Seseke-Kinder werden zu Fluss-Expertinnen und -Experten

50 Vorschulkinder beschäftigen sich mit Wasser und Umwelt

Kamen. Rund 50 Vorschulkinder des AWO-Familienzentrums Flohkiste und der katholischen Kita Heilige Familie werden Fluss-Experten. Als „Seseke-Kinder“ beschäftigen sie sich in den kommenden Monaten mit Flussbewohnern und Pflanzen, aber auch mit Themen wie Müll und Mikroplastik. Initiiert vom Lippeverband und der Stadt Kamen sollen sie ihre Erfahrungen anschließend in einem Sammelheft veröffentlichen, mit dem dann auch andere Vorschulkinder die Seseke kennenlernen können. Dabei bekommen die 4- bis 6-Jährigen Unterstützung von ihrem Erzieher-Team, dem Kinderbuchautor und Flusspoeten Thorsten Trelenberg sowie der Umweltpädagogin Christiane Hüdepohl.

Die durch den Lippeverband renaturierte Seseke und der von der Stadt Kamen realisierte Seseke-Park bieten den Seseke-Kindern dabei die perfekte Kulisse. Hier können sie den Fluss und das Element Wasser entdecken. Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse sammeln sie dann in Arbeitsmappen, die anschließend veröffentlich werden sollen.

„Die Seseke hat sich in den letzten Jahrzehnten komplett gewandelt. Von einem betonverschalten Abwasserlauf hin zu einem lebendigen Gewässer mit viel Aufenthaltsqualität“, fasst Toyin Rasheed vom Lippeverband die Geschichte der Seseke zusammen. „Wir freuen uns, dass der Fluss und der Park so gut von den Menschen vor Ort angenommen werden. Nun sind wir gespannt, welchen Blick die Kinder auf ‚ihr‘ Gewässer haben“, ergänzt Gabriela Schwering von der Stadtplanung Kamen. In den nächsten Monaten erfahren die Seseke-Kinder viel über Wasser, Lebewesen und Nachhaltigkeit – eng betreut von erfahrenen Umweltpädagogen.

Hintergrund:

Gemeinsam an der Lippe

Seit 2014 führt der Lippeverband in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung NRW (MHKBG), dem Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW (MULNV) und den Lippe-Kommunen die Kooperation „Gemeinsam an der Lippe“ durch. Die Kooperation verfolgt das Ziel, städtebauliche und wasserwirtschaftliche Maßnahmen in den Programmgebieten der Städtebauförderung miteinander zu verknüpfen und so zur Verbesserung der Lebensqualität der hier lebenden Menschen beizutragen. Die im Rahmen der Kooperation entwickelten und umgesetzten Projekte werden zu 80 Prozent vom Städtebauministerium gefördert. Der Lippeverband übernimmt den Rest der Kosten in Höhe von 20 Prozent.

Die neue Seseke

Die Seseke diente ab Bönen jahrzehntelang als offener Schmutzwasserlauf, der das Abwasser der Region abführte. Mit dem Auslaufen des Bergbaus in den 1980er-Jahren wurde zum ersten Mal die kanalisierte Form der Gewässer und die offene Abwasserführung in Frage gestellt. Bis dahin hatte es dazu keine echte Alternative gegeben. Da die bergbaubedingten Bodensenkungen durch die Einstellung der letzten Schachtanlagen abklingen würden, entwickelte der Lippeverband das Seseke-Programm, um die Seseke und ihre Nebenläufe wieder in eine abwasserfreie und naturnahe Flusslandschaft zu verwandeln. Vor der Umgestaltung des Seseke-Gebietes mussten zunächst an sämtlichen, zu offenen Schmutzwasserläufen umfunktionierten Bächen unterirdische Kanäle verlegt werden.

Zwischen dem Ende der 1980er-Jahre und 2014 hat der Lippeverband durch den Bau von vier modernen Kläranlagen und rund 73 Kilometern geschlossene Abwasserkanäle eine neue abwassertechnische Infrastruktur im Einzugsgebiet der Seseke geschaffen. Seitdem fließt nur noch gereinigtes Wasser in der Seseke und ihren Nebenläufen. Das Schmutzwasser wird in parallel zum Gewässer verlaufenden unterirdischen Kanälen zu den Kläranlagen in Bönen, Kamen, Dortmund-Scharnhorst und Lünen geführt und dort gereinigt in die Seseke sowie ihre Zuflüsse Rexebach und Körnebach eingeleitet.

Nach der Befreiung vom Abwasser konnten auch die Seseke und ihre Nebenläufe ökologisch verbessert werden: Die Seseke selbst wurde hierzu von einem gradlinigen, in Betonplatten gefassten Gewässer in einen naturnahen, geschwungenen Flusslauf umgestaltet. Dazu wurden die Betonschalen aus dem Flussbett entfernt, die Böschungen abgeflacht sowie Flachwasserzonen und Regenrückhalteflächen eingerichtet. Durch Initialpflanzungen sowie das Einsetzen von Fischen (Quappen) wurden darüber hinaus Flora und Fauna angeregt, damit die Natur zurückkehren und sich neue Lebensräume erobern kann.