Lippeverband wird 100 Jahre jung

In Hünxe hat das Wasserwirtschaftsunternehmen 2009 eine seiner ersten Kläranlagen mit einer vierten Reinigungsstufe ausgestattet

Hünxe. Der Lippeverband feiert in wenigen Tagen sein 100-jähriges Bestehen: Am 19. Januar 1926 erfolgte der Erlass des Lippe-Gesetzes – es gilt als die Geburtsstunde des Lippeverbandes. Eines der bekanntesten Projekte des öffentlich-rechtlichen Wasserwirtschaftsunternehmens in Hünxe ist die Erweiterung der Kläranlage um eine weitergehende Reinigungsstufe zur besseren Bekämpfung von Arzneimittelresten im Abwasser.

Seit 100 Jahren nimmt der Lippeverband in der Region – und für die Menschen in der Region – unverzichtbare Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge wahr. Dazu gehören unter anderem die Abwasserentsorgung sowie der Hochwasserschutz. Darüber hinaus gehen die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen des Lippeverbandes immer auch mit einer städtebaulichen Entwicklung der Quartiere entlang der Gewässer einher. Mit dieser Verzahnung von Wasserwirtschaft und Städtebau verfolgt der Lippeverband im Schulterschluss mit seinen Mitgliedskommunen eine Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität für die Bevölkerung in der Region. Der Betrieb von modernen Abwasserkanälen, Pumpwerken, Kläranlagen und Hochwasserschutzeinrichtungen bildet den Dreh- und Angelpunkt einer sozial-ökologischen Transformation: „Die Renaturierung von einst technisch überformten Flüssen und Bächen ermöglicht die Rückkehr von blaugrünem Leben in diese Gewässer sowie eine verbesserte Erleb- und Erfahrbarkeit dieser neuen Naherholungsorte für die Menschen. Unser Selbstverständnis als Infrastrukturdienstleister für unsere Mitglieder hat sich in den vergangenen 100 Jahren nicht geändert. Das Wohl der Allgemeinheit steht dabei für uns nach wie vor an erster Stelle“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes.

Das Wirken des Lippeverbandes in Hünxe
Seit 1976 betreibt der Lippeverband die Kläranlage Hünxe. Dort sind 2024 insgesamt 1.450.105 Kubikmeter Abwasser gereinigt worden. Die Anlage ist ausgelegt für 17.000 Einwohnerwerte (Menschen plus Industrieunternehmen). Das Besondere an dem Klärwerk ist, dass es vor zirka 16 Jahren als eine der ersten Abwasserreinigungsanlagen des Lippeverbandes mit einer vierten Reinigungsstufe ausgestattet wurde.

Im November 2009 nahm der Lippeverband auf seiner Kläranlage in Hünxe einen innovativen  Membran-Bioreaktor in Betrieb. Dieser ermöglicht eine intensivere Abwassereinigung. Der Umbau hatte besondere lokalspezifische Gründe: Die Kläranlage Hünxe wurde 1987 auf eine Anlagengröße erweitert, die dem Abwasserzufluss von 15.000 Einwohnerwerten gerecht wurde. Aufgrund des Alters der Anlagentechnik, eines weiteren Einwohnerzuwachses in der Gemeinde Hünxe und der Notwendigkeit, die Reinigungsanforderungen auch zukünftig mit einer entsprechenden Sicherheit erfüllen zu können, wurde eine erneute Kläranlagenerweiterung auf 17.000 Einwohnerwerte unumgänglich. Die Kläranlage ist dabei jedoch nicht nur erweitert, sondern auch von Grund auf ertüchtigt worden. Der Lippeverband hat damit eine moderne und zeitgemäße wasserwirtschaftliche Infrastruktur für die Gemeinde Hünxe geschaffen.

Die Optimierung der Kläranlage Hünxe erfolgte in zwei Bauabschnitten. Im ersten Bauabschnitt von Februar bis Oktober 2009 wurden eine neue Rechenhalle, ein Sandfang und die Membranfiltrationsanlage errichtet. Der zweite Bauabschnitt, der bis Ende 2010 lief, umfasste im Wesentlichen den Umbau der vorhandenen biologischen Stufe und den Neubau des Betriebsgebäudes.

Die Investitionskosten lagen bei zirka 4,3 Millionen Euro und wurden mit rund zwei Millionen Euro über das Investitionsprogramm Abwasser des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

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Der Lippeverband
Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum von Lippborg bis Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger ab dem 19. Januar 2026 auf jubilaeum.eglv.de.