Verbesserter Hochwasserschutz an der Seseke

100 Jahre Lippeverband – Gewässerumbau hat die Überschwemmungsgefahr reduziert

Bönen. Der Lippeverband feiert in diesen Tagen sein 100-jähriges Bestehen: Am 19. Januar 1926 erfolgte der Erlass des Lippe-Gesetzes – es gilt als die Geburtsstunde des Lippeverbandes. Eine der wichtigsten Maßnahmen des Lippeverbandes in den vergangenen hundert Jahren war die Renaturierung der Seseke. Mit dieser ökologischen Maßnahme ging auch eine Verbesserung des Hochwasserschutzes einher – insbesondere durch den Bau des Hochwasserrückhaltebeckens Bönen.

Der Hochwasserschutz an der Seseke hat sich mit dem Umbau der Flusslandschaft durch den Lippeverband im Rahmen des Seseke-Programms deutlich verbessert. Durch die Aufweitung der Flussaue bieten die Gewässerläufe im Einzugsgebiet der Seseke nun mehr Raum, in dem sich das Hochwasser im Extremwetterfall sammeln kann. Zudem fließt das Wasser in den gut bewachsenen Gewässerauen nicht mehr so schnell ab. Dadurch wird die Hochwasserwelle auf natürliche Weise verzögert und abgeflacht. Aber nicht nur die Gewässerumgestaltung allein hat sich positiv auf den Hochwasserabfluss ausgewirkt. Auch die im Rahmen des Gewässerumbaus errichteten Regen- und Hochwasserrückhaltebecken verhindern hohe Abflussspitzen nach Starkregenereignissen.

Infrastruktur auf Extremwetterereignisse vorbereiten
Durch den Klimawandel wird das Thema Hochwasserschutz aktueller denn je: Extremwetterereignisse wie Starkregen werden in Zukunft häufiger auftreten. Daher ist es wichtig, dass die Infrastruktur in der Region darauf vorbereitet ist und das Wasser nicht zu Überflutungen führt. Mit dem Seseke-Programm hat der Lippeverband dieses Ziel erreicht – insgesamt wurden 16 Regenrückhaltebecken mit einem Gesamtvolumen von 157.000 Kubikmetern gebaut. In diesen werden große Regenmengen gesammelt, bevor sie versickern oder kontrolliert in die Gewässer geleitet werden. Im Hochwasserrückhaltebecken Bönen, das darüber hinaus ergänzend zu den bestehenden Becken gebaut wurde, können nochmals bis zu 340.000 Kubikmeter Wasser angestaut werden – damit erhöhte sich das Rückhaltevolumen inklusive der kommunalen Hochwasserrückhaltebecken auf insgesamt zwei Millionen Kubikmeter.

Auch die eigentliche Abwasserfreiheit in den Flüssen wirkt sich positiv auf die Hochwassergefahr aus: Da das Abwasser durch das Seseke-Programm nicht mehr im Fluss, sondern in Kanalrohren zur Kläranlage geleitet wird, befindet sich grundsätzlich weniger Wasser im Gewässer – auch bei Hochwasser. Die Kombination dieser Einzelmaßnahmen hat dazu geführt, dass sich der Hochwasserabfluss an der Seseke-Mündung in Lünen um etwa ein Drittel verringert hat. Dementsprechend sind auch die Überschwemmungsflächen eines hundertjährlichen Hochwassers deutlich kleiner als vor der Umsetzung des Seseke-Programms. Ein zuvor ermitteltes Schadenspotenzial von 17,5 Millionen Euro fällt damit weg. Rund 1.000 Menschen sind heute nicht mehr durch eine Überschwemmung bei einem 100-jährigen Hochwasser gefährdet.

Hintergrund: Das Seseke-Programm
Die Seseke diente ab Bönen jahrzehntelang als offener Schmutzwasserlauf, der das Abwasser der Region abführte. Nach der Nordwanderung des Bergbaus begann der Lippeverband Ende der 1980er-Jahre mit dem Bau von vier modernen Kläranlagen und rund 73 Kilometern an geschlossenen Abwasserkanälen. Damit wurde bis 2014 eine neue abwassertechnische Infrastruktur im Einzugsgebiet der Seseke geschaffen. Seitdem fließt nur noch gereinigtes Wasser in der Seseke und ihren Nebenläufen. Das Schmutzwasser wird in den parallel zum Gewässer verlaufenden, unterirdischen Kanälen zu den Kläranlagen in Bönen, Kamen, Dortmund-Scharnhorst und Lünen geführt und dort gereinigt in die Seseke sowie ihre Zuflüsse Rexebach und Körnebach eingeleitet.

Nach der Befreiung von Abwasser konnten auch die Seseke und ihre Nebenläufe ökologisch verbessert werden: Die Seseke selbst wurde hierzu von einem gradlinigen, in Betonplatten gefassten Gewässer in einen naturnahen, geschwungenen Flusslauf umgestaltet. Dazu wurden die Betonschalen aus dem Flussbett entfernt, die Böschungen abgeflacht sowie Flachwasserzonen und Regenrückhalteflächen eingerichtet. Durch Initialpflanzungen sowie das Einsetzen von Fischen (Quappen) wurden darüber hinaus Flora und Fauna angeregt, damit die Natur zurückkehren und sich neue Lebensräume erobern kann.

Infokasten:

Der Lippeverband
Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum von Lippborg bis Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger ab dem 19. Januar 2026 auf jubilaeum.eglv.de.