Dinslaken: Kläranlage Emscher-Mündung ist bereits „fit“ für die neue Emscher

Dinslaken. Im Rahmen des Generationenprojekts Emscher-Umbau hat die Emschergenossenschaft in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht nur knapp 362 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen gebaut und 138 Kilometer an Gewässerlandschaften renaturiert. Bereits in den 90er-Jahren entstanden in Dortmund, Bottrop, Duisburg und Dinslaken moderne Großklärwerke. Die letzte Anlage vor dem Rhein, die Kläranlage Emscher-Mündung in Dinslaken, wurde nun an das künftige Emscher-System ohne offene Schmutzwasserführung angepasst. Die Einweihung fand am Montag im Beisein der NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser statt.

„Kläranlagen stehen meist nicht im Fokus der Öffentlichkeit. Doch wir müssen uns vor Augen führen, dass diese Anlage hier maßgeblich dazu beiträgt, dass nicht nur das Wasser in der Emscher, sondern auch im Rhein und in der Nordsee sauber ist. Kläranlagen sorgen maßgeblich für eine gute Gewässerqualität, diese wiederum ist der Garant für eine Steigerung der Artenvielfalt in den Bächen und Flüssen unseres Landes“, sagt die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser.

„Der Umbau dieser Kläranlage ist von immenser Bedeutung für den Emscher-Umbau insgesamt – insbesondere für die Funktion des neuen unterirdischen Abwasserkanals Emscher, der künftig den Emscher-Fluss als abwassertechnische Hauptschlagader der Region ablösen wird“, ordnet Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, die Anpassungsmaßnahmen im Gesamtkontext des Generationenprojekts Emscher-Umbau ein.

Dieses sorgt für Abwasserfreiheit in der Emscher und für eine naturnahe Umgestaltung der Gewässer. „Der Emscher-Umbau ist dabei mehr als ein abwasser-technisches Projekt, er hat auch städtebaulichen Einfluss. Wir schaffen neue grün-blaue Infrastrukturen, die es wiederum zu entdecken, zu erleben und zu erfahren gilt. Im Laufe der Jahre haben wir eine ganze Reihe an Betriebswegen geöffnet und zu Radwegen ausgebaut, an der Emscher sind es mittlerweile rund 130 Kilometer. Der Emscher-Umbau ist damit eines der größten Infrastrukturprojekte in NRW“, so Paetzel weiter.

Die Kläranlage Emscher-Mündung in Dinslaken nimmt einen besonderen Stellenwert im Kläranlagen-Verbund an der Emscher ein, denn hier – knapp sechs Kilometer vor der Mündung in den Rhein – fließt aktuell noch die gesamte Emscher in die Anlage, wo sie final gereinigt wird.

Regionale Bedeutung
Die regionale Bedeutung der Kläranlage verdeutlichte auch Ullrich Sierau. Er ist nicht nur Ratsvorsitzender der Emschergenossenschaft, sondern auch Oberbürgermeister der Stadt Dortmund. „Der 51 Kilometer lange Abwasserkanal Emscher beginnt in Dortmund und nimmt auf seinem Weg Richtung Westen die Abwässer aller Emscher-Anrainer auf. Während er das Schmutzwasser glücklicherweise unter Tage abführt, wird die saubere Emscher als blaues Band zwischen Dortmund und Dinslaken das verbindende Element unserer Region sein“, so Ullrich Sierau.

Der Umbau der Anlage, ein Großprojekt für sich, wurde bei laufendem Betrieb durchgeführt. Unter anderem entstand eine komplett neue Vorklärstufe (Einlaufbauwerk, Rechenanlage, Sandfang, Vorklärbecken) und es wurden im Bereich der biologischen Reinigung insgesamt 24.192 (!) Belüfterelemente ausgetauscht.

Hintergrund des Umbaus
Die Emschergenossenschaft investierte in den Umbau der Kläranlage zirka 145 Millionen Euro. Mit der Maßnahme passt die Emschergenossenschaft ihre Anlage bereits an das künftig neue Emscher-System an. Erhält das Klärwerk aktuell über den Emscher-Fluss eine hohe Wassermenge mit relativ niedriger Konzentration an Abwasser, verringert sich nach der Inbetriebnahme des neuen unterirdischen Abwasserkanals Emscher zwar die Wassermenge – allerdings fällt die Abwasserkonzentration höher aus. Der in Zukunft saubere Fluss fließt dann dagegen nur noch an der Anlage vorbei.

Dr. Michael Heidinger, Bürgermeister von Dinslaken, brachte den Stolz der Stadt auf den Emscher-Umbau zum Ausdruck – und verwies auf die andere große Baumaßnahme der Emschergenossenschaft: „Eine der größten Maßnahmen des Jahrhundertprojekts Emscher-Umbau ist die Neugestaltung der Emscher-Mündung in Dinslaken, über die wir uns ganz besonders freuen.“ Die Emscher-Mündung wird zurzeit um zirka 500 Meter in Richtung Norden verlegt. Im Zuge der Neugestaltung der Emscher-Mündung entsteht eine rund 20 Hektar große idyllische Aue, die einen Hochwasserrückhalteraum mit einem Fassungsvolumen von knapp 1,3 Millionen Kubikmeter beinhaltet. „Dinslaken wird damit zum Portal ins Neue Emschertal und verbindet es mit Rheinland und Niederrhein. Der Emscher-Umbau ist damit ein immenser Gewinn für uns“, so Heidinger.

Ein Gewinn ist der Emscher-Umbau auch für die Stadt Oberhausen – und das nicht nur, weil die Kläranlage Emscher-Mündung teilweise auch auf Oberhausener Stadtgebiet liegt. Daniel Schranz, Oberbürgermeister von Oberhausen, wohnte der Einweihung am Montag ebenfalls bei und sagte: „Die Hauptarbeiten, die zur vollständigen Inbetriebnahme der neuen Kläranlage notwendig sind, laufen aktuell knapp drei Kilometer von hier entfernt in unserer Stadt. Es entsteht der letzte Abschnitt des Abwasserkanals Emscher und das Pumpwerk Oberhausen. Erst mit diesen Bestandteilen wird das Gesamtsystem voll funktionstüchtig sein. Und nicht zu vergessen: Mit der Verlegung der Emscher-Trasse im Holtener Bruch erhält Oberhausen einen echten ökologischen Schwerpunkt im Rahmen des Emscher-Umbaus. Aufgrund der engen Platzverhältnisse ist das woanders kaum möglich. Auch darauf ist Oberhausen stolz.“ Als Fazit stellt Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand der Emschergenossenschaft, fest: „Der Umbau war eine technische Meisterleistung, für die man dem gesamten Team gratulieren muss.“

Die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das effizient Aufgaben für das Gemeinwohl mit modernen Managementmethoden nachhaltig erbringt und als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet. Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft das Generationenprojekt Emscher-Umbau um, in das über einen Zeitraum von rund 30 Jahren prognostizierte 5,38 Milliarden Euro investiert werden.