Lippeverband wird 100 Jahre jung
In Lünen betreibt das öffentlich-rechtliche Wasserwirtschaftsunternehmen neben zahlreichen Betriebsanlagen auch ein Ausbildungszentrum
Lünen. Der Lippeverband feiert in wenigen Tagen sein 100-jähriges Bestehen: Am 19. Januar 1926 erfolgte der Erlass des Lippe-Gesetzes – es gilt als die Geburtsstunde des Lippeverbandes. Der Standort Lünen ist für das öffentlich-rechtliche Wasserwirtschaftsunternehmen von großer Bedeutung: Hier betreibt der Lippeverband nicht nur die Kläranlage Sesekemündung, sondern seit 2023 auch ein Ausbildungszentrum.
Seit 100 Jahren nimmt der Lippeverband in der Region – und für die Menschen in der Region – unverzichtbare Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge wahr. Dazu gehören unter anderem die Abwasserentsorgung sowie der Hochwasserschutz. Darüber hinaus gehen die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen des Lippeverbandes immer auch mit einer städtebaulichen Entwicklung der Quartiere entlang der Gewässer einher. Mit dieser Verzahnung von Wasserwirtschaft und Städtebau verfolgt der Lippeverband im Schulterschluss mit seinen Mitgliedskommunen eine Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität für die Bevölkerung in der Region. Der Betrieb von modernen Abwasserkanälen, Pumpwerken, Kläranlagen und Hochwasserschutzeinrichtungen bildet den Dreh- und Angelpunkt einer sozial-ökologischen Transformation: „Die Renaturierung von einst technisch überformten Flüssen und Bächen ermöglicht die Rückkehr von blaugrünem Leben in diese Gewässer sowie eine verbesserte Erleb- und Erfahrbarkeit dieser neuen Naherholungsorte für die Menschen. Unser Selbstverständnis als Infrastrukturdienstleister für unsere Mitglieder hat sich in den vergangenen 100 Jahren nicht geändert. Das Wohl der Allgemeinheit steht dabei für uns nach wie vor an erster Stelle“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes.
Das Wirken des Lippeverbandes in Lünen
In Lünen betreibt der Lippeverband seit 1969 die Kläranlage Sesekemündung. Dort sind im Jahr 2024 insgesamt 26.696.388 Kubikmeter Abwasser gereinigt worden. Die Anlage ist ausgelegt für 200.000 Einwohnerwerte (Menschen plus Industrieunternehmen). Im Durchschnitt flossen der Kläranlage im Jahr 2024 rund 850 Liter Abwasser pro Sekunde zu. Das Besondere an dem Kläranlagenstandort Lünen ist, dass der Lippeverband dort seit September 2023 auch ein Ausbildungszentrum betreibt.
Als sondergesetzlicher Wasserwirtschaftsverband erbringt der Lippeverband nicht nur mit der Abwasserbeseitigung und -reinigung wichtige Aufgaben der Daseinsvorsorge. Auch die Ausbildung junger Menschen nimmt für den Verband einen ganz besonderen Stellenwert ein. „Mit seinen vielfältigen und sinnstiftenden Aufgaben ist der Lippeverband einer der spannendsten und attraktivsten Arbeitgeber in der Region – mit Kolleginnen und Kollegen, die sich in einem erhöhten Maße mit ihrer Arbeit identifizieren und tagtäglich unverzichtbare Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge erledigen. Gleichwohl sind auch wir als Lippeverband nicht vom demografischen Wandel ausgeschlossen. Wie alle anderen Unternehmen haben wir mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. Hier stellen wir uns breit auf und denken frühzeitig an die Zukunft, um in der heutigen, schnelllebigen Zeit mithalten zu können und um als Arbeitgeber attraktiv für Nachwuchskräfte zu sein. Mit modernen Ausbildungszentren wie hier in Lünen sichern wir auch zukünftig die hohe Qualität unserer Ausbildung“, sagt Liana Weismüller, Vorständin für Personal und Nachhaltigkeit beim Lippeverband.
Rund sechs Millionen Euro hat der Wasserwirtschaftsverband in sein neues Ausbildungszentrum in Lünen investiert. Bis zu 24 junge Menschen können nun am Standort Lünen ausgebildet werden – zuvor war nur Platz für sechs Auszubildende. Im August 2025 starteten zwei Industriemechaniker und fünf Mechatroniker ihre Ausbildung. In Lünen werden aktuell im neuen Ausbildungszentrum insgesamt 20 Azubis in zwei Berufen ausgebildet: 17 Mechatroniker*innen und drei Industriemechaniker*innen. Fünf Azubis sind Ende Januar mit ihrer Prüfung fertig und starten als Junghandwerker*in z.B. in der Pumpwerksabteilung oder auf der Kläranlage ihr Übernahmejahr. Das Ausbildungszentrum ist mittlerweile auch IHK-Prüfungsstandort.
„Beim Betrieb unserer mehr als 1300 Anlagen an Emscher und Lippe setzen wir auf einen hohen technischen Anspruch. Dieser Anspruch spiegelt sich auch in unseren Ausbildungszentren wider. Unsere moderne Werkstatt am Standort Lünen stellt eine bestmögliche Ausbildung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von morgen sicher“, sagt Prof. Dr. Frank Obenaus, Vorstand für Wassermanagement und Technik beim Lippeverband.
Modernes Ausbildungszentrum
Im Erdgeschoss des 540 Quadratmeter großen Ausbildungszentrums befindet sich die Werkstatt für die mechanische und elektrotechnische Ausbildung. Fachkräfte für Mechatronik und Industriemechanik finden hier eine optimale Lernumgebung. Für die Vermittlung der theoretischen Inhalte gibt es einen eigenen Schulungsraum. Im ersten Obergeschoss bietet der Neubau neben Büro- und Umkleideräumen auch einen Aufenthaltsraum mit Küchenzeile.
Die Planungen für das zweigeschossige, rund zehn Meter hohe Gebäude mit den Grundmaßen 35 Meter mal 16 Meter begann bereits im Sommer 2017. Im Herbst 2019 wurden am Standort die ehemaligen Faulbehälter abgerissen, so dass der Bau des neuen Ausbildungszentrums im März 2020 starten konnte. Im August 2020 erfolgte die Grundsteinlegung.
Ausbildung bei Emschergenossenschaft und Lippeverband
Gemeinsam mit der Emschergenossenschaft (EG) bildet der Lippeverband (LV) in 13 Berufen (plus vier Duale Studiengänge) und an insgesamt sieben Standorten aus – dazu gehören u.a. auch Berufe wie Geomatiker*in, Wasserbauer*in oder die sogenannten umwelttechnischen Berufe wie Umwelttechnolog*in für Abwasserbewirtschaftung und Umwelttechnolog*in für Rohrleitungsnetze und Industrieanlagen. In den vergangenen Jahren haben EGLV ihre Auszubildendenzahlen von 61 auf aktuell 126 (davon 21 Dual Studierende) mehr als verdoppelt.
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Der Lippeverband
Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum von Lippborg bis Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger ab dem 19. Januar 2026 auf jubilaeum.eglv.de.