Oer-Erkenschwick stärkt Klimaresilienz

Rat der Stadt beschließt "Gestaltungraum Innenstadt". Regenwasser soll nicht mehr in die Kanalisation fließen

Oer-Erkenschwick. Ob Starkregenereignisse oder Temperaturen jenseits der 40 Grad im Sommer: Die Auswirkungen des Klimawandels treffen unsere Lebensqualität und Gesundheit.. Die Stadt Oer-Erkenschwick setzt deshalb auf Klimaanpassung. 2026 kommt mit dem NRW-Programm „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ (KRiS) ein weiteres Instrument hinzu. Mit der Zukunftsinitiative Klima.Werk, dem Lippeverband sowie Bürger*innen möchte die Stadt damit Klimaanpassung an Gebäuden und Grundstücken umsetzen.

„Der Klimawandel ist längst Realität. Mit der Zukunftsinitiative Klima.Werk und dem Lippeverband gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt, um unsere Stadt widerstandsfähiger zu machen und die Lebensqualität in Oer-Erkenschwick langfristig zu sichern“, sagt Bürgermeister Shoaiub Nazir.

Hierzu hat die Stadt einen Gestaltungsraum festgelegt, in dem Maßnahmen des KRiS-Programms sowie die damit verbundenen Anforderungen umgesetzt und dessen Auswirkungen gemessen werden können. Eigentümerinnen und Eigentümer im definierte Gestaltungsraum können von einer Förderung im Rahmen des KRiS-Programms profitieren und so ihre Immobilien und Grundstücke nachhaltig und klimaresilient umgestalten.

Gefördert werden vom NRW-Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr und vom Lippeverband über KRiS etwa Flächenentsiegelungen, wenn Einfahrten oder Parkplätze mit wasserdurchlässigen Belägen gestaltet werden, Dach- und Fassadenbegrünungen sowie Baumrigolen und Versickerungsflächen in Gärten und Vorgärten. „Ziel ist die Abkopplung von Regenwasser, also die Ableitung von Niederschlägen weg von der Kanalisation hin zu Versickerung und Nutzung vor Ort, um die Stadt Oer-Erkenschwick bei Starkregen zu entlasten, Hitze zu mindern und sie widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels zu machen“, erklärt Shoaiub Nazir.

Mehr als 89.000 m² sollen entsiegelt werden

Die Fläche des „Gestaltungsraums Innenstadt“ misst fast einen halben Quadratkilometer und wurde vom Rat der Stadt bereits einstimmig beschlossen. Ziel der Stadt ist es, 31,5 Prozent der versiegelten Fläche im Gestaltungsraum zu entsiegeln und damit von der Mischwasserkanalisation abzukoppeln. Das entspricht mehr als 89.000 m².  

Bürgerumfrage zu klimaangepassten Maßnahmen
Die Stadt möchte die Bürgerinnen und Bürger aktiv in den Prozess der Klimaanpassung einbinden. „Klimaanpassung funktioniert dann gut, wenn sie gemeinsam gestaltet wird. Unsere Aufgabe ist es, zu informieren und zu beraten. Deshalb haben wir vor Kurzem eine Umfrage gestartet. Wir möchten wissen, welche Maßnahmen den Bürgerinnen und Bürgern wichtig sind und welche Möglichkeiten sie bei ihren eigenen Immobilien sehen“, so der Bürgermeister. Die Umfrage kann hier abgerufen werden

Informations- und Dialogformate geplant

Darüber hinaus plant die Stadt, die Bürgerinnen und Bürger bei Ortsteilrundgängen durch den Gestaltungsraum sowie bei weiteren Veranstaltungen zu informieren. Interessierte können dabei direkt vor Ort Fragen stellen und konkrete Beispiele kennenlernen. Die Termine werden rechtzeitig vor den Veranstaltungen bekannt gegeben. Wer sich schon vorab informieren möchte, findet weitere Informationen online beim Klima.Werk (www.klima-werk.de) sowie beim Anpassungsmanagement der Stadt Oer-Erkenschwick.

Die Zukunftsinitiative Klima.Werk

In der Zukunftsinitiative Klima.Werk arbeiten Emschergenossenschaft und Lippeverband gemeinsam mit Städten der Emscher-​Lippe-Region an einer wasserbewussten Stadt-​ und Raumentwicklung, um die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Lebensqualität in den Quartieren zu steigern. Der blau-​grüne Umbau startete 2005 mit der Zukunftsvereinbarung Regenwasser (ZVR) von Emschergenossenschaft, Emscher-​Kommunen und dem Land NRW und entwickelte sich 2014 zur Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ weiter, jetzt Zukunftsinitiative Klima.Werk.

Der Lippeverband

Der Lippeverband ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Seine Aufgaben sind in erster Linie die Abwasserentsorgung und -reinigung, Hochwasserschutz durch Deiche und Pumpwerke und die Gewässerunterhaltung und -entwicklung. Dazu gehört auch die ökologische Verbesserung technisch ausgebauter Nebenläufe. Darüber hinaus kümmert sich der Lippeverband in enger Abstimmung mit dem Land NRW um die Renaturierung der Lippe. Dem Lippeverband gehören zurzeit 155 Kommunen und Unternehmen als Mitglieder an, die mit ihren Beiträgen die Verbandsaufgaben finanzieren. www.eglv.de