Emscher-Umbau steuert aufs große Finale zu

Fahrplan steht fest: Abwasserfreiheit wird bis Ende 2021 erreicht

Das weltweit einzigartige Generationenprojekt Emscher-Umbau nähert sich damit seinem großen Finale. Das ist letztlich auch dem Umstand zu verdanken, dass trotz des Corona-Lockdowns die Emscher-Baustellen und der Betrieb der systemrelevanten Infrastruktur am Laufen gehalten werden konnten.

„Die Transformation des Emscher-Umbaus von einem zunächst rein wasserwirtschaftlichen Vorhaben zu einem von allen Seiten anerkannten und akzeptierten Großprojekt, das längst auch Impulsgeber für städtebauliche Entwicklungen und Klimaanpassungsstrategien ist, ist eine Faszination für sich“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. „Wer hätte 1992 beim ersten Spatenstich im Rahmen des Emscher-Umbaus geglaubt, dass wir einmal Weinberge an den Ufern des Flusses betreiben würden und dass die einst gemiedenen Wege in der Emscher-Zone allseits beliebte Rad- und Fußwege entlang idyllischer grün-blauer Infrastrukturen sein würden?“, so Paetzel weiter.

Zahlreiche Mehrwert-Effekte bringe die Abwasserfreiheit im zentralen Fluss des Ruhrgebietes mit sich. Diese will die Emschergenossenschaft Ende des kommenden Jahres gemeinsam mit der gesamten Region feiern! Auf ihrer Jahreshauptversammlung stellte Deutschlands erster und größter Wasserwirtschaftsverband nun den groben Zeitplan vor.

Fahrplan in Richtung Abwasserfreiheit
Der große Abwasserkanal Emscher (AKE) ist das zentrale Bauwerk des Emscher-Umbaus. Er ist die künftige abwassertechnische Hauptschlagader des Emscher-Systems. Sein sprichwörtliches Herzstück – das Pumpwerk Oberhausen – befindet sich aktuell in den letzten Zügen der Fertigstellung. Für die Gesamtinbetriebnahme des AKE ist das Pumpwerk Oberhausen von essentieller Bedeutung. Zur Erinnerung: Der Kanal, auch „Emscherschnellweg unter Tage“ genannt, liegt bereits auf der kompletten Länge von 51 Kilometern zwischen Dortmund und Dinslaken. Ein 35 Kilometer langes Teilstück bis Bottrop wurde bereits im September 2018 schrittweise an den Start gebracht, inkl. der beiden anderen großen Pumpwerke in Gelsenkirchen und in Bottrop.

Die restliche Strecke bis zur Kläranlage Emscher-Mündung kann erst in Betrieb gehen, wenn auch das Pumpwerk Oberhausen ans Netz geht – ohne diese Anlage würde das Abwasser die Kläranlage Emscher-Mündung niemals erreichen! „Deutschlands künftig größtes Schmutzwasserpumpwerk wird aus einer Tiefe von rund 40 Metern bis zu 16.500 Liter pro Sekunde heben“, sagt Dr. Emanuel Grün, Technik-Vorstand der Emschergenossenschaft.

Mitte 2021 soll das Pumpwerk Oberhausen in Betrieb genommen werden. Anschließend werden bis Ende 2021 die letzten Umschlüsse der seitlichen Einleitungen in die Emscher erfolgen. Zahlreiche Nebenläufe sind bereits an den AKE angeschlossen, unter anderem der Nettebach in Dortmund, der Hellbach in Recklinghausen und der Ostbach in Herne. Das größte Nebenlaufgebiet, das Hüller Bach-System in den Städten Bochum, Herne und Gelsenkirchen, wird im Frühjahr 2021 an den AKE angebunden: mit dann rund 3454 Litern pro Sekunde!

Spätestens am 31. Dezember 2021 soll kein Tropfen Abwasser mehr in den Emscher-Fluss eingeleitet werden. Das Programm für die Feierlichkeiten zur Abwasserfreiheit wird die Emschergenossenschaft im kommenden Frühjahr bekannt geben, wenn auch etwas mehr Gewissheit darüber herrschen dürfte, unter welchen Umständen größere Veranstaltungen stattfinden können.

Erfolge sind bereits sichtbar
Die Abwasserfreiheit in der Emscher ist das Hauptziel das Generationenprojektes Emscher-Umbau, in das die Emschergenossenschaft dann über einen Zeitraum von 29 Jahren mehr als fünf Milliarden Euro investiert haben wird. Mit dem Erreichen der Abwasserfreiheit wird der Emscher-Umbau abgeschlossen sein, die jährlichen Beitragssteigerungen der Mitglieder werden weiterhin sinken. Die ökologischen Erfolge des Emscher-Umbaus sind in allen Städten des Emscher-Gebietes bereits deutlich sichtbar, zahlreiche Fluss- und Bachlandschaften wurden von der Emschergenossenschaft in den vergangenen Jahren naturnah umgestaltet: Dazu gehören unter anderem der Rüpingsbach in Dortmund, der Deininghauser Bach in Castrop-Rauxel, das Hellbach-System in Recklinghausen, der Dorneburger Mühlenbach in Herne, die Boye-Nebenläufe Wittringer Mühlenbach, Hahnenbach, Haarbach und Nattbach in Gladbeck sowie der Kirchschemmsbach in Bottrop, der Borbecker Mühlenbach in Essen, der Läppkes Mühlenbach in Oberhausen – um nur einige wenige Beispiele aus den Nebengebieten zu nennen.

Die Emscher selbst ist bereits renaturiert auf einer Länge von knapp 24 Kilometern von Holzwickede bis Dortmund-Deusen. Seinen Stolz darüber konnte auch Ullrich Sierau, scheidender Ratsvorsitzender der Emschergenossenschaft, nicht verbergen: „Als ich mich vor zirka 40 Jahren als Student mit der Renaturierung des Emscher-Systems befasst habe, wurde mir bei der Emschergenossenschaft noch der Vogel gezeigt. Mittlerweile hat sich der Eisvogel, ein absolutes Qualitätsmerkmal für eine gesunde Ökologie, an den Ufern der renaturierten Emscher und ihrer Nebenflüsse in Dortmund angesiedelt.“

Sierau hob auch die hohe Akzeptanz der Menschen für das Generationenprojekt Emscher-Umbau hervor: „Letztlich war es auch die Begeisterung der Bevölkerung, die uns in diesem Jahr dazu animiert hat, einen öffentlichen Namenswettbewerb für das Hochwasserrückhaltebecken an der Stadtgrenze Dortmund/Castrop-Rauxel zu veranstalten. Das Ergebnis, „Emscher-Auen“, trifft den besonderen Charakter dieses Natur-Idylls ganz wunderbar.“

Begehrter Ausbildungsbetrieb Der Emscher-Umbau ist eine Investition in die Zukunft der Region. Als nachhaltiges Unternehmen investiert die Emschergenossenschaft selbstverständlich auch in ihre wichtigste Ressource: in den personellen Nachwuchs. Besonders erfreulich sind bereits die diesjährigen Ausbildungszahlen: „Mit insgesamt 35 Auszubildenden in zwölf verschiedenen Berufsbildern haben wir 2020 einen so starken Jahrgang wie nie zuvor“, sagt Raimund Echterhoff, Vorstandsmitglied für Personal und Nachhaltigkeit bei der Emschergenossenschaft.

„Mit unseren künftig neuen Ausbildungszentren in Bottrop, Lünen und Dinslaken sichern wir uns die Fachkräfte der Zukunft und stellen uns weiter als attraktiver und sicherer Arbeitgeber auf“, so Echterhoff. Dazu startet die Emschergenossenschaft ab dem kommenden Jahr erstmalig auch mit fünf Plätzen für ein Duales Studium.

Das Emscher-System und die Emschergenossenschaft – sie sind beide gut aufgestellt für die Zukunft!