Lippeverband wird 100 Jahre jung

In Reken betreibt das Wasserwirtschaftsunternehmen zwei Kläranlagen – und seit dem vergangenen Jahr auch das Kanalnetz der Gemeinde

Reken. Der Lippeverband feiert in wenigen Tagen sein 100-jähriges Bestehen: Am 19. Januar 1926 erfolgte der Erlass des Lippe-Gesetzes – es gilt als die Geburtsstunde des Lippeverbandes. In Reken betreibt das öffentlich-rechtliche Wasserwirtschaftsunternehmen seit über fünf Jahrzehnten zwei Kläranlagen. Im vergangenen Jahr übertrug die Gemeinde zudem den Betrieb des Kanalnetzes – inklusive Pumpwerke und Regenrückhaltebecken – an den Lippeverband.

Seit 100 Jahren nimmt der Lippeverband in der Region – und für die Menschen in der Region – unverzichtbare Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge wahr. Dazu gehören unter anderem die Abwasserentsorgung sowie der Hochwasserschutz. Darüber hinaus gehen die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen des Lippeverbandes immer auch mit einer städtebaulichen Entwicklung der Quartiere entlang der Gewässer einher. Mit dieser Verzahnung von Wasserwirtschaft und Städtebau verfolgt der Lippeverband im Schulterschluss mit seinen Mitgliedskommunen eine Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität für die Bevölkerung in der Region. Der Betrieb von modernen Abwasserkanälen, Pumpwerken, Kläranlagen und Hochwasserschutzeinrichtungen bildet den Dreh- und Angelpunkt einer sozial-ökologischen Transformation: „Die Renaturierung von einst technisch überformten Flüssen und Bächen ermöglicht die Rückkehr von blaugrünem Leben in diese Gewässer sowie eine verbesserte Erleb- und Erfahrbarkeit dieser neuen Naherholungsorte für die Menschen. Unser Selbstverständnis als Infrastrukturdienstleister für unsere Mitglieder hat sich in den vergangenen 100 Jahren nicht geändert. Das Wohl der Allgemeinheit steht dabei für uns nach wie vor an erster Stelle“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes.

Das Wirken des Lippeverbandes in Reken
Zum 1. Januar 2025 hat der Lippeverband das Kanalnetz und die Aufgabe der Abwasserbeseitigung in Reken übernommen. Die Abwasserbeseitigung erfolgt damit seither aus einer Hand. Bereits zuvor bewirtschaftete der Lippeverband die Kläranlagen Reken und Reken-Maria Veen, Anfang 2025 kam nun noch das gesamte Kanalnetz und die dazugehörigen – bisher kommunal betriebenen – Pumpwerke und Regenrückhaltebecken dazu.

Neben den beiden Kläranlagen ist der Lippeverband heute in Reken zuständig für: 124 Kilometer Kanäle, 13 Kilometer Druckrohrleitungen, acht Pumpwerke und 13 verschiedene Regenwasserbehandlungsanlagen. Damit liegen in der Gemeinde nun seit knapp einem Jahr erstmals alle Anlagen, die für das Fortschaffen und die Reinigung von Abwasser aus Privathaushalten sowie von Industrie und Gewerbe nötig sind, in einer Zuständigkeit. Diese Abwasserbeseitigung aus einer Hand statt von zwei getrennten Verantwortlichen verschlankt und beschleunigt viele Prozesse und Abstimmungen.

Mit dem Kanalnetz und den technischen Anlagen hat der Lippeverband auch ihre betriebliche Unterhaltung, Wartung und Instandhaltung übernommen. Das bedeutet konkret: Kanäle nach aufgestelltem Spülplan reinigen und notwendige Wartungen und Reparaturen an den Kanälen und Anlagen durchführen. 2025 wurden unter anderem elf Kilometer Kanäle mit Kameras befahren, um ihren Zustand zu bewerten und den bestehenden Sanierungsplan zu aktualisieren. Auch die Pumpwerke und Regenrückhaltebecken bringt der Lippeverband seit Beginn der Kooperation mit Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten wieder in Topform. Neben Grünpflegearbeiten, Schädlingsbekämpfung und der Sanierung von Kanaldeckeln, wurden im vergangenen Jahr Armaturen und Messeinrichtungen ausgetauscht und Reparaturen durchgeführt.

Darüber hinaus stehen weitere Sanierungsarbeiten im Bereich der Kanäle in Reken an. Die Detailplanungen hierfür wurden im vergangenen Jahr begonnen. Start für die ersten Sanierungsmaßnahmen im Ortsteil Klein-Reken ist im April 2026. Im Ortsteil Bahnhof-Reken (Bereich Bahnhofstraße) hat der Lippeverband ebenso Planungen für eine größere Sanierungsmaßnahme aufgenommen. Die Umsetzung ist für den Zeitraum ab 2027 vorgesehen.

Die langjährige, gute Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Reken und dem Lippeverband hat besonders im ersten Jahr der Kanalnetzübertragung Früchte getragen: Das gute Zusammenspiel und die regelmäßigen Abstimmungen waren der Schlüssel für den reibungslosen Übergang der Zuständigkeiten für das Kanalnetz – so geht Abwasserbeseitigung aus einer Hand.

Erreichbarkeit und Zuständigkeiten
Für die Rekener Bürgerinnen und Bürger ist der Lippeverband 24 Stunden an sieben Tagen die Woche unter der Notfallnummer 02041-7680 erreichbar. Die Betriebsüberwachungszentrale des Wasserwirtschaftsverbandes ist rund um die Uhr besetzt und nimmt Schadensmeldungen im Zusammenhang mit dem öffentlichen Kanalnetz entgegen.

An anderer Stelle änderte sich für die Bürgerinnen und Bürger nichts: Die Gemeinde ist weiterhin zuständig für die Festsetzung der Abwassergebühren oder für die Beantragung von Neu-Anschlüssen beispielsweise in Neubaugebieten. Auch verbleibt die Zuständigkeit für das Abwasserbeseitigungskonzeptes (ABK), in dem geplante Investitionen und Maßnahmen rund um das Kanalnetz festgelegt werden, weiterhin beim Gemeinderat.

Daten zu den beiden Kläranlagen in Reken
Übrigens: In den Kläranlagen des Lippeverbandes in Reken sind im Jahr 2024 insgesamt 1.367.223 Kubikmeter Abwasser gereinigt worden.

Die Kläranlage Reken brachte es dabei auf 1.081.210 Kubikmeter. Diese Anlage stammt aus dem Jahr 1973 (zuletzt 1990 ausgebaut), sie ist ausgelegt für 12.500 Einwohnerwerte (Menschen plus Industrieunternehmen). Im Durchschnitt flossen der Kläranlage im Jahr 2023 rund 45 Liter Abwasser pro Sekunde zu.

In der Kläranlage Reken-Maria Veen dagegen wurden im Jahr 2024 insgesamt 286.013 Kubikmeter Abwasser gereinigt. Die Anlage stammt aus dem Jahr 1970 (zuletzt 1987 ausgebaut), sie ist ausgelegt für 5.000 Einwohnerwerte. Im Durchschnitt flossen der Kläranlage im Jahr 2023 rund acht Liter Abwasser pro Sekunde zu.

Infokasten:

Der Lippeverband
Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum von Lippborg bis Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger ab dem 19. Januar 2026 auf jubilaeum.eglv.de.