgen.

Abgeschlossene Projekte

Der Weg zur neuen Lippe

Der Weg zu einer „neuen Lippe“, die mehr ist als ein bloß funktionaler Industriefluss, hat bereits vor Jahrzehnten begonnen:

Lippe-Auenprogramm

Bereits in den 1990-er Jahren wurde das Lippe-Auenprogramm aufgelegt, welches anfangs vor allem durch „Uferentfesselungen“ auf verfügbaren Gewässerrandstreifen umgesetzt wurde. Dabei entfernte man Flussbausteine, die zur Sicherung der Ufer eingebaut waren, und verwendete sie für eine Anhebung der Sohle oder die Gestaltung von kleinen Inseln im Fluss. So kamen im Laufe von rund 20 Jahren insgesamt 55 Kilometer entfesselte Lippe-Ufer zusammen. Parallel dazu wurden Planungen für große Renaturierungsmaßnahmen aufgenommen und die Beschaffung der dafür erforderlichen Flächen vorangetrieben.

LIFE-Projekt Lippe-Aue Hamm

Als erstes großflächiges Renaturierungsprogramm an der mittleren Lippe wurde im Jahr 2005 das LIFE Projekt Lippe-Aue in Hamm gestartet. Bis 2015 konnten Lippeverband und Stadt Hamm auf 615 Hektar im östlichen Stadtgebiet eine ausgedehnte Auenlandschaft neu entwickeln. Durch zahlreiche Einzelmaßnahmen wurde der Fluss wieder an die Aue angebunden. Dazu hat man z. B. Blänken und Altarme reaktiviert und Feuchtwiesen angelegt, landwirtschaftlich intensiv genutzte Flächen wurden umgewandelt in extensiv genutzte Flächen, die nur noch gemäht werden oder zu Weidezwecken dienen. Auch das Naturerlebnis kam nicht zu kurz: Es entstand ein Aussichtsturm am Rand der Aue und am Schloss Oberwerries installierte der Lippeverband die Lippe-Fähre „LUPIA“ Mit dem LIFE Projekt kehrten die Störche zurück, die seitdem regelmäßig in den Lippe-Wiesen brüten.

Neue Lippe-Mündungsaue bei Wesel

Am Unterlauf der Lippe ist seit 2009 die neue Lippe-Mündung bei Wesel mit einer ausgedehnten Aue kurz vor dem Rhein angelegt und 2014 fertig gestellt worden. Im Zuge der knapp fünfjährigen Bauzeit entstand durch Bodenabtrag beiderseits der 2,5 Kilometer langen neuen Gewässertrasse eine 142 Hektar große Flusslandschaft mit zahlreichen wechselfeuchten Flächen, die je nach Wasserstand der Lippe beziehungsweise des Rheins überschwemmt sind oder trocken fallen – bereits heute ein Eldorado für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Schon im Sommer 2016 konnten in der Weseler Lippe-Aue 595 Tierarten und 425 pflanzliche Spezies bestimmt werden.

Fluss- und Auenentwicklung Haus Vogelsang

15 Kilometer östlich von Haltern-Lippramsdorf, zwischen Datteln-Ahsen und Olfen, entsteht derzeit eine neue Lippe-Aue bei dem ehe­maligen Adelssitz Haus Vogelsang. Auf rund sechs Kilometern Lauflänge wird die Lippe im Projektgebiet nach dem Leitbild eines Tieflandflusses naturnah gestaltet. Dabei wird der Fluss flacher und breiter, ehemalige Altarme werden an den Hauptlauf angebunden, dabei entsteht auch eine Insel im Fluss. Durch Bodenabtrag an den Ufern wird die künftige Aue näher an die Lippe herangebracht. Die engere Verbindung zwischen Fluss und Aue sorgt für häufigere Überflutungen der Uferbereiche und ist hoch­attraktiv als Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten.

Impressionen von der Lippe bei Haus Vogelsang in Datteln/Olfen

Lippe bei Haus Vogelsang im August 2019. Foto: EGLV
Lippe bei Haus Vogelsang im August 2019. Foto: EGLV
Lippe bei Haus Vogelsang im August 2019. Foto: EGLV
Lippe bei Haus Vogelsang im August 2019. Foto: EGLV
Lippe bei Haus Vogelsang im August 2019. Foto: EGLV
Lippe bei Haus Vogelsang im August 2019. Foto: EGLV
Lippe bei Haus Vogelsang im August 2019. Foto: EGLV
Lippe bei Haus Vogelsang im August 2019. Foto: EGLV
Lippe bei Haus Vogelsang im August 2019. Foto: EGLV

Mündung Dattelner Mühlenbach

Ein drittes, kleineres Renaturierungsprojekt schließt sich östlich an das Projektgebiet Haus Vogelsang an: Die Mündung des Dattelner Mühlenbachs in die Lippe wird naturnah umgestaltet. Damit wird hier nicht nur die ökologische Verbesserung des Mühlenbachs, der vor kurzem noch ein offener Schmutzwasserlauf war erreicht. Durch die starke Aufweitung des Mündungsbereiches wird außerdem auf rund 200 Metern Länge das linksseitige Lippe-Ufer zu einer naturnahen Aue umgestaltet. Die Arbeiten, die seit März 2018 laufen, werden bereits im gleichen Jahr abgeschlossen.

Impressionen vom Dattelner Mühlenbach

Der Dattelner Mühlenbach kurz nach Bauende im September 2018 - vor dem Umschluss des Bachwassers in den neuen Lauf. Foto:: EGLV
Der Dattelner Mühlenbach kurz nach Bauende im September 2018 - vor dem Umschluss des Bachwassers in den neuen Lauf. Foto:: EGLV
Der Dattelner Mühlenbach kurz nach Bauende im September 2018 - vor dem Umschluss des Bachwassers in den neuen Lauf. Foto:: EGLV
Der Dattelner Mühlenbach kurz nach Bauende im September 2018 - vor dem Umschluss des Bachwassers in den neuen Lauf. Foto:: EGLV
Der Dattelner Mühlenbach kurz nach Bauende im September 2018 - vor dem Umschluss des Bachwassers in den neuen Lauf. Foto:: EGLV
Der Dattelner Mühlenbach kurz nach Bauende im September 2018 - vor dem Umschluss des Bachwassers in den neuen Lauf. Foto:: EGLV
Der Dattelner Mühlenbach kurz nach Bauende im September 2018 - vor dem Umschluss des Bachwassers in den neuen Lauf. Foto:: EGLV
Der Dattelner Mühlenbach kurz nach Bauende im September 2018 - vor dem Umschluss des Bachwassers in den neuen Lauf. Foto:: EGLV

Aktuelle Projekte

Neue "Hot Spots" an der Lippe

2017 wurde zwischen dem Land NRW und dem Lippeverband eine Rahmenvereinbarung zur Durchführung der Gewässerunterhaltung und von Gewässerausbaumaßnahmen der Lippe im Lippeverbandsgebiet abgeschlossen. Auf dieser neuen Grundlage setzt der Lippeverband unter dem Namen Programm Lebendige Lippe die mit dem Land abgestimmten Gewässerentwicklungsmaßnahmen weiter um. Derzeit laufen drei dieser Renaturierungsprojekte am Mittel- und Unterlauf der Lippe.

Deichbau-Projekt HALIMA

Auf 5,6 Kilometern Länge erneuert der Lippeverband seit Juli 2016 in den nächsten Jahren seine Hochwasserschutzdeiche in Haltern-Lippramsdorf und Marl (HaLiMa). Die bestehenden Deiche am Nord- und Südufer der Lippe werden durch neue, zurückverlegte Dämme ersetzt. Die neuen Deiche werden ebenfalls bis zu 14 Meter hoch sein aber sanfter ansteigen als die alten. Zudem gewinnt die Lippe eine Auenfläche von rund 60 Hektar. Im Bereich HaLiMa wird der Fluss nach Abschluss der Bauarbeiten wesentlich flacher und breiter sein als heute.

Die Gesamtmaßnahme wird etwa 7,5 Jahre Bauzeit umfassen, die Finanzierung erfolgt durch das Land NRW und die RAG AG. In dem aktuellen Baulos werden insgesamt rund 1,4 Millionen Kubikmeter Bodenmasse benötigt. 60 Prozent davon wird per Schiff antransportiert. Die Baumaßnahme in Süden zwischen dem Sickingmühlenbach und dem Oelder Weg ist zu 99 % fertig gestellt und wird im I. Quartal 2019 abgeschlossen sein. Beim Bau des 3 Zonen Deichs zwischen der Lippramsdorfer Str. und dem Oelder Weg im Norden ist die Ausgleichsschicht hergestellt und mit dem Deichbau wurde begonnen. Das im Hinterland liegende neue Pumpwerk Meinken wird Ende 2018 fertig gestellt sein. Mit dem Bau der Fundamente für die Bandförderanlage über die Lippe wurde begonnen. Die Baumaßnahme im Norden wird Anfang 2020 abgeschlossen.

Da in 2019 die Deichanschlüsse im Norden hergestellt werden, muss der Deichkronenweg zwischen der Lippramsdorfer Str. und dem Oelder Weg ab dem 1. Februar 2019 für ca. 10 Monate gesperrt werden. Eine Umleitung wird entsprechend beschildert.

Die nächsten Projekte

Vorbereitungen in Hamm, Schermbeck und Werne-Bergkamen

Lippe-Umgestaltung Hamm-West

In dem rund 4,9 Kilometer langen Projektgebiet zwischen Hamm-Heessen und Hamm-Herringen soll die Lippe ab 2019 umgestaltet werden – durch Laufverlängerung, Schaffung von Sekundärauen und neue Uferstrukturen. Das wasserwirtschaftliche Projekt ist im Rahmen eines Integrierten Handlungskonzeptes eng verknüpft mit dem seitens der Stadt Hamm im gleichen Gebiet geplanten „Erlebensraum Lippe“, der die neu entstehende Flusslandschaft durch neue Aufenthaltsräume, Fuß- und Radwege und vieles mehr für die Bevölkerung erschließt.

Mündung Schermbecker Mühlenbach

Ebenfalls ab 2019 soll der Einmündungsbereich des Schermbecker Mühlenbaches in die Lippe im Kreis Wesel naturnah umgestaltet werden – durch Anlage von Auenstrukturen, Flutmulden für häufigere Überflutungen und ein geringeres Gefälle des Mühlenbaches. Durch die Aufweitung der Mündung wird auch die Lippe auf rund 1,3 Kilometer Fließstrecke ökologisch verbessert.

Renaturierung Werne – Bergkamen

Das Projekt Lippe-Renaturierung Lünen-Beckinghausen – Werne umfasst einen insgesamt rund 11 Kilometer langen Flussabschnitt der Lippe, der zur Beschleunigung des Verfahrens und der baulichen Umsetzung in zwei Abschnitte geteilt wurde. Für den Entwurfsabschnitt 1 Werne-Berg­kamen zwischen dem Wehr Werne und den Rieselfeldern in Werne/ Stadtgrenze Berg­kamen will der Lippeverband Anfang 2019 den wasserrechtlichen Antrag einreichen. Die Lippe soll auf dieser bisher rund drei Kilometer langen Gewässerstrecke um etwa 1,2 Kilometer verlängert werden. Im Vorfeld des eigentlichen Projekts wurde bereits 2011 am Wehr Werne ein Fischaufstieg angelegt, um die Durchgängigkeit der Lippe für Fische und Wasserorganismen aller Art wiederherzustellen. Das Planverfahren für den Entwurfsabschnitt 2 soll danach folgen

Weitere Planungen

Entwicklung benötigt Vorlauf

Die Entwicklung von Fluss und Aue erfordert einen langen Vorlauf. Daher müssen Projekte, die in der nächsten Dekade gebaut werden sollen, heute auf den Weg gebracht werden. Die Erfahrungen zeigen, dass die Projekte dann erfolgreich sind, wenn der Lippe ausreichend Raum zur Verfügung gestellt werden kann. Für Projekte, mit denen wir erst in einigen Jahren beginnen können, muss bereits heute der Grunderwerb angegangen werden.

Der Raum, der der Lippe zurückgegeben werden soll, wird intensiv genutzt. Die Landschaft ist geprägt durch eine gewachsene landwirtschaftliche Nutzung, die auch wirtschaftlich ein starker Faktor ist. Ohne Landwirtschaft wäre die Lippe-Region nicht mehr das, was sie seit Jahrhunderten ist. Daher ist es Ziel, die landwirtschaftliche Nutzung und die Gewässerentwicklung in Einklang zu bringen. Das Land NRW und der Lippeverband haben sich aufgemacht, durch Transparenz und frühzeitige Beteiligung für eine breite Akzeptanz der Maßnahmen zu sorgen. Frühzeit finden Gespräche mit allen Beteiligten statt, um gemeinsam zu überlegen, wie für das Programm Lebendige Lippe benötigte Flächen verfügbar gemacht werden können. Wenn eine im Grundsatz akzeptierte Planung vorliegt und die dafür tatsächlich verfügbaren Flächen feststehen, können aus Vorplanungen konkrete Genehmigungsplanungen entwickelt werden. Am Ende dieses kooperativen Planungsprozesses steht eine weitgehend abgestimmte Planung, die dann den zuständigen Behörden – in der Regel der Bezirksregierung, in manchen Fällen auch dem jeweiligen Kreis – zur Genehmigung vorgelegt wird. Diese führen dann die Planungsverfahren und in deren Rahmen vorgesehene Bürgerbeteiligungen durch.

Wo die Reise hingeht: Die neue Lippe

Bis alle Teilprojekte umgesetzt sind und sich die neue Lippe nach und nach zu einem naturnahen Gewässer entwickelt hat, wird es noch sicher mehr als eine Generation dauern. Nicht erst dann werden die Menschen in der Region die Früchte ernten. Mit dem Abschluss jedes einzelne Renaturierungsprojektes wird die ökologische Qualität der Lippe Stück für Stück steigen. Die Verleihung des Titels „Flusslandschaft des Jahres 2018/2019“ an die Lippe durch die NaturFreunde Deutschlands und den Deutschen Angelfischerverband hat schon jetzt ihre Berechtigung.

Lippe-Fähren

Per Muskelkraft über die Lippe

Lippe-Fähren bieten Radfahrern und Wanderern die Möglichkeit, einen einzigartigen Naturraum zu erleben. Mit der “Maifisch” wurde im Herbst 2015 in Haltern die Vierte in der neuen Generation der Personenfähren zu Wasser gelassen: “Baldur” in Dorsten hat im Mai 2005 den Anfang gemacht, es folgten in Wesel der “Quertreiber” und 2013 die “LUPIA” in Hamm-Oberwerries.

Saison von Ostern bis Oktober

Baldur, Lupia und Maifisch betreibt der Lippeverband, der auch dafür sorgt, dass die Fähren rechtzeitig vor der Hochwassersaison aus dem Wasser kommen. Aus Sicherheitsgründen werden die Fährbereiche rund um die Uhr per Kamera überwacht. Die Benutzung ist kostenlos, einen “Fährmann” gibt es nicht. Dafür müssen die Nutzer selbst Hand anlegen: Die Schwimmkörper werden per Handkurbel am Drahtseil über die Lippe gezogen.

Benutzen kann man die Fähren zwischen Ostern und Oktober – anschließend werden sie dann ins Winterquartier verbracht. In dieser Zeit werden fällige Wartungs- und Reparaturarbeiten erledigt.

Namen mit Bezug zur Lippe

Baldur ist nach der gleichnamigen Zeche benannt, die es in den 1920er Jahren in Dorsten gab. Schon damals existierte eine Fährverbindung über die Lippe: Ein Fährmann ruderte vor und nach der Schicht Bergleute in einem Holzkahn über den Fluss.

Für die Halterner Lippe-Fähre haben der Lippeverband, die Stadt Haltern am See und der Heimatverein Flaesheim die Bevölkerung zu Namensvorschlägen aufgerufen. Aus vielen Einsendungen wurde am Ende der Name “Maifisch” ausgewählt, denn dieser hat einen besonderen Bezug zur Lippe. Der Maifisch war vor hundert Jahren im ganzen Rheinland weit verbreitet und als Speisefisch geschätzt.

Kanu- und Motorbootfahren auf der Lippe

Balance der Nutzungsansprüche

Die Lippe ist der längste Fluss Nordrhein-Westfalens und schützenswerter Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten. An der Lippe bieten mehrere Naturschutzgebiete Raum für die möglichst ungestörte Entwicklung dieses Ökosystems. Doch auch Menschen sollen die Lippe erleben und sich an ihren Ufern erholen können. Um eine Balance zwischen den verschiedenen Nutzungsansprüchen zu finden, gelten insbesondere für den Wassersport besondere rechtliche Regelungen.

Befahrungsregeln für die mittlere und untere Lippe

Wir als Lippeverband haben die Zuständigkeit im mittleren und unteren Bereich der Lippe und sind dort Gewässerunterhalter. Wir sind kein Gesetzgeber und bestimmen nicht über die generelle Schiffbarkeit oder geltende Wassersport-Regelungen.

Generell gilt:

Die Lippe ist kein schiffbares Gewässer.
Das Befahren der Lippe mit Motorbooten ist durch den Gesetzgeber untersagt.
Das Befahren der Lippe mit Kanus oder anderen unmotorisierten Wassersportgeräten wird durch die zuständigen Kreisbehörden geregelt und ist nur eingeschränkt zulässig. Kanusportlerinnen und -sportler wenden sich bei Fragen bitte an die zuständigen Kreisbehörden.

Im Kreis Unna ist es beispielsweise möglich, begrenzte Kontingente für das eintägige Befahren mit Kanus auf einer zentralen Webseite des Kanu-Verbandes NRW hier zu buchen.

Auch im Kreis Recklinghausen gibt es eine ähnliche Regelung. Den Verweis zum Buchungsportal und eine Karte mit anmeldefreien bzw. anmeldepflichtigen Abschnitten finden Sie hier.

Allgemeine Informationen für das Kanufahren bietet die Seite des Kanuverbands NRW.

Gesetzliche Grundlage

Das Wasserhaushaltsgesetz (WHD) regelt, dass die Länder den Gemeingebrauch ihrer Gewässer eigenständig definieren dürfen. Im Landeswassergesetz NRW regelt der Gesetzgeber, dass nach §118 Abs. 1 LANUV die für Umweltschutz und Verkehr zuständigen Ministerien durch Rechtsverordnungen bestimmen, welche Gewässer schiffbar sind.