König-Brauerei setzt auf nachhaltige Regenwassernutzung

Emschergenossenschaft fördert Projekt unter dem Dach der Zukunftsinitiative Klima.Werk. Nutzung von Regenwasser entlastet öffentliches Abwassernetz

Duisburg. Die König-Brauerei in Duisburg hat mit der Umsetzung eines innovativen Nachhaltigkeitsprojekts zur Regenwassernutzung begonnen. Dabei wird künftig auf dem Betriebsgelände Niederschlag gesammelt, mit Hilfe von Membranverfahren aufbereitet und anschließend für betriebliche Nebenprozesse wie beispielsweise Reinigung und Kühlung genutzt.

Die Inbetriebnahme des von der Emschergenossenschaft mit der Zukunftsinitiative Klima.Werk geförderten Projekts ist für Ende 2026 geplant. „Mit dem Regenwasserprojekt gehen wir im Rahmen unserer ambitionierten Nachhaltigkeitsstrategie den nächsten wichtigen Schritt in Richtung ressourcenschonender Produktion“, sagt Guido Christiani, Geschäftsführer der König-Brauerei. „Die König-Brauerei investiert damit erneut nachhaltig und vorausschauend in die langfristige Zukunftsfähigkeit des Standortes.“ 

Sobald die Anlage fertiggestellt ist, sammelt die Brauerei Regenwasser in einem dreistufigen Speichersystem mit einem Gesamtvolumen von rd. 3.400 Kubikmetern. Das Wasser durchläuft dabei mehrere Filter- und Aufbereitungsstufen, bevor es beispielsweise für Reinigungs- und Kühlprozesse genutzt wird. „Bereits heute gehört die König-Brauerei weltweit gesehen zu den Brauereien mit einem der niedrigsten Wasserverbräuche pro Hektoliter Bier“, betont Dr. Matthias Baldus, Leiter Bierherstellung und Energie in der König-Brauerei. „Während der Wasserverbrauch in deutschen Brauereien laut Deutschem Brauer-Bund typischerweise zwischen 3,5 und 4,5 Hektoliter pro Hektoliter Bier liegt, beträgt er in der König-Brauerei derzeit nur rund 2,7 Hektoliter. Durch die zusätzliche Nutzung von Regenwasser sinkt unser Frischwasserverbrauch um weitere rund 8 Prozent – auf künftig knapp 2,5 Hektoliter.“

Gleichzeitig wird das städtische Abwassernetz entlastet – insbesondere bei Starkregenereignissen. „Projekte wie dieses zur naturnahen Regenwasserbewirtschaftung haben Vorzeigecharakter und sind ein wichtiger Baustein beim klimarobusten Umbau unserer Städte und unserer Region“, sagt Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. „Deshalb fördern wir die Baumaßnahme mit rund 760.000 Euro. Wenn künftig das Regenwasser von rund 26.000 Quadratmetern Hallendächern auf dem Betriebsgelände nicht mehr in die Kanalisation und zu unserer Kläranlage fließt, um dort unnötig zusammen mit Abwasser gereinigt zu werden, dann ist das ein großer Beitrag zur Extremwetter-Vorsorge und zum Schwammstadt-Umbau“, erklärt Uli Paetzel. Denn in Folge des Klimawandels sind häufigere Extremwetter-Ereignisse wie zum Beispiel Starkregen zu erwarten. Das städtebauliche Prinzip der Schwammstadt setzt dem einen anderen Umgang mit Regenwasser entgegen: Wenn es lokal gespeichert und genutzt wird oder versickern kann, sorgt das für mehr Klimaresilienz.

Das Projekt der König Brauerei ist Teil der unternehmensweit angelegten Nachhaltigkeitsstrategie. In den vergangenen Jahren wurden bereits zahlreiche Maßnahmen zur Reduzierung des Wasserverbrauchs umgesetzt. „Mit dem neuen Projekt schließt sich nun der Kreislauf: Niederschlagswasser wird in der König-Brauerei nicht mehr als Abwasser behandelt, sondern als wertvolle Ressource genutzt“, betont Guido. Besonders nachhaltig: Für das Projekt setzt die Brauerei ausschließlich bereits vorhandene, anderweitig nicht mehr genutzte Tanks und Leitungsinfrastruktur ein.

Bereits 2024 hatte die König-Brauerei ein weiteres innovatives Nachhaltigkeitsprojekt realisiert: Seitdem fließt industrielle Abwärme aus der Stahlproduktion von thyssenkrupp Steel in die Brauerei und liefert dort thermische Energie für die Brauprozesse. Alle wärmeintensiven Produktionsschritte sind dadurch emissionsfrei. Insgesamt hat die Brauerei ihre jährlichen CO₂-Emissionen durch dieses Projekt um bis zu 75 Prozent gesenkt.

 

Die Zukunftsinitiative Klima.Werk
In der Zukunftsinitiative Klima.Werk arbeiten Emschergenossenschaft und Lippeverband gemeinsam mit Städten der Emscher-Lippe-Region an einer wasserbewussten Stadt- und Raumentwicklung, um die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Lebensqualität in den Quartieren zu steigern. Der blau-grüne Umbau startete 2005 mit der Zukunftsvereinbarung Regenwasser (ZVR) von Emschergenossenschaft, Emscher-Kommunen und dem Land NRW und entwickelte sich 2014 zur Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ weiter, jetzt Zukunftsinitiative Klima.Werk.

Die Emschergenossenschaft
Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de