Millioneninvestition am Standort Dinslaken

Modernisierung, Instandhaltung und Energieeffizienz: Zahlreiche Maßnahmen werden auf dem Gelände des Klärwerks Emscher-Mündung umgesetzt

Dinslaken. Die Emschergenossenschaft investiert erheblich in ihren Standort auf dem Gelände des Klärwerks Emscher-Mündung (KLEM) in Dinslaken. Insgesamt 150 Millionen Euro sind unter anderem für die Sanierung der drei riesigen Faulbehälter, die Installation von Photovoltaikanlagen, den Bau einer neuen Lehrwerkstatt für Auszubildende sowie in die Modernisierung der Blockheizkraftwerke eingeplant – um nur einige wenige Beispiele zu nennen.

„Mit den aktuellen Maßnahmen stärken wir nicht nur unsere wasserwirtschaftliche Infrastruktur zur Wahrnehmung wichtiger Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge, sondern stellen mit der Ausbildung von Nachwuchsfachkräften nachhaltig die Weichen für die Zukunft“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. Bei einem gemeinsamen Vor-Ort-Besuch besichtigte Simon Panke, Bürgermeister der Stadt Dinslaken, die Kläranlage und die aktuell laufenden Bauarbeiten. „Der Umbau der Emscher hat das Gesicht unserer Stadt in den vergangenen Jahren maßgeblich verändert. Einen großen Anteil daran hat auch dieses Klärwerk, das die Voraussetzung dafür schafft, dass nur gereinigtes Wasser in die Emscher eingeleitet wird und über die renaturierte Mündungsaue in Eppinghoven in den Rhein fließt. Besonders freut mich auch, dass die Emschergenossenschaft als ein starkes Bekenntnis zum Ausbildungsstandort Dinslaken ein modernes Ausbildungszentrum auf dem Gelände des Klärwerks errichtet“, sagt Simon Panke.

Der Beginn der Rohbauarbeiten für die neue Lehrwerkstatt hat bereits im November 2025 stattgefunden. Die Fertigstellung ist für Sommer 2027 geplant. Die Ausbildungswerkstatt ist für die Ausbildungsberufe Mechatroniker, Elektroniker und Industriemechaniker geplant. Das eingeschossige Ausbildungsgebäude wird als optisch schwebende Konstruktion oberhalb zweier ehemaliger Eindickerbecken der Kläranlage errichtet und künftig zwei Schulungsräume, einen Pausenraum, eine Werkstatt, zwei Arbeitsräume, ein Ausbilderbüro, Sanitär- und Umkleideräume sowie Technikräume beherbergen. Bis zu 34 Auszubildende und drei Ausbilder werden hier ihren Platz finden.

Neue Betriebswasser- und Schlammbehandlungsanlage
Die bestehende Betriebswasseranlage auf dem KLEM wird aufgrund des altersbedingten Verschleißes erneuert. Der Bau hat kurz nach Ostern 2026 begonnen. Nach einer Bauzeit von zirka neun Monaten ist die Fertigstellung für Anfang 2027 geplant. Die Emschergenossenschaft erneuert darüber hinaus auch die Schlammbehandlungsanlage auf dem KLEM und bringt sie auf den aktuellen Stand der Technik. Der Neubau umfasst unter anderem die Überschussschlammbehandlung sowie die Beschickung zu den Faulbehältern. Die Fertigstellung ist für Mitte 2029 geplant.

Sanierung der Faulbehälter
Im Zuge der neuen Schlammbehandlungsanlage erfolgt auch eine Sanierung der drei zirka 40 Meter hohen Faultürme auf dem KLEM. Dazu werden die ei-förmigen Behälter nacheinander entleert, gereinigt und aufwändig saniert. Zusätzlich werden auch die Brücken, die den mittleren Aufgang jeweils mit den Faultürmen verbinden, durch Stahlbrücken ersetzt. Die Arbeiten zur Entleerung des ersten Faulbehälters sollen im Sommer 2026 beginnen. Die geplante Fertigstellung des ersten Faulbehälters ist für Mitte 2027 anvisiert. Im Anschluss werden aufeinanderfolgend die beiden anderen Faulbehälter bis Mitte 2029 saniert.

Neue Blockheizkraftwerke und Sanierung der Gastechnik
Die bestehenden fünf Blockheizkraftwerke (BHKW) auf dem KLEM stammen aus dem Jahr 1998 und werden nun aufgrund des altersbedingten Verschleißes, der entsprechend hohen Störanfälligkeit und des geringen Wirkungsgrades abgerissen und mit einer Effizienzsteigerung von 144 Prozent erneuert. Dadurch wird sichergestellt, dass das aus der Kläranlage gewonnene Klärgas energetisch optimal genutzt werden kann. Die bisherige BHKW-Anlage wurde im Dezember 2025 final stillgelegt und vorläufig komplett durch eine provisorische BHKW-Mietanlage ersetzt. Der Abriss bzw. Rückbau der Altanlage soll bis Mitte August 2026 erfolgen. Im Anschluss wird die bauliche Sanierung des Bestandsgebäudes durchgeführt und ab März 2026 sollen die Montagearbeiten der BHKW-Neuanlage beginnen. Geplante Fertigstellung ist im Frühjahr 2028, dann werden die neuen Blockheizkraftwerke das Miet-BHKW wieder ablösen.

Im Zuge der Erneuerung der BHKW-Anlage erfolgt zusätzlich auch eine Sanierung der beiden Gasspeicher und der dazugehörigen Schächte, um die Gastechnik zwischen Faulbehältern und BHKW auf den neuesten Stand der Technik zu bringen. Ebenso saniert werden die beiden Gasfackeln für den Notbetrieb im Falle eines Anlagenausfalls. Die Sanierung der Gastechnik rund ums BHKW ist aktuell bereits im Gange – die Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant.

Installation von Photovoltaikanlagen und Neubau einer Windenergieanlage
Zur Erreichung der Energieautarkie am Standort des KLEM errichtet die Emschergenossenschaft großflächig Photovoltaikanlagen. Dazu werden 12.500 Quadratmeter Freiflächen, zwei Dächer und neue Carports auf dem Parkplatz mit entsprechenden Modulen versehen, die mit einer Leistung von rund 3 MWh/Jahr bis zu 10 Prozent der jährlich auf dem KLEM benötigten Energie erzeugen können – das entspricht dem Strombedarf von knapp 850 Haushalten. Der Baustart ist im Dezember 2025 erfolgt. Die Fertigstellung der Gesamtanlage sowie die vollständige Inbetriebnahme ist für März 2027 geplant.

Zur Erreichung der Energieautarkie des KLEM soll eine Windenergieanlage auf dem Kläranlagengelände errichtet werden. Geplant ist ein rund 150 Meter hohes Windrad auf einem noch zu verfüllenden Becken einer alten Vorklärung. Die Windkraftanlage wird bis zu 15 Prozent der benötigten jährlichen Energie des KLEM erzeugen können. Die Emschergenossenschaft geht bei einem Baubeginn im Frühjahr 2028 von einer Fertigstellung der Windenergieanlage bis Ende 2028 aus.

Emschergenossenschaft
Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de