Nordkirchener Ortskern von Geruchsproblem befreit

Lippeverband stellt neue Rohrleitung fertig

Nordkirchen. Die Anwohner*innen im Nordkirchener Zentrum können wieder tief durchatmen. Der Lippeverband hat mit dem Ausbau einer Abwasserdruckrohrleitung ein langjähriges Geruchsproblem im Ortskern gelöst. Im Beisein von Bernd Tönning, Leiter des Fachbereichs Zentrale Dienste und Finanzen und allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin der Gemeinde Nordkirchen, und Prof. Dr. Frank Obenaus, Technischer Vorstand des Lippeverbandes, wurde die neue Leitung feierlich in Betrieb genommen. Seit über sieben Jahren ist der Lippeverband neben der Kläranlage auch für den Betrieb des kommunalen Kanalnetzes der Gemeinde Nordkirchen zuständig. Für diese Maßnahme hat der Wasserwirtschaftsverband 1,95 Millionen Euro umgesetzt.

Bislang wurden die Abwässer aus den zu Nordkirchen gehörenden Ortsteilen Südkirchen und Capelle über eine Abwasserdruckrohrleitung der Mischwasserkanalisation von Nordkirchen zugeleitet – mit dem Anschlusspunkt naher der Ortslage im Bereich zwischen Schloßstraße und Am Gorbach. Das Problem: Durch die lange Verweilzeit des Abwassers im geschlossenen Druckleitungssystem fanden dort unter Sauerstoffausschluss (anaerobes Milieu) Faulungsprozesse statt. Nach der Einleitung in die innerstädtische Kanalisation führte dies in der Vergangenheit vor allem bei längeren Trockenzeitperioden – auch bedingt durch die geringe Fließgeschwindigkeit – zu Geruchsbelästigungen.

Mit dem Ausbau der Druckrohrleitung und einem neuen Ausgießpunkt in den der Kläranlage vorgelagerten, außerhalb der Ortslage verlaufenden Mischwassersammler, hat das jetzt ein Ende. „Die Verlängerung der Abwasserdruckrohrleitung um 2,2 Kilometer bis kurz vor die Kläranlage bedeutet eine deutliche Verbesserung der Wohn- und Aufenthaltsqualität im Ortskern von Nordkirchen“, sagt Bernd Tönning, Fachbereichsleiter und allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin.

Die neue Leitungstrasse verläuft fast ausschließlich abseits von Durchgangsstraßen sowie im Bereich landwirtschaftlicher Flächen. Die entsprechenden vertraglichen Vereinbarungen mit den Grundstückseigentümer*innen wurden im Vorfeld durch den  Lippeverband durchgeführt. Die Druckrohrleitung ist als geschlossenes System ausgebildet und in einer Tiefe von mehr als zwei Metern unter der Geländeoberkante verlegt, sodass auch keine Geruchs- oder Geräuschemissionen auf der neuen Leitungstrasse zu erwarten sind.

Abwasserbeseitigung in Nordkirchen aus einer Hand
Die Gemeinde Nordkirchen hat ihre Abwasserbeseitigungspflicht Anfang 2019 auf den Lippeverband übertragen. Damit liegt die gesamte Abwasserbeseitigung in Nordkirchen nun „in einer Hand“. „Das verschlankt und beschleunigt viele Prozesse und Abstimmungen. Je weniger Schnittstellen durch unterschiedliche Akteure zu bedienen sind, desto mehr Synergieeffekte ergeben sich und umso größer ist die Möglichkeit, wirtschaftliche Vorteile zu heben, die letztendlich auch den Gebührenzahler*innen zugutekommen“, sagt Prof. Dr. Frank Obenaus, Technischer Vorstand des Lippeverbandes. Der Wasserwirtschaftsverband betreibt seit der Kanalnetzübertragung in Nordkirchen neben der Kläranlage zusätzlich 90 Kilometer Freispiegelkanäle, 18 km Druckrohrleitungen, 30 Regenwasserbehandlungsanlagen und 33 Pumpwerke.

100 Jahre Lippeverband
Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde seinerzeit Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum unterhalb Lippborg bis zum Rhein bei Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger auf jubilaeum.eglv.de.