Glücksradtour 4:

Ziel & Ankunft (Duisburg und Dinslaken)

Wohin fließt die Emscher? Die einzige beständige Antwort auf diese Frage war über die letzten 150 Jahre: „Zum Rhein.“ Genauso wie ihr Verlauf, ist auch die Mündung der Emscher mehrmals gewandert. Daher finden wir in Duisburg und Dinslaken heute drei Verläufe der Emscher, denen wir auf dieser Tour allen begegnen. Und jetzt bewegt sich wieder etwas: Die Emscher bekommt eine naturnahe Mündung in Voerde, direkt am Hof Emschermündung.
So nah am Niederrhein nimmt das Wasser überall wesentlichen Einfluss, formt nahezu mystische Landschaften wie die Rheinaue Walsum und bietet Erholung im Revierpark Mattlerbusch, mit Therme und neu errichtetem Gradierwerk.

Wer es etwas kürzer mag, macht aus der 3-Flüsse- eine 2-Flüsse-Runde von 24 Kilometern Länge. Dazu einfach die Abkürzung nehmen...
Abkürzung

Eine wichtige Zutat zu einem glücklichen und zufriedenen Leben ist: das eigene Handeln als wirksam zu erleben. Das kann vieles bedeuten: Wenn man sich ein Ziel setzt und es erreicht. Zum Beispiel jeden Tag für ein paar Minuten an die frische Luft zu gehen, dreimal die Woche die Rückenübungen zu machen, die einem gut tun, oder die eigene Ausdauer auf der Joggingstrecke zu steigern. Oder auch wenn man für einen anderen Menschen da ist, dem diese Zuwendung gut tut. Bei alldem erlebt man, dass man selbst etwas umsetzen und bewirken kannst.

Auf dem Weg zu den drei Läufen der Emscher lässt sich gut darüber nachdenken: Welche Ziele möchte ich eigentlich erreichen? Welche habe ich schon erreicht? Oder auch einfach: Welchen Einfluss nehme ich? Wohin geht meine Energie und was bewirke ich damit?

Zur Extra-Tour: Von Emscher zu Emscher über alte Bahntrassen

Auf geht's zur Glücksradtour 4

Saline im Revierpark Mattlerbusch

Es rieselt, glitzert und schäumt. Ein kühler Hauch wie vom Meer und ein Salzgeschmack auf den Lippen. Hier kann man mit allen Sinnen das Naturerlebnis genießen.
Früher wurden Gradierwerke eingesetzt, um Salz zu gewinnen, indem das Wasser langsam verdunstete. Die dabei entstehende „künstliche Seeluft“ ist aber auch gut für die Gesundheit. So gut, dass wir Gradierwerke heute vor allem an Orten der Erholung finden. So auch hier, im Revierpark Mattlerbusch. Die Niederrheintherme, der Schau-Bauernhof und der vielgestaltige Park ringsum bieten viele Möglichkeiten, es sich gut gehen zu lassen.

Die neue Emschermündung

In Oberhausens Neuer Mitte ist schon die Landschaft selbst ein Kunstwerk: Großformatige Erinnerungen an die früheren St.-Antony- und Gutehoffnungshütte (kurz „GHH“), wie der Gasometer oder das Olga-Gelände. Eine Insel, die es früher nicht gab. Und dazwischen zahllose kreuzende Wege, für Menschen, Züge, Kohle, Wasser, Strom oder Gas – von irgendwo nach anderswo. Die perfekte Kulisse für EMSCHERKUNST, die man hier überall entdecken kann.

Hier gibt‘s Infos zur EMSCHERKUNST und dem künftigen EMSCHERKUNST-Weg: http://www.emscherkunstweg.de/

Video: Endlich angekommen … oder?
Rheinaue Walsum

Alte, teils abgestorbene Bäume stehen um – und auch in – weiten Wasserflächen, dazwischen schwimmen, waten und gründeln Wasservögel. Hier gelten offenbar andere Gesetze als in anderen Wäldern. Und genau das macht diesen sogenannten Auwald für die Natur so wertvoll. Flächen, die manchmal für Wochen überschwemmt sind und dann wieder trockenfallen, bieten ganz eigene Lebensräume. Und durch die Begradigung vieler Flüsse sind sie selten geworden.

In dieser verträumten und gleichzeitig sehr lebendigen Landschaft können Sie das Rad auch mal an den Rand stellen und sich einfach einige Minuten treiben lassen. Probieren Sie dabei doch mal dieses passende Achtsamkeitsspiel aus: Das Driften oder „Dérive“. Dabei geht es darum, dem Zufall – dem, was mir zu-fällt – Raum zu geben und Aufmerksamkeit zu schenken. Und teilen Sie gerne mit uns auf Komoot, was Sie dabei erlebt haben.

Mehr Anregungen zum Driften finden Sie hier.

Eine kleine Dérive-Anleitung:

  1. 1) Dreh Dich in eine beliebige Richtung und geh 20 Schritte geradeaus.
    2) Schau Dich um – finde etwas, das Dir gefällt.
    3) Wirf eine Münze: Drehe Dich bei „Kopf“ nach links, bei „Zahl“ nach rechts. Gehe gerade aus, bis zum nächsten Baum.
    4) Sieh Dir den Baum genau an. Suche ein Muster, das Dich an etwas erinnert. Fotografiere es oder zeichne es ab, schreib dazu, woran es Dich erinnert. Teile es gerne hier.
    5) Wirf eine Münze: Kopf = links, Zahl = rechts; Nimm das heutige Datum + 10 und gehe entsprechend viele Schritte geradeaus (z. B.: 7. Mai = 17 Schritte).
    6) Finde etwas Verstecktes oder Verlorenes, lass es aber an Ort und Stelle (außer es ist offenbar Müll, dann entsorge es gerne). Mache ein Foto und überlege Dir ein kurzes Gedicht.
    7) Schau Dich um, nach einem Zeichen, das Dir den Weg weist. Gehe 15 Schritte.
    8) Gehe in die Hocke und sieh Dich um. Was springt Dir ins Auge?
Hubbrücke am Nordhafen Walsum

Berge oder Meer? Oder doch etwas dazwischen? Wie auch immer die Antwort auf diese klassische Frage nach dem Urlaubsort lautet: Es gibt Gründe dafür, dass wir manche Landschaften besonders schön finden.

Mehr zum wissenschaftlichen Hintergrund gibt’s hier.

Video: Was macht eine Landschaft schön?
Südhafen Walsum und Mündung der Kleinen Emscher

Wir stehen hier an der zweiten Mündung der Emscher. Und gleichzeitig am Südhafen Walsum, wo noch heute Kohle verladen wird, nur, dass sie mittlerweile nicht mehr aus dem Revier stammt, sondern zu 100 Prozent angeliefert wird.

Hier, inmitten der letzten Hochindustrie, braucht es auch nicht viel Phantasie, sich vorzustellen, welcher Zweck der Emscher früher zukam: Abwässer wegschwemmen. Ein Fluss als Wirtschaftsfaktor. Passend dazu können wir die Mündung selbst nicht sehen, ebenso wenig die letzten Flussmeter, die unterirdisch im Kanalrohr verlaufen. Ganz anders, als es bei der neuen Emschermündung, wenige Kilometer nördlich von hier, sein wird.

Bei der Flussgestaltung ist es wie im Leben: Ziele und Aufgaben ändern sich im Laufe der Zeit. Da kann man ja mal drüber nachdenken: Was war das bei mir früher, was heute? Welche Veränderungen sind mir gut gelungen?

Weg an der Kleinen Emscher

Hier zeigt sich die Emscher oft in sattem Gelb oder Orange. Der Grund: Eisenablagerungen im Boden, die vom Wasser ausgewaschen werden. Das an sich ist zwar nicht problematisch, deutet aber an, was Jahrzehnte der Schwerindustrie hier und Emscher aufwärts hinterlassen haben. Mit der Internationalen Bauausstellung Emscherpark 1989-1999 nahm dann der Strukturwandel im Revier richtig Fahrt auf. Dabei wurde auch das Generationenprojekt Emscher-Umbau gestartet, an der „großen“ wie auch hier an der Kleinen Emscher. Der frühere Abwasserlauf wird Schritt für Schritt zum sauberen Gewässer mit Uferwegen und Grünanlagen.

Botanischer Garten Hamborn

An Hamborns Geschichte lässt sich gut nachvollziehen, wie schnell die Bevölkerung hier im Revier vor gut hundert Jahren gewachsen ist: 1900 war Hamborn noch ein Dorf, obwohl schon 30.000 Menschen hier lebten. 1910 waren es dann über 100.000. Offiziell war Hamborn aber immer noch Dorf.

Entsprechend viele Wohnsiedlungen wurden zwischen den Werksgeländen gebaut. Umso wertvoller wurden dadurch die Freiräume und Grünflächen, wie der schön gestaltete botanische Garten. Der Eintritt ist kostenfrei.

Renaturierte Alte Emscher (am Landschaftspark)

Was heute Alte Emscher heißt, war bis 1900 noch der normale Verlauf der Emscher. Die dazugehörige Mündung findet sich noch heute am sogenannten Alsumer Berg auf dem Gelände der Thyssen-Hütte in Bruckhausen, auch wenn man sie nicht sehen kann: https://www.komoot.de/highlight/419153

Video: Wo früher der stahl kochte, entsteht heute neues Leben