Bau des Regenüberlaufbeckens kann nun endlich beginnen

Seltene Wasserralle verzögerte Projekt über Jahre

Mülheim an der Ruhr. Mehrere Jahre lang verzögerte die seltene Wasserralle den Bau – an diesem Montag, 2. September, kann die Emschergenossenschaft nun mit den Bauarbeiten für das Regenüberlaufbecken (RÜB) am Frohnhauser Weg an der Stadtgrenze Mülheims zu Essen-Frohnhausen beginnen. Neben dem Becken entstehen neue unterirdische Abwasserkanäle parallel zum Borbecker Mühlenbach von der Königsberger Straße bis zur Nöggerathstraße – sie sind die Grundvoraussetzung für die spätere Abwasserfreiheit und Renaturierung des Gewässers. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich bis Ende 2022 dauern.

Auf der Fläche am Frohnhauser Weg in Mülheim, wo nun das RÜB entsteht, siedelte bisher die Wasserralle. Für sie hat die Emschergenossenschaft mittlerweile ein Ersatzbiotop im Winkhauser Bachtal, ebenfalls auf Mülheimer Stadtgebiet, geschaffen. Ein weiterer Lebensraum wird auf Essener Seite an der Böhmerstraße in einem neuen Retentionsraum (Ausuferungsfläche) für den Borbecker Mühlenbach gebaut. Der Beginn dieser Arbeiten erfolgt ebenfalls im September.

Das RÜB (siehe Funktionsweise weiter unten im Text) wird ein Fassungsvermögen von 14.784 Kubikmeter aufweisen. Die neu zu bauenden Abwasserkanäle haben eine Gesamtlänge von 1720 Meter und Durchmesser von 1,60 bis 3,40 Meter. Darüber hinaus entstehen seitliche Kanalanbindungen von insgesamt 1029 Meter (Durchmesser: 40 Zentimeter bis 2,20 Meter). Verlegt werden die Rohre in Tiefenlagen von sechs bis 15 Meter. In die nun anstehenden Baumaßnahmen investiert die Emschergenossenschaft insgesamt 47 Millionen Euro.

Die naturnahe Umgestaltung des Borbecker Mühlenbachs wird nach aktueller Planung voraussichtlich 2021 beginnen und zwei Jahre dauern.

Regenüberlaufbecken

Ein Regenüberlaufbecken dient der Trennung von weitestgehend sauberem Regenwasser und schmutzigem Abwasser. In einem RÜB wird bei starken Niederschlägen das Mischwasser zunächst angestaut und beruhigt. Dabei kommt das physikalische Gesetz der Schwerkraft zum Tragen: Die schwereren Schmutzsedimente setzen sich nach unten ab und können gedrosselt durch eine Ableitung in den Abwasserkanal und anschließend zur Kläranlage transportiert werden.

Das oben schwimmende, weitestgehend saubere und nicht-klärpflichtige Regenwasser dagegen kann nach Erreichen einer bestimmten Menge und Höhe über eine sogenannte Entlastungsschwelle ins Gewässer „überlaufen“. Mit Hilfe dieser sogenannten Regenwasserbehandlungsanlagen erhalten die Gewässer also weitestgehend sauberes Wasser, während die Abwasserkanäle und insbesondere die Kläranlagen entlastet werden.

Auch ökonomisch sinnvoll

Das ist nicht nur ökologisch äußerst sinnvoll, sondern auch ökonomisch – denn die Abwasserkanäle müssen nicht durchgängig übergroß dimensioniert werden, was die Baukosten erheblich senkt! Zudem gehört sauberes Regenwasser ins Gewässer und nicht in die Kläranlage, wo es unnötigerweise noch einmal für viel Geld gereinigt würde.