Klärschlamm für den Klimaschutz!

Emschergenossenschaft legt Grundstein für Solarthermische Klärschlammtrocknungsanlage

Bottrop. Die Kläranlage Bottrop der Emschergenossenschaft gilt als Kläranlage der Zukunft und ist bereits heute energieautark. „Zukünftig sparen wir noch mehr CO2, werden noch moderner und noch klimafreundlicher“, verkündete Prof. Dr. Uli Paetzel als Vorstandsvorsitzender. Die Emschergenossenschaft entwickelt die klimaschonende Klärschlammbehandlung durch den Bau einer Solarthermischen Trocknungsanlage weiter: Sonnen- und Abwärmeenergie trocknen den entwässerten Schlamm zukünftig. Bis Ende 2020 entsteht am Standort Bottrop die weltgrößte Anlage dieser Art. Die Grundsteinlegung am Donnerstag, 31. Oktober, fand im Beisein von Gerhard Odenkirchen, Leiter der Abteilung Kreislaufwirtschaft, Bodenschutz, Wasserwirtschaft im nordrhein-westfälischen Umweltministerium statt.

Auf einer Gesamtfläche von 60.000 Quadratmetern entstehen im nächsten Jahr 32 Trocknungshallen mit einer Netto-Trockenfläche von 40.000 Quadratmetern. „Die neue Anlage wird erheblich zur Steigerung der Energieeffizienz beitragen und den Stand der Klärschlammentsorgung in Deutschland weiterentwickeln“, machte Abteilungsleiter Gerhard Odenkirchen deutlich: „Wir brauchen mehr solch zukunftsweisender Projekte, die allein schon aufgrund ihres Umfangs eine große Hebelwirkung für den Klimaschutz erzielen.“

Der nachhaltige Umgang mit anfallendem Klärschlamm sei wichtig für die klimaschonende Energiegewinnung, außerdem enthalte der Schlamm auch wertvolle Ressourcen, die man mittelfristig weiternutzen möchte.

60.000 t weniger CO2-Emission pro Jahr

Die Emschergenossenschaft investiert in die Zukunftstechnologie rund 70 Millionen Euro. „Mit diesem Vorhaben beweisen wir, dass sich die Anforderungen, die sich aus der Energiewende und dem Klimawandel ergeben, an einem der größten deutschen Kläranlagen- und Schlammbehandlungsstandorte wirtschaftlich umsetzen lassen. Wir mindern die CO2-Emission um rund 60.000 Tonnen pro Jahr“, betonte Prof. Dr. Uli Paetzel: „Als öffentlich-rechtlicher Wasserwirtschaftsverband nehmen wir so aber auch unsere gesellschaftliche Verantwortung für die Umwelt und die Menschen in der Region wahr.“

Bislang müssen dem Klärschlamm, der vor Ort thermisch verwertet wird, jährlich 20.000 Tonnen Kohle zugesetzt werden, um einen ausreichenden Brennwert zu erreichen. Dieser Schritt entfällt künftig. Für Ullrich Sierau, Ratsvorsitzender der Emschergenossenschaft und Oberbürgermeister der Stadt Dortmund, ist das nach dem Ende des Bergbaus im Ruhrgebiet „ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaschutz und in Richtung einer umweltfreundlichen Zukunft.“

Innovative Verfahren

Die Kläranlage Bottrop ist nicht nur eine der größten Kläranlagen Deutschlands, sie gilt auch als Kläranlage der Zukunft. Unter anderem landet das Abwasser aus Bottrop, Gladbeck, Essen und Gelsenkirchen hier und wird mit einer Leistung von 8,5 Kubikmetern in der Sekunde gereinigt. Moderne Abwasserreinigung ist stromintensiv, doch die Kläranlage deckt ihren Stromverbrauch – der etwa einer 30.000-Einwohner-Stadt entspricht – komplett nachhaltig.

„Die Wasserwirtschaftsbranche stellt einen der größten kommunalen Energieverbraucher dar. Darum müssen wir uns besonders auf diesem Sektor um innovative Verfahren bemühen, die die CO2-Bilanz senken, klimafreundlich, nachhaltig und richtungsweisend für die Wasserwirtschaft sind“, machte Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand der Emschergenossenschaft, deutlich. Die CO2-Emissionen, die durch das neue Trocknungsverfahren nun zusätzlich am Standort Bottrop eingespart werden, entsprächen in etwa 1,2 Prozent der CO2 -Äquivalente der gesamten deutschen Abwasserbehandlung.

Bernd Tischler, Oberbürgermeister der Stadt Bottrop, begrüßt den Bau der Trocknungsanlage: „Die Kläranlage reinigt nicht nur zuverlässig das Abwasser der Region, sie ist bestes Beispiel für Klimaschutz sowie innovatives umweltbewusstes Handeln und passt damit hervorragend zur Innovation City Bottrop. Die Emschergenossenschaft geht mit dem Neubau an diesem Standort einen großen Schritt voraus, um aktiv die CO2-Bilanz zu verbessern.“

Errichtung der Hallen bis Ende 2020

Die Gründungsarbeiten für die Anlage wurden bereits im Mai 2019 aufgenommen. Die Glashäuser einschließlich der technischen Installationen und der Infrastruktur sollen im Herbst 2020 fertig gestellt werden. Auf einer Grundfläche von 60.000 Quadratmetern entstehen die 32 Trocknungshalle, in denen – vergleichbar mit Gewächshäusern – der Klärschlamm durch Sonnen- und Abwärmeenergie trocknet. Der Schlamm entwässert vorab auf mechanischen Kammerfilterpressen. Liegt der Klärschlamm zum Trocknen aus, kümmern sich 32 sogenannte „elektrische Schweine“ um das regelmäßige Wenden der Trockenmasse. Ähnlich wie Rasenmähroboter fahren sie dazu kreuz und quer durch die Hallen.

Hintergrund

Die Kläranlage Bottrop läuft durch den Mix von nachhaltigen Energieträgern komplett autark! Bei der Abwasserreinigung entstehen Wärme, Gas und Klär-schlamm – Rohstoffe, die die Emschergenossenschaft thermisch verwertet. Am Standort gibt es mehrere Blockheizkraftwerke, eine Photovoltaikanlage, eine Windenergieanlage mit der Leistung von 3 MW und eine Dampfturbine. Aus jährlich 190.000 Tonnen Klärschlamm gewinnt die Emschergenossenschaft am Standort Bottrop über sieben Millionen Kubikmeter methanhaltiges Klärgas, das zur Stromgewinnung im Blockheiz-kraftwerk genutzt wird.