Erfolgreiche Sensibilisierung: Kampagne „Essen macht’s klar“ zeigte nachhaltige Wirkung

Initiative zur Reduzierung von Medikamentenresten im Wasser

Essen. Im Rahmen der Initiative „Essen macht’s klar – Weniger Medikamente im Abwasser“ wurden in der Stadt Essen gezielte Kommunikations- und Bildungsmaßnahmen für die Sensibilisierung der Bevölkerung sowie für alle weiteren relevanten Akteure zur Minderung von Medikamentenrückständen im Wasserkreislauf entwickelt. Das vom NRW-Umweltministerium geförderte Projekt wurde seit 2017 von den Wasserwirtschaftsunternehmen Emschergenossenschaft (Projektleitung) und Ruhrverband sowie der Stadt Essen mit dem Projektbüro „Grüne Hauptstadt Europas – Essen 2017“ durchgeführt. Im Rahmen der Abschlussveranstaltung im Hotel Franz stellten die Projektpartner am Mittwoch nun die Ergebnisse vor. Besonders erfreulich: Nicht nur in Essen wird das Projekt fortgeführt, auch die Gemeinde Nordkirchen übernimmt das Prinzip nach dem Motto „Nordkirchen macht’s klar“!

„Aufklärung ist eine wichtige Maßnahme zur Minderung von Spurenstoffen im Wasserkreislauf im Sinne der Spurenstoffstrategie von Land und Bund für einen vorbeugenden Gewässerschutz! Unsere Gewässer in Nordrhein-Westfalen müssen vor der Belastung durch Spurenstoffe geschützt werden. Dazu verfolgen wir einen umfassenden und vielschichtigen Maßnahmenansatz: von der Quelle und vom Hersteller über die Anwendung bis zur nachgeschalteten Maßnahme an der Kläranlage. Das erfolgreiche Sensibilisierungsprojekt „Essen macht’s klar“ hat Vorbildcharakter, einer Implementierung in anderen Städten steht damit nichts mehr im Wege!“, sagt NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser.

In der Tat wird die Initiative fortgesetzt: Mit „Essen macht’s klar 2019+“ folgt nicht nur eine Verstetigung des Projektes in der Emscher-Ruhr-Metropole, mit „Nordkirchen macht’s klar“ zieht auch eine Gemeinde aus dem Lippe-Gebiet nach. „Unser Projekt Essen macht’s klar trägt also Früchte. Das vorrangige Ziel war es, aktiv Gewässerschutz in unserer Stadt zu betreiben und unsere Bevölkerung und Akteure in Essen, insbesondere im Gesundheits- und Bildungswesen, darauf aufmerksam zu machen, dass abgelaufene und nicht mehr benötigte Medikamente nicht über das Abwassersystem in den Wasserkreislauf gelangen sollen. Als Stadt Essen sind wir stolz darauf, dass wir Pilotstadt für dieses wichtige Projekt sein durften, dass neben Nordkirchen hoffentlich noch auf viele andere Kommune übertragen wird“, sagt Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen.

Erfolgreiche Umsetzung

„Das Sensibilisierungskonzept wurde in Essen erfolgreich umgesetzt. Wir konnten einen breiten Kreis an Unterstützern gewinnen und im Rahmen von Kommunikationskampagnen als Multiplikatoren für eine wirksame Vermittlung der Sensibilisierungsbotschaften in der breiten Bevölkerung einbinden“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. Lehrmodule für die Ausbildung von PTA, Pflegekräften, angehenden Pädagogen, SchülerInnen wurden entwickelt und erfolgreich implementiert. „Der Ansatz war erfolgreich, die Sensibilisierung zeigte Wirkung!“, sagt Paetzel, der den Kern von „Essen macht’s klar“ wie folgt zusammenfasst: „Aufklären, sensibilisieren, Belastungen an der Quelle reduzieren – und damit aktiv Gewässerschutz betreiben.“

Ergebnisse

Die Aufklärungskampagne „Essen macht’s klar“ hat Erfolge erzielt! Sie führte in der Bevölkerung zu einem höheren Problembewusstsein sowie bewirkte dadurch auch Verhaltensänderungen. Konkret können zum Beispiel folgende Aspekte (Quelle: prolytics) benannt werden:

–              Das Wissen in der Bevölkerung um Medikamentenrückstände im Wasser ist gestiegen (+ 20,7 %)

–              Die Kenntnis des korrekten Entsorgungsweges über die Restmülltonne ist gestiegen (+ 12,9 %)

–              Eine Verhaltensänderung bei der Entsorgung über die Restmülltonne ist eingetreten (+ 7,4 %)

–              Der Medikamentenkonsum (als sporadische Einnahme von Schmerzmitteln und Schmerzsalben) ist gesunken (- 6,7 %)

„Die zentrale Botschaft unserer Aufklärungskampagne lautet: Jeder kann etwas tun! Neben der richtigen Entsorgung von Medikamenten über die Restmülltonne kann der Eintrag von Arzneimitteln ins Abwasser auch durch Reduzierung des eigenen Konsums nicht verschreibungspflichtiger Arzneimittel und das Testen von alternativen Therapiemöglichkeiten minimiert werden“, sagt Prof. Dr. Norbert Jardin, Technischer Vorstand des Ruhrverbandes. Eine sachgemäße Entsorgung von Medikamenten über den Hausmüll oder die Apotheke statt über den Abfluss, ein reduzierter Verbrauch, eine achtsame Verschreibungspraxis und – wenn möglich – der Griff zu weniger wasserbelastenden Hausmitteln tragen auch dazu bei, den Eintrag von Arzneimittelrückständen in unsere Gewässer zu reduzieren.

Projektstruktur

Die Projektstruktur der Initiative „Essen macht’s klar“ besteht aus den folgenden Bausteinen:

Institutionelle Verankerung: Etablierung eines Diskussionsprozesses zum Thema mit relevanten Schlüsselakteurs-Gruppen in der Stadt (z.B. Vertreter der Krankenhäuser, Ärzte- und Apothekerschaft, Träger von Pflegeheimen, Seniorenbeirat, Ver- und Entsorger).

Breite Kommunikation: gezielte Aktionen, die durch eine wirksame Vermittlung der Sensibilisierungsbotschaften in der breiten Bevölkerung zu einer Verhaltensänderung führen können.

Bildung: Bildungsmaßnahmen für verschiedene Zielgruppen (Schulen, Medizin, Pflege, Bevölkerung).

Um das Problembewusstsein der Bevölkerung für die Belastung der Gewässer durch Medikamente zu schärfen und nachhaltig zu verankern, war es eine der zentralen Aufgaben, Unterstützer zu gewinnen, die in ihrem Arbeitsumfeld als Multiplikatoren fungieren. Es wurde ein umfassendes Netzwerk aufgebaut, welches beispielsweise Politik, Gesundheitswesen, Umweltschutz und den Ver- und Entsorgungssektor umfasst. Neben den Vertretern des Gesundheits- und Umweltamtes der Stadt Essen unterstützen z.B. der Apothekerverband Essen Mülheim Oberhausen e.V., die Apothekerkammer, die kassenärztliche Vereinigung Kreisstelle Essen, die Contilia, verschiedene Ärzte, Apotheken und Krankenhäuser, Wohlfahrtsverbände und die Entsorgungsbetriebe die Initiative.

Die Universität Duisburg-Essen, verschiedene Grund- und weiterführende Schulen, wie auch Pflege- und PTA-Schulen der Stadt Essen implementierten die Inhalte der Initiative in unterschiedliche Lehreinheiten und vermitteln diese an die Schülerinnen und Schüler, wie auch an die Auszubildenden und Personen in der Fort- und Weiterbildung im Bereich Pflege. Durch das Netzwerk der Unterstützer eröffneten sich zudem viele Möglichkeiten die Initiative öffentlichkeitswirksam aufzustellen und die breite Bevölkerung zu erreichen, sowie auch Fachpublikum zu informieren.

Begleitende Medienkampagne

Begleitend wurden Veranstaltungen und Kampagnen durch die Social-Media- und Pressearbeit der Projektpartner sowie Marketingstrategien (z.B. Einsatz von Großflächenplakaten, Buswerbung, Radiospots) unterstützt. Eine wesentliche Randbedingung war die Gewährleistung der Übertragbarkeit aller Projektbausteine und Materialien. Daher wurden sowohl die Maßnahmen als auch das Informationsmaterial so konzipiert, dass auch andere Städte die Bausteine mit kleinstmöglichem Aufwand nutzen können. Reichlich Informationen finden sich auch auf www.machts-klar.de.

Die Emschergenossenschaft

Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet wurde. Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft in enger Abstimmung mit der Stadt das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,38 Milliarden Euro investiert werden.

Der Ruhrverband

Der Ruhrverband setzt sich Tag für Tag für den Gewässerschutz im 4.500 km² großen Einzugsgebiet der Ruhr ein. Die Talsperren, Seen und Kläranlagen des Ruhrverbands sichern die Wasserversorgung von 4,6 Millionen Menschen in einem der größten Ballungsräume Europas.