Emscher in Dinslaken: Renaturierung und Hochwassersicherheit

Vorbereitungen für Ökologischen Schwerpunkt Wehofen beginnen in Kürze. Im Rahmen der Deichschutzverordnung muss die Emschergenossenschaft zudem den Baumbewuchs auf den Deichen entfernen

Dinslaken. Die Emschergenossenschaft beginnt im kommenden Jahr mit dem Bau des ökologischen Schwerpunktes Wehofen. In diesem Bereich wird der Fluss umfangreich renaturiert und erhält eine großzügige Aue. Erste Vorbereitungen für diese ökologische Maßnahme starten bereits in Kürze mit der Herrichtung der künftigen Bauflächen – hierfür wird die Emschergenossenschaft zunächst Bäume und Buschwerk entnehmen. Darüber hinaus muss die Emschergenossenschaft in den kommenden drei bis fünf Jahren den Baumbewuchs im Bereich der Emscher-Deiche in Dinslaken zur Gewährleistung der Hochwassersicherheit weitestgehend entfernen. Die Emschergenossenschaft ist als Betreiberin der Deiche verpflichtet, die gesetzlich vorgegebenen Standards für die Deichsicherheit einzuhalten. Grundlage hierfür sind die Deichschutzverordnung der Bezirksregierung Düsseldorf sowie die DIN 19712 (Norm für den Neubau, die Sanierung, Unterhaltung, Überwachung und Verteidigung von Hochwasserschutzanlagen an Fließgewässern). Die Emschergenossenschaft bittet für beide Maßnahmen um Verständnis.

Ökologischer Schwerpunkt Wehofen
Für den „Ökologischen Schwerpunkt Wehofen“, dessen Baubeginn für Anfang 2027 geplant ist, wird eine zirka 37.000 Quadratmeter große Auenfläche im Dreieck zwischen der Landwehrstraße und der Brinkstraße angelegt. Innerhalb dieser neuen Aue, für die unter anderem der rechtsseitige Deich in Richtung Norden zurückverlegt wird, entsteht ein zirka 600 Meter langes neues Flussbett für die Emscher. Ziel dieses Projektes ist eine eigendynamische Entwicklung des Gewässers mit einer standortgerechten Flora und Fauna zur ökologischen Verbesserung des durch industrielle Nutzung stark geprägten Flusses.

Der neu entstehende Deich an der Emscher wird auf seiner gesamten Länge von knapp 950 Metern für ein 200-jährliches Hochwasser angelegt werden. Die Baumaßnahme, in die der öffentlich-rechtliche Wasserwirtschaftsverband rund acht Millionen investiert, sollen etwa zwei Jahre dauern und im Frühjahr 2029 abgeschlossen sein.

Hochwassersichere Deiche
Die Anpassungen am Baumbewuchs auf den Deich-Abschnitten an der Emscher in Dinslaken sind auf der Grundlage gesetzlicher Vorgaben notwendig. Die Regelungen gelten nicht nur an der Emscher, sondern für alle Hochwasserschutzanlagen im Land Nordrhein-Westfalen. Hintergrund ist, dass die Wurzeln der Bäume den Deichkörper destabilisieren und damit den Hochwasserschutz gefährden könnten. In Dinslaken ist der Abschnitt zwischen der Kläranlage der Emschergenossenschaft an der Turmstraße und der Emscher-Mündung in den Rhein betroffen.

Bei den im Zuge dieser Maßnahme zu entfernenden Bäumen handelt es sich um Laubbäume, eine Vielzahl sind Pappeln. Eine exakte Aufnahme bzgl. der Größe, der Art und der Standorte der Gehölze erfolgt zurzeit durch die Emschergenossenschaft. Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass die Bäume an den Deichen und jeweiligen Schutzzonen in den nächsten drei bis fünf Jahren entfernt werden. Nicht betroffen sind die Bereiche, in denen keine Deiche, sondern lediglich Hochufer vorhanden sind.

Die ersten Rodungen sollen noch in der aktuellen Fällperiode (bis Ende Februar 2026) starten. Die Abfolge der Entnahme richtet sich nach einer Gefährdungskategorisierung. Ganz aktuell erfolgen noch die Aufnahme und Kartierung der Bäume.

Die Emschergenossenschaft bittet um Verständnis für die erforderliche Maßnahme, die ausschließlich der Sicherheit der Bevölkerung im Hochwasserfall dient. Über die weiteren Schritte wird der öffentlich-rechtliche Wasserwirtschaftsverband informieren.

Emschergenossenschaft
Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de