Wasser erleben und verstehen
Projekttag der Friedensschule in Kooperation mit der Stadt Hamm und dem Lippeverband
Hamm. Wie funktioniert moderne Stadtentwässerung? Welche Rolle spielt der Hochwasserschutz? Und was bedeutet „Schwammstadt“ konkret für die Zukunft urbaner Räume? Mit diesen Fragen setzten sich die Geografiekurse der Jahrgangsstufe 11 der Friedensschule Hamm im Rahmen eines ganztägigen Projekttags intensiv auseinander. Organisiert wurde die Veranstaltung gemeinsam von der Stadt Hamm, dem Lippeverband sowie der Schule.
Im Rahmen des Projekttags rund ums Thema Wasser erhielten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 11 der Friedensschule Hamm an mehreren Stationen Einblicke in die Wasserwirtschaft und erfuhren, was Klimafolgenanpassung konkret bedeutet. Der Auftakt fand am Pumpwerk an der Münsterstraße statt. Die Jugendlichen erkundeten in Kleingruppen das Pumpwerk und lernten dabei technische Abläufe sowie den Einsatz von Spezialfahrzeugen wie Spül- und Kamerawagen kennen. „Der Lippeverband betreibt in Hamm ein knapp 800 Kilometer umfassendes öffentliches Kanalnetz sowie etwa 200 Sonderbauwerke – darunter rund 100 Pumpwerke und 85 Anlagen zur Regenwasserbehandlung und -rückhaltung. Hinzu kommt die Reinigung von rund 30.000 Straßeneinläufen. Es ist toll, wenn wir durch solche Projekttage Interesse wecken und vielleicht neue Kolleginnen und Kollegen für diesen wichtigen Bereich gewinnen können“, so Kai Gantenbrinker, Leiter der Stadtentwässerung Hamm des Lippeverbandes.
Bereits im Unterricht hatten die Schülerinnen und Schüler Maßnahmen vorbereitet, die für den Umbau zur Schwammstadt notwendig sind. So stellten sie ihren Klassenkameradinnen und -kameraden unter anderem Fassaden- und Dachbegrünung sowie weitere Möglichkeiten der Starkregenvorsorge vor. Auch berufliche Perspektiven im Bereich Umwelt und Wasserwirtschaft wurden thematisiert.
Ein weiterer Programmpunkt führte die Teilnehmenden in das Projektgebiet des Erlebensraums Lippeaue. Dort standen die Umgestaltung des Flusses sowie moderne Hochwasserschutzmaßnahmen im Fokus. Jessica Dieckmann aus dem Umweltamt vermittelte anschaulich die ökologischen und technischen Hintergründe der Maßnahmen und erklärte, was der Biber und die Kläranlage mit der naturnahen Umgestaltung zu tun haben.
Am Nachmittag ging es im Stadtteilzentrum Hamm Norden weiter: Neben einem kurzen fachlichen Input erkundeten die Schüler:innen konkrete Maßnahmen vor Ort, führten Temperaturmessungen mit der Wärmebildkamera durch und verglichen versiegelte mit begrünten Flächen. Das Brettspiel „Schwamm drunter“ der Zukunftsinitiative Klima.Werk unterstützte bei Wissenstransfer und -vertiefung.
Klimaanpassungsmanagerin Wilma Großmaas fasst zusammen: „Der Projekttag zeigt beispielhaft, wie schulische Bildung, kommunale Praxis und fachliche Expertise erfolgreich zusammenwirken können. Die gelungene Vorbereitung zwischen Schule, Stadt und Lippeverband macht deutlich, wie wichtig Zusammenarbeit ist, um junge Menschen für Umwelt- und Klimathemen zu sensibilisieren und gleichzeitig berufliche Perspektiven aufzuzeigen.“ Doch nicht nur Schüler*innen profitieren in Hamm von der Schwammstadt. Auf dem gesamten Stadtgebiet gibt es für Bürger*innen und Unternehmen Fördermöglichkeiten über das Programm „Emscher Lippe Klimaanpassung“ und KRiS im Hammer Norden, abrufbar unter www.klima-werk.de/klimafoerderung/elka-emscher-lippe-klima-anpassung und www.klima-werk.de/kris-foerderung/gestaltungsraeume/details/gestaltungsraum-hammer-norden
100 Jahre Lippeverband
Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde seinerzeit Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum unterhalb Lippborg bis zum Rhein bei Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger auf jubilaeum.eglv.de.