Blaues Klassenzimmer am Dattelner Mühlenbach eingeweiht
Im Beisein von Bürgermeister André Dora, Staatssekretär Josef Hovenjürgen und ganz vielen Kindern
Datteln. Rund 140 Millionen Euro investiert der Lippeverband, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, in die Revitalisierung des Dattelner Mühlenbachs. Vom Abwasser befreit ist das Gewässer bereits seit 2019. Die naturnahe Umgestaltung des über Jahrzehnte technisch überformten Bachs begann vor drei Jahren. Im Bereich Hagemer Binsenweide, wo der Dattelner Mühlenbach ganz aktuell aus seinem Betonkorsett herausgeholt wurde und sich mittlerweile weitläufiger ausbreiten darf, ist in den vergangenen Monaten direkt am Gewässer ein Blaues Klassenzimmer entstanden. Eingeweiht wurde es am Donnerstag (3.9.) im Beisein von Josef Hovenjürgen, Parlamentarischer Staatsekretär im Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen und Bürgermeister André Dora. Regulär in Betrieb gehen wird der neue Freiluft-Lernort gegen Ende des Monats nach der Fertigstellung aller Restarbeiten.
Das Blaue Klassenzimmer in Datteln, in das rund 200.000 Euro investiert wurden, ist ein Projekt der Kooperation „Gemeinsam für Emscher und Lippe“. Es wurde zu 80 Prozent mit Mitteln der Städtebauförderung ermöglicht. Der Lippeverband trägt 20 Prozent der Kosten. „Gemeinsam für Emscher und Lippe“ ist eine Kooperation von Emschergenossenschaft und Lippeverband (EGLV), dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Stadt Bottrop (stellvertretend für die Emscher- und Lippe-Kommunen). Das Ziel: Städtebauliche und wasserwirtschaftliche Maßnahmen in den Quartieren miteinander zu verknüpfen.
„Gemeinsam entwickeln wir Emscher und Lippe weiter zu neuen Lebensadern für Mensch und Natur: Ein erfolgreiches Beispiel dafür ist das Blaue Klassenzimmer, das dem renaturierten Mühlenbach in Datteln jetzt ein neues Gesicht verleiht. Und das kann sich sehen lassen: Hier ist direkt am Wasser ein wunderbarer Ort zum Lernen, Erleben und Begegnen entstanden – nicht nur für Kinder und Jugendliche. Auch nach Schulschluss ist das Blaue Klassenzimmer ein Treffpunkt für alle in Datteln. Dieses vorbildliche Projekt wurde mit 160.000 Euro aus der Städtebauförderung unterstützt, die attraktive Orte schafft und aus Brachflächen lebendige Zentren macht. Durch die Verknüpfung von städtebaulichen, wasserwirtschaftlichen und gewässerökologischen Maßnahmen entlang der Emscher und der Lippe haben wir die blau-grüne Infrastruktur in der Region gewinnbringend verbessert. Das bedeutet: Mehr coole Orte in der Stadt und noch mehr Lebensqualität für die Menschen vor Ort“, sagt Josef Hovenjürgen, der als Parlamentarischer Staatsekretär kurzfristig Ministerin Ina Scharrenbach vertrat.
„Das Blaue Klassenzimmer am Dattelner Mühlenbach ist ein Freiluft-Bildungsstandort direkt am mittlerweile renaturierten Gewässer. Es gibt uns die Möglichkeit, praxisorientiert Kinder und Jugendliche für Themen wie Umwelt- und Naturschutz zu begeistern“, sagt Dattelns Bürgermeister André Dora.
„Wenn wir unsere Gewässer naturnah umgestalten, denken wir über die Wasserwirtschaft hinaus: Städtebau und Bildungsarbeit gehen Hand in Hand mit der ökologischen Umgestaltung des Dattelner Mühlenbachs. Dies schafft Mehrwerte über die Flussrevitalisierung hinaus“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes.
Die Entwicklung des Blauen Klassenzimmers in Datteln
2016, als der Dattelner Mühlenbach noch ein offener Schmutzwasserlauf war, entstand erstmals die Idee für einen außerschulischen Lernort direkt am Fluss. Der Lippeverband nahm den Gedanken auf und leitete nach Erreichen der Abwasserfreiheit 2019 gemeinsam mit der Stadt Datteln einen Planungs- und Beteiligungsprozess ein mit dem Ziel, die Menschen vor Ort ihr Blaues Klassenzimmer mitgestalten zu lassen. Nach einer durch die Corona-Pandemie ausgelösten Zwangspause nahmen die Planungen ab 2022 wieder Fahrt auf. In den Jahren 2023 und 2024 fanden Beteiligungsveranstaltungen mit den örtlichen Schulen, Kindergärten und weiteren Umweltbildungsträgern statt. Unter Berücksichtigung der eingereichten Ideen wurde ein Entwurf des Freiluft-Lernorts erstellt, der im April 2024 erstmals öffentlich präsentiert und diskutiert wurde. Der erste Spatenstich erfolgte im April 2026.
Das Blaue Klassenzimmer ist in erster Linie für die schulische Nutzung gedacht, z.B. für den Biologieunterricht direkt am Dattelner Mühlenbach, für Wasser-Experimente und Untersuchungen von Flora und Fauna. Darüber hinaus entsteht für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Datteln ein neuer Begegnungsort am Gewässer, der für vielfältige Aktivitäten genutzt werden kann.
Das 14. Blaue Klassenzimmer
Insgesamt 13 Blaue Klassenzimmer hat der Lippeverband und seine Schwesterorganisation Emschergenossenschaft in den vergangenen Jahren bereits gebaut. Im Emscher-Gebiet befinden sie sich an der Alten Emscher in Duisburg-Beek, am Kirchschemmsbach in Bottrop, am Hahnenbach in Gladbeck-Brauck, am Katernberger Bach in Essen-Katernberg, am Sellmannsbach in Gelsenkirchen-Bismarck, am Hellbach in Recklinghausen-Süd, am Ostbach in Herne, am Suderwicher Bach in Recklinghausen/Castrop-Rauxel, am Deininghauser Bach in Castrop-Rauxel, an der Emscher im Bereich der Emscher-Auen im Castrop-Rauxeler Ortsteil Ickern sowie an der Emscher in Dortmund-Hörde. Im Lippe-Gebiet sind die Blauen Klassenzimmer an der Stever in Haltern am See und am Heerener Mühlbach in Kamen zu finden. Das Blaue Klassenzimmer am Dattelner Mühlenbach ist der nunmehr 14. Freiluft-Lernort in den Einzugsgebieten von Emscher und Lippe.
Die aktuelle Renaturierung des Dattelner Mühlenbachs
Das Projekt „Ökologische Verbesserung Dattelner Mühlenbach“ besteht aus zehn Bauabschnitten. Davon sind drei Bauabschnitte bereits fertiggestellt. Der Bereich Hagemer Binsenweide befindet sich ganz aktuell in der Umgestaltung (bis voraussichtlich Ende 2026). Zurzeit wird das Gewässer ausgebaut und aufgeweitet, teilweise ist es bereits sogar in einen neuen Auenbereich südlich des aktuellen Bachbettes umverlegt worden. Die kerzengerade Streckenführung des Dattelner Mühlenbachs gehört damit in diesem Abschnitt der Vergangenheit an, denn hier der Fluss die Kurve(n) gekriegt – im wahrsten Sinne!
100 Jahre Lippeverband
Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde seinerzeit Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum unterhalb Lippborg bis zum Rhein bei Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger auf jubilaeum.eglv.de.