Lippeverband: Dienstleister für Regionen, Kommunen und Menschen

Jahreshauptversammlung des Lippeverbandes

Lippe-Region. „Wasser ist unser höchstes Gut. Je deutlicher wir die Auswirkungen des Klimawandels spüren, umso wichtiger wird für uns der nachhaltige Umgang mit dieser lebenswichtigen Ressource. Daher darf die Bewirtschaftung in keiner anderen Form erfolgen als durch die öffentliche Hand“, so Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes, auf der Jahresversammlung in der Stadthalle Unna am heutigen Freitag.

„An Wasserfortleitung, -reinigung, aber auch an Gewässerunterhaltung stellt der Gesetzgeber immer höhere Qualitätsanforderungen, die wir mit unserem Know-how als öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband gerne für unsere Mitglieder übernehmen“, so Uli Paetzel. Ein Bespiel dafür ist die Übertragung der Abwasserbeseitigung der Gemeinde Nordkirchen auf den Lippeverband. Mit Zustimmung des Umweltministeriums konnte der Lippeverband diese Aufgabe ab 1. Januar 2019 für die Kommune im Münsterland übernehmen. „Hand in Hand mit dem Gemeinderat sowie externen Fachleuten und unter Beteiligung der Öffentlichkeit ist diese Kooperation lange und intensiv vorbereitet worden. Seit einem Jahr läuft sie erfolgreich und ohne Gebührensteigerung. Jetzt freuen wir uns, 2020 die Kampagne ‚Nordkirchen macht’s klar!‘ umzusetzen, mit der wir über die Vermeidung von Spurenstoffen im Abwasser aufklären und für einen nachhaltigen Umgang mit Medikamenten werben möchten“, so Uli Paetzel. Auch in Hamm kümmert sich der Lippeverband bereits seit mehr als 12 Jahren erfolgreich um die Unterhaltung des Kanalsystems.

Neue Herausforderungen an die Wasserwirtschaft

In Zukunft werden veränderte Klimalagen und neue Richtlinien immer höhere Anforderungen an die kommunale Wasserwirtschaft stellen. Moderne Klärtechnik leistet an dieser Stelle einen aktiven Beitrag zur Erfüllung der EU-weit geltenden Wasserrahmenrichtlinie. Denn je weniger Spurenstoffe im gereinigten Wasser zurückbleiben, umso besser für die Lebewesen im Gewässer.

Doch auch bauliche Maßnahmen tragen einen erheblichen Anteil an der ökologischen Gewässerentwicklung. „Das komplexe Zusammenspiel aus Entflechtungsmaßnahmen zur Gewährleistung der Abwasserfreiheit, ökologischer Verbesserung der Flussläufe sowie der Erneuerung und dem Erhalt der modernen Anlagentechnik erfordern unser aller Engagement, um den steigenden Qualitätsansprüchen an die Wasserwirtschaft gerecht zu werden“, fasst Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand des Lippeverbandes, zusammen.

Meilenstein für die lebendige Lippe

Die Renaturierung der Lippe als längsten Fluss Nordrhein-Westfalens ist und bleibt richtungsweisendes Thema für den Wasserwirtschaftsverband. Innerhalb des Programms „Lebendige Lippe“ konnte der Lippeverband im Mai einen Meilenstein erreichen und die Fluss-Renaturierung „Haus Vogelsang“ abschließen! Landkarten, die den Bereich Datteln-Ahsen und Olfen abbilden, sind seitdem nicht länger aktuell. Der Flussverlauf der Lippe wurde dort im Auftrag des Landes NRW auf sechs Kilometern Länge naturnah umgestaltet, die Lippe um 450 Meter verlängert. Das Land Nordrhein-Westfalen investierte 13,7 Millionen Euro in die ökologische Entwicklung von Fluss und Aue.

Interessen der Region im Blick

Auch im Projektgebiet HaLiMa – der Deichschutzerneuerung zwischen Haltern-Lippramsdorf und Marl – gelang ein Brückenschlag. Seit dem Frühjahr überspannt eine Bandbrücke die Lippe. Auf dem Förderband transportiert der Lippeverband den überwiegenden Teil der Böden für den HaLi-Ma-Deichbau, den Schiffe über den Wesel-Datteln-Kanal anliefern. „Dank der Brücke vermeidet der Lippeverband 20 Lkw-Fahrten pro Stunde (!) durch die Region. Das ist eine große Entlastung für die Anwohnerinnen und Anwohner“, sagt Bodo Klimpel, Ratsvorsitzender des Lippeverbandes und Bürgermeister der Stadt Haltern am See. Das zeige, dass der Verband im Sinne seiner Mitgliedskommunen agiere und jederzeit die Interessen der Anliegerinnen und Anlieger im Blick habe.

Blaue Klassenzimmer an vier Standorten geplant

Dabei gilt es, insbesondere junge Menschen für das Thema Wasser und Gewässerschutz zu sensibilisieren. An, durch den Lippeverband organisierten, Gewässer-Exkursionen nahmen 2019 rund 650 Schülerinnen und Schüler teil. „Der Lippeverband entwickelt ehemals industriell geprägte Gewässer zu naturnahen Fluss- und Bachläufen. Wie wichtig diese als Lebensräume für Pflanzen und Tiere sind, zeigen wir Kindern und Jugendlichen direkt vor Ort. So werden sie zu unseren besten Botschaftern für den Gewässerschutz“, macht Raimund Echter-hoff, Vorstand des Lippeverbandes für Personal und Nachhaltigkeit, deutlich.

In Haltern am See laufen aktuell die Planungen für ein Blaues Klassenzimmer auf Hochtouren. Hier soll im kommenden Jahr an der Stever ein Lernort unter freiem Himmel direkt am Gewässer entstehen. Auch in den Mitgliedskommunen Hamm, Datteln und Kamen plant der Lippeverband aktuell den Bau von Lern- und Entdeckerorten am Gewässer.

Wanderausstellung tourt durch Mitgliedskommunen

„Mit unserer Arbeit leisten wir einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung unserer Region. Doch nicht nur die Zukunft, sondern auch die Vergangenheit haben wir im Blick, insbesondere die unseres Lippeverbandes in Zeiten des Nationalsozialismus“, erinnert Uli Paetzel. Daher habe man diesen Teil der Verbandsgeschichte von Historikerinnen und Historikern der Ruhr-Universität Bochum aufarbeiten lassen. Nachdem die Ergebnisse im Frühjahr öffentlich vorgestellt und diskutiert worden sind, ist zum Jahresbeginn 2020 die Veröffentlichung der Ergebnisse als Buch vorgesehen. Außerdem ist geplant, im kommenden Jahr eine Wanderausstellung, die die Geschichte des Verbandes und seine aktuellen Aufgaben beleuchtet, in verschiedenen Mitgliedskommunen zu zeigen.