Mehr als Gullys: Die heimlichen Helden der Hammer Kanalisation

Lippeverband und DWA feiern am 19. Juni Tag des Kanaldeckels

Hamm. In Hamm gibt es über 35.000 Kanaldeckel. Jeder einzelne von ihnen führt in ein unterirdisches System aus rund 800 Kilometern Kanälen, Pumpwerken und technischen Anlagen bis hin zur Kläranlage. Doch obwohl wir sie jeden Tag nutzen – bei der Toilettenspülung, beim Waschen oder Spülen – bleibt das Kanalsystem für die meisten unsichtbar. Dabei ist die moderne Kanalinfrastruktur eine der größten Errungenschaften der Zivilisation – sie sorgt für Hygiene, Seuchenschutz und trägt wesentlich zum Gewässerschutz bei. Um die Abwasserinfrastruktur und die Berufe, die dahinterstehen, sichtbar zu machen, rufen DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall) und Lippeverband am 19. Juni zum Tag des Kanaldeckels auf. Dafür hat sich der Lippeverband auf die Suche nach den schönsten und ältesten Kanaldeckeln in Hamm begeben.

Viele der ältesten Kanaldeckel in Hamm stammen noch aus der Kaiserzeit und befindet sich quer über das Stadtgebiet verteilt. Entwickelt hat sich das Kanalnetz analog zur historischen Stadt. Kein Wunder also, dass sich die Deckel des ältesten Kanals – von 1889 – in der Hammer Innenstadt befinden. Ein echter Hingucker sind die Kanaldeckel im Stadtteil Hamm-Osten. Hier stammen einige Kanalschächte noch aus dem Jahr 1914. Auffällig ist vor allem ihr Aussehen, statt einer schlichten Betonplatte, sind sie aufwändiger gestaltet und mit dem Schriftzug der Stadt Hamm versehen. Ein offensichtliches Merkmal haben jedoch alle Kanaldeckel gemeinsam: sie sind rund. „Das hat einen ganz einfachen Grund. Ein runder Kanaldeckel ist an jeder Seite gleich breit. Egal wie man ihn dreht und wendet, er kann niemals in den Kanal rutschen“, erklärt Kai Gantenbrinker, Leiter der Abteilung Stadtentwässerung Hamm beim Lippeverband.

Die Kanaldeckel – im Fachjargon auch Schachtabdeckungen genannt – dienen als sichere Zugänge zur unterirdischen Infrastruktur. Sie ermöglichen den Betriebsmitarbeitenden den Einstieg für Wartungen, Reparaturen oder Inspektionen, während sie gleichzeitig das Kanalsystem vor äußeren Einflüssen wie dem Straßenverkehr und Schmutz schützen.

Doch was passiert, wenn mal etwas aus Versehen in den Gully fällt? Die gute Nachricht: Die meisten Gegenstände können aus einem Kanalschacht gerettet werden. Dafür öffnen die Mitarbeitenden der Kanalreinigung die Schachtdeckel und werden meist schon im Schmutzfang – direkt unter dem Kanaldeckel – fündig. Auch wenn der Schlüssel, die Kopfhörer oder gar der Ehering etwas tiefer in den Kanal fallen, ist die Hoffnung noch nicht verloren. Denn die Mitarbeitenden des Lippeverbandes können in besonderen Fällen sogar in den Kanal einsteigen, um die vermissten Gegenstände wieder ans Tageslicht zu holen.

Hintergrund zum „Tag des Kanaldeckels“
Am 19. Juni rufen die DWA gemeinsam mit den Wasserwirtschaftsverbänden in ganz Deutschland zum ersten Mal zum „Tag des Kanaldeckels“ auf. Damit wollen sie bundesweit den Blick auf das lenken, was meist unsichtbar bleibt: moderne Abwassertechnik, engagierte Mitarbeitende und ein System, das jeden Tag zuverlässig funktioniert. Neben Entwässerungsbetrieben und Unternehmen können sich auch Bürgerinnen und Bürger auf Social Media an der Aktion beteiligen und unter dem #CkecktheDeckel ihren Lieblingskanaldeckel teilen.

100 Jahre Lippeverband
Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde seinerzeit Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum unterhalb Lippborg bis zum Rhein bei Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger auf jubilaeum.eglv.de.