Grotenbach: Renaturierung schreitet zügig voran

Neue Trasse für das Gewässer fertiggestellt – Umschluss erfolgreich erfolgt

Witten/Dortmund. Vor knapp einem Jahr gab die Emschergenossenschaft gemeinsam mit den Städten Witten und Dortmund den Startschuss für das Großprojekt zur umfassenden Renaturierung des Grotenbachs und des Kirchhörder Bachs. Ganz aktuell wurde nun ein erster wichtiger Meilenstein erreicht: Der Grotenbach konnte auf Wittener Stadtgebiet erfolgreich an seine neu modellierte Trasse angebunden werden. Damit ist der Weg für die Entwicklung zu einem naturnahen Gewässer frei. Da entlang des Grotenbachs ausreichend Raum zur Verfügung steht, kann er sich künftig wieder freier ausbreiten und natürlicher entwickeln. Die Sohlschalen – das einstige Betonkorsett des Grotenbachs – wurden bereits in den vergangenen Monaten entfernt und der ehemals offene Schmutzwasserlauf ökologisch umgestaltet.

Im Zuge der Revitalisierung des Grotenbachs wurde die Gewässertrasse im Bereich der Brauckstraße nach Norden verlegt und auf einer Länge von rund 1,1 Kilometern vollständig neu modelliert. Das bisherige Bachbett wird jedoch nicht komplett verfüllt, sondern bleibt größtenteils erhalten: Es wird hier unterhalb künftig als Zwischenspeicher und Auslauf für eine Regenwasserbehandlungsanlage genutzt. Eine weitere wasserwirtschaftliche Besonderheit entsteht noch auf Höhe der Siemensstraße in Witten. Hier wird der städtisch unterhaltene Rüdinghauser Bach im Rahmen der laufenden Baustelle an den Grotenbach angebunden und abschnittsweise renaturiert.

Im Rahmen der Gesamtmaßnahme am Grotenbach wird auch der Witten-Annen-Kanal saniert. Die Maßnahme erfolgt sowohl in offener als auch in geschlossener Bauweise. Im Witten-Annen-Kanal werden die Werksabwässer von Evonik/IOI parallel zu den Abwassersammlern der Emschergenossenschaft abgeleitet. Die Emschergenossenschaft betreibt den Kanal derzeit im Sonderinteresse der Evonik.

Mit dem aktuellen Umschluss des Grotenbachs ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem naturnahen Gewässer geschafft. Die Gesamtmaßnahme, in die insgesamt rund 14 Millionen Euro investiert werden, soll im Sommer 2028 abgeschlossen sein. Die ökologische Verbesserung des Grotenbachs wird von der Bezirksregierung Münster aus der Landeszuwendung nach der Förderrichtlinie Hochwasserrisikomanagement und Wasserrahmenrichtlinie zu 80 Prozent gefördert, die des Kirchhörder Bachs zu 70 Prozent.

Hintergrund-Informationen
Jahrzehntelang führten der Grotenbach und der Kirchhörder Bach ein Dasein als „Köttelbecke“ – Abwässer aus der Industrie und Privathaushalten wurden in die Gewässer eingeleitet. Im Zuge des Generationenprojektes Emscher-Umbau (1992-2021) wurde das Abwasser in unterirdische Kanäle verbannt. In den Bächen fließt seitdem nur noch sauberes Wasser – allerdings waren sie immer noch technisch überformt und in einem engen, schnurgeraden Betonkorsett „gefangen“. Im Rahmen der Renaturierung werden bzw. wurden diese Betonsohlschalen entfernt und die Gewässer naturnah umgestaltet. Am Grotenbach sowie am Kirchhörder Bach stehen außerdem ausreichend Flächen zur Verfügung, um den Gewässern die Möglichkeit zu geben, sich auszubreiten und dadurch der Natur mehr Raum zu geben sowie direkten und indirekten Hochwasserschutz zu betreiben.

Der Grotenbach wird von der Fredi-Ostermann-Straße in Witten bis zum Bahndurchlass südlich der Grotenbachstraße in Dortmund (zirka 4,6 Kilometer) naturnah umgestaltet. Den Kirchhörder Bach revitalisiert die Emschergenossenschaft von der Lütgenholthauser Straße bis zur Mündung in den Grotenbach (zirka 1,6 Kilometer), der ab dieser Stelle im weiteren Flussverlauf den Namen Rüpingsbach trägt. Der Rüpingsbach ist bereits vollständig renaturiert und mündet in Dortmund-Barop in die Emscher.

Die Emschergenossenschaft
Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden über 130 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de