A42 im Essener Norden: Entwässerung wird neu geordnet

Emschergenossenschaft baut im Auftrag der Autobahn GmbH ein neues Regenrückhaltebecken im Kreuz A42/B224. Komplexes System sorgt im Hintergrund für ein nachhaltiges Wassermanagement

Essen. Im Zuge des sechsspurigen Ausbaus der Autobahn A42 zwischen den Anschlussstellen Bottrop-Süd und Essen-Nord wird auch die Entwässerung der Fahrbahnen neu geordnet. Im Bereich des Kreuzes A42 und B224 im Essener Norden (Gladbecker Straße) baut die Emschergenossenschaft im Auftrag der Autobahn GmbH ein neues Regenrückhaltebecken sowie eine Anschlussleitung an einen bereits bestehenden städtischen Kanal. In die Maßnahme werden zirka 3,2 Millionen Euro investiert. Die Arbeiten sollen bis Sommer 2026 abgeschlossen sein.

Der wasserwirtschaftliche Anlass für den Bau des neuen Regenrückhaltebeckens begründet sich aus dem Ausbau der Autobahn und der damit verbundenen Vergrößerung der Fläche, die im Regenfall das Niederschlagswasser aufnimmt. Damit diese Wassermengen schadlos abgeführt werden können, entsteht im nordwestlichen „Kleeblatt“ des Kreuzes A42/B224 das neue Regenrückhaltebecken. In diesem Becken wird das Niederschlagswasser, das von der Autobahn zugeleitet wird, zunächst gesammelt. Über einen unterirdischen Ableitungskanal fließt es dann unterhalb der Abfahrt von der A42 auf die B224 in ein sogenanntes Auslaufbauwerk. Dieses entsteht auf der Grünfläche nördlich des „Kleeblattes“ im Dreieck zwischen B224 (Fahrtrichtung Essener Innenstadt), A42 (Fahrtrichtung Duisburg) und der Auffahrt von der B224 auf die A42 in Richtung Duisburg.

Das Auslaufbauwerk hat die Funktion, das aus dem Rückhaltebecken zufließende Regenwasser gedrosselt in einen bereits bestehenden städtischen Kanal einzuleiten. Dieser führt die Wassermengen zunächst zum Pumpwerk Rahmdörnegraben im Bereich der Gewerkenstraße in Essen-Altenessen. Das Pumpwerk, das der Emschergenossenschaft gehört, fördert den Wasserstrom in Richtung des ebenfalls zur Emschergenossenschaft gehörenden Regenüberlaufbeckens Gladbecker Straße, das sich auf der Emscher-Insel im Bereich Matthias-Stinnes-Hafen befindet.

Da das von der Autobahn abfließende Niederschlagswasser aufgrund von Reifenabriebpartikeln und anderem Oberflächenschmutz behandlungsbedürftig ist, darf es nicht sofort in ein Gewässer eingeleitet werden. Die Regenwasserbehandlung erfolgt in dem Überlaufbecken: Der saubere Regenwasseranteil fließt anschließend in die Emscher, während der Schmutzanteil in einen unterirdischen Abwasserkanal eingeleitet und über diesen in das Klärwerk Emscher-Mündung nach Dinslaken transportiert wird. Dort wird das Wasser auf hohem technischen Niveau gereinigt und in die Emscher eingeleitet, von wo aus es zunächst in den Rhein und final in die Nordsee fließt.

Hintergrund:

So funktioniert eine Regenwasserbehandlung

Eine Regenwasserbehandlungsanlage dient der Trennung von sauberem Regenwasser und schmutzigem Abwasser. In einem Stauraumkanal oder Regenüberlaufbecken wird bei starken Niederschlägen das Wasser zunächst „angehalten“ und beruhigt. Dabei kommt das physikalische Gesetz der Schwerkraft zum Tragen: Die schwereren Schmutzsedimente setzen sich nach unten ab und können gedrosselt durch eine Ableitung in den Abwasserkanal und anschließend zur Kläranlage transportiert werden. Das oben schwimmende, weitestgehend saubere und nicht-klärpflichtige Regenwasser dagegen kann nach Erreichen einer bestimmten Menge und Höhe über eine sogenannte Entlastungsschwelle ins Gewässer „schwappen“. Mit Hilfe der Regenwasserbehandlungsanlagen erhalten die Gewässer also weitestgehend sauberes Wasser, während die Abwasserkanäle und insbesondere die Kläranlagen entlastet werden. Das ist nicht nur ökologisch äußerst sinnvoll, sondern auch ökonomisch – denn die Abwasserkanäle müssen nicht durchgängig übergroß dimensioniert werden, was die Baukosten erheblich senkt! Zudem gehört sauberes Regenwasser ins Gewässer und nicht in die Kläranlage, wo es unnötigerweise noch einmal für viel Geld gereinigt würde.

Stimmen der Beteiligten zum Projekt:

Kathrin Heffe, Leiterin der Außenstelle Bochum der Autobahn GmbH:

„Die Entwässerung der Fahrbahn ist ein wesentlicher und auch sicherheitsrelevanter Bestandteil des Autobahnbetriebes. Wir freuen uns, dass wir mit der Emschergenossenschaft einen kompetenten Partner für den Bau des neuen Regenrückhaltebeckens an der Seite haben. Gemeinsam schaffen wir im Rahmen unserer Kooperation ein nachhaltiges Regenwassermanagement im Bereich der A42 – übrigens nicht nur hier im Essener Norden, sondern an gleich mehreren Orten im Emscher-Gebiet.“

Michael Kalthoff, stellvertretender Vorsitzender des Genossenschaftsrates der Emschergenossenschaft und Vorstandsvorsitzender der RAG Aktiengesellschaft:

„Der Ausbau der Autobahn ist für die Emscher-Region insgesamt und für Freiheit Emscher insbesondere von großer Bedeutung. Ebenso wichtig ist es, die nötige Infrastruktur von Anfang an mitzudenken. Gemeinsam mit der Autobahn GmbH übernimmt die Emschergenossenschaft dabei zentrale Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge: Entlang der A42 entstehen mehrere Regenrückhalte- und Regenklärbecken, die sowohl einen zuverlässigen Autobahnbetrieb sicherstellen als auch ein umweltbewusstes, nachhaltiges Wassermanagement ermöglichen. So zeigen wir, dass moderne Verkehrsinfrastruktur und ökologische Verantwortung Hand in Hand gehen können.“

Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft:

„Als technischer Infrastruktur-Dienstleister rund um den Wasserkreislauf übernehmen wir als Emschergenossenschaft wichtige wasserwirtschaftliche Aufgaben für unsere Partner und Mitglieder – zugleich tragen wir mit Maßnahmen wie diesem neuen Regenrückhaltebecken an der A42 und B224 sowie der anschließenden Regenwasserbehandlung maßgeblich zur weiteren Revitalisierung der nun seit bereits vier Jahren abwasserfreien Emscher bei. Der saubere Fluss ist ein wesentlicher Grund, weswegen die Entwässerung der Autobahn mittlerweile eine deutlich höhere Bedeutung erhält. Hier besteht die Notwendigkeit der Trennung in klärpflichtige und nicht-klärpflichtige Niederschlagswässer vor Einleitung in die Emscher.“

Prof. Dr. Frank Obenaus, Vorstand für Wassermanagement und Technik bei der Emschergenossenschaft:

„Die Entwässerung der Autobahn offenbart das komplexe wasserwirtschaftliche System, das im Hintergrund dafür sorgt, dass  verschmutztes Wasser nicht in die Gewässer gelangt. Der Anschluss an dieses System kann im Essener Norden vergleichsweise einfach erfolgen, weil wir als Emschergenossenschaft in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eine hochfunktionale wasserwirtschaftliche Infrastruktur auf- und ausgebaut haben. Eine gut funktionierende Entwässerung der A42 sorgt letztlich dafür, dass auch der Verkehr auf der Autobahn nicht gleich bei jedem kleineren Regenereignis ins Stocken gerät.“

Emschergenossenschaft
Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de