Die Emscher in Dortmund. Foto: Rupert Oberhäuser/EGLV

Der Masterplan

Auf dem Weg ins Neue Emschertal

Der Weg zum Masterplan

2003 führte die Emschergenossenschaft einen interdisziplinären Wettbewerb durch. Der erste und zweite Preisträger wurden mit dem Entwurf des Masterplans Emscher-Zukunft betraut. Die Jury entschied sich hierbei für einen Lösungsansatz, der die Neue Emscher mit ihren begleitenden Freiräumen und urbanen Anbindungen als Kabelstrang symbolisiert: Von hier gehen die Impulse für die Entwicklung des Neuen Emscher-Tals aus.

Die Idee des Kabelstrangs wurde nach dem Wettbewerb auf räumliche Entwicklungspotenziale in der Emscher-Region übertragen. 2006 folgte dann die Veröffentlichung des Masterplans Emscher-Zukunft im Maßstab 1:5.000 – als Ergebnis der intensiv im Dialog abgestimmten Raumanalyse. Er umfasst die planerischen Überlegungen für den gesamten Emscher-Lauf von der Quelle bis zur Mündung sowie für die Einmündungen seiner Nebengewässer und die Trasse des Emscher-Abwasserkanals.

Acht Leitthesen für die Planung

Dem Masterplan Emscher-Zukunft liegen acht Leitthesen zu Grunde. Sie skizzieren die Ziele und Strategien, mit denen der Emscher-Umbau auf die komplexen und eng miteinander verzahnten Herausforderungen von Wasserwirtschaft, Ökologie, Ökonomie und Freiraumgestaltung reagiert:

1. Die Hochwassersicherheit bleibt hervorragend

Durch neue Hochwasserrückhaltebecken, Retentionsflächen und eine aktive Regenwasserbewirtschaftung wird der Hochwasserschutz im Emscher-System über das bestehende hohe Niveau hinaus weiter verbessert.

2. Das ökologische Potenzial wird ausgeschöpft

Die neuen sauberen Gewässer bieten ein großes ökologisches Potenzial. An der Neuen Emscher entsteht eine vielfältige Gewässerlandschaft, in der sich zahlreiche im und am Gewässer lebende Arten ansiedeln werden.

3. Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten erhöhen die Nutzungsqualität

Die Gewässer werden von isolierten Meideräumen zu attraktiven, in Stadt und Landschaft eingebundenen Wasserläufen. An ihren Ufern entstehen durch ein Wegenetz erschlossene Freizeitareale.

4. Lebensqualität und neue wirtschaftliche Potenziale

Das Neue Emschertal schafft neue Möglichkeiten für das Wohnen, Leben und Arbeiten am Wasser. Es wertet den Ballungskern der Region auf und verbessert auf diese Weise die Chancen für den wirtschaftlichen Aufschwung in der gesamten Region.

5. Stolz auf die eigene Geschichte in einem neuen gestalterischen Kontext

Die Gestaltung der Neuen Emscher bedeutet keinen Bruch mit der Vergangenheit. Die technische Kulturgeschichte der Emscher-Region bleibt durch Zeitzeugen wie Brücken, Pumpwerke, Schachtstandorte und Kläranlagen sichtbar und erlebbar.

6. Klare lineare Gestaltungselemente betonen Durchgängigkeit des Freiraum- und Biotopverbundes

In einer vielfältigen und komplexen Siedlungslandschaft setzt die Gestaltung bewusst auf klare, lineare Elemente.

7. Wiedererkennbare Material- und Formensprache sorgt für unverwechselbares Gesicht

Über die bereits vorhandenen prägnanten Böschungs- und Deichprofile erhält die neue Emscher durch die einheitliche Gestaltung von Wegen, Bänken und Aufenthaltsbereichen eine eigenständige, wiedererkennbare Corporate Architecture.

8. Eigenständige Attraktion, Identifikationsobjekt und Wirtschaftsplattform

Das Nebeneinander von Natur und Technik, von Geschichte und Entwicklungspotenzialen macht das Neue Emscher-Tal attraktiv und eröffnet vielfältige Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region.

Die wichtigsten Erfolge

aus dem Kerngeschäft

Eine moderne wasserwirtschaftliche Infrastruktur ist Grundlage dafür, dass sich die Gewässer des Emscher-Systems vom Abwasser befreit wieder zu naturnahen Bächen und Flüssen entwickeln können. Ohne Abwasserkanäle, Pumpwerke, Kläranlagen, Hochwasserrückhaltebecken und andere technische Bauten gäbe es kein Neues Emscher-Tal.

Rohrwechsel beim Vortrieb. Foto: Rupert Oberhäuser/EGLV

Abwasserkanal Emscher

Er ist das Rückgrat des Emscher-Umbaus: Schon mehr als 26 Kilometer des Abwasserkanals Emscher wurden im unterirdischen Vortrieb verlegt – über 6.800 Betonrohre mit einem Gesamtgewicht von mehr als 118.900 Tonnen. Insgesamt wird sich die abwassertechnische Hauptschlagader von Dortmund bis Dinslaken auf einer Länge von 51 Kilometern erstrecken.

Der Hörder Bach in Dortumund. Foto: Gaby Lyko/EGLV

Naturnaher Umbau von Holzwickede bis Dortmund

Seit 2010 ist der Oberlauf der Emscher von der Quelle in Holzwickede bis zur Kläranlage Dortmund-Deusen abwasserfrei – eine Strecke von über 20 Kilometer. In Dortmund hat sich die ökologische Umgestaltung vielerorts bereits sehr gut entwickelt. Dafür zeichnete die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall den Umbau der Emscher in Dortmund mit dem „Gewässerentwicklungspreis“ aus.

Emscher-Düker in Castrop-Rauxel. Foto: Henning Maier-Jantzen/EGLV

Neuer Emscher-Durchlass in Castrop-Rauxel

Im Juni 2012 ging der neue Emscher-Durchlass in Castrop-Rauxel Henrichenburg in Betrieb. Neben der Verbreiterung des Rhein-Herne-Kanals war auch eine Verlegung der Emscher nötig. Sie fließt nun auf rund 700 Metern Länge in einem neuen Bett, dessen Profil bereits auf den naturnahen Ausbau hin angelegt ist. Ein Teil des alten Verlaufs bereichert als Stillgewässer die Landschaft.

Regenwasserbewirtschaftung auf dem Gelände der Zeche Zollverein. Foto: Rupert Oberhäuser/EGLV

Nachhaltige Regenwasserbewirtschaftung

Bereits 2005 haben die Emscher-Kommunen, das Land NRW und die Emschergenossenschaft die Zukunftsvereinbarung Regenwasser (ZVR) unterzeichnet. Wo immer möglich, soll sauberes Regenwasser nicht mehr in die Kanalisation geleitet werden, sondern wieder dem natürlichen Wasserkreislauf zugutekommen. 2013 wurde das Projekt mit dem „Novatech Award“ ausgezeichnet.

Die Emscher bei Hochwasser. Foto: Rupert Oberhäuser/EGLV

Sicherheit vor Hochwasser

Der Schutz vor Hochwasser hat oberste Priorität. Alle Projekte des Emscher-Umbaus werden durch das Hochwassermanagement fachlich begleitet. Dezentrale Maßnahmen sind eine sinnvolle Ergänzung zu Pumpwerken, Deichen und Rückhaltebecken. Innovative Hochwasservorhersagesysteme tragen dazu bei, Schäden zu minimieren.

Die Emscher-Mündung in Dinslaken. Foto: Sven Breszyk /EGLV

Neue Mündung für die Emscher

2014 hat der Neubau eines naturnahen Mündungsbereichs der Emscher in Dinslaken begonnen. Bisher fließt sie über ein Absturzbauwerk in den Rhein – eine 6 Meter hohe ökologische Barriere. Künftig ist hier eine freie Passage für Fische und andere Gewässerbewohner möglich, eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung artenreicher Gewässer. Rund 20 Hektar Auenfläche sind geplant.

Die wichtigsten Erfolge

aus Impuls- und Begleitprojekten

Attraktive Freizeitangebote, idyllische Grünflächen, eine breite Palette an Kunst und Kultur – all diese Faktoren bestimmen die Lebensqualität in Stadt und Land. Bei der Gestaltung des Neuen Emscher-Tals bieten sich viele Möglichkeiten, auch in diesen Bereichen Impulse für die Aufwertung der Region zu geben. Ein Überblick zu den spannendsten Projekten:

Emscher-Weg. Foto: Diethelm Wulfert/EGLV

Der Emscher-Weg: Andere Perspektiven ins Emscherland

Naherholung auf rund 115 Kilometern: Der Emscher-Weg erschließt neu geschaffene Freizeitareale. Nach Abschluss des Umbaus werden es 160 Kilometer sein, die man entlang der ökologisch verbesserten Gewässer auf den hergerichteten Betriebswegen absolvieren kann. Über 50 Rastplätze laden zum Verweilen ein – und zum Entdecken ungewöhnlicher Perspektiven.

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Der BernePark in Bottrop. Foto: Gaby Lyko/EGLV

Neue Nutzung: Der Bernepark

Die einstige Kläranlage Bernemündung in Bottrop hat sich zu einem beliebten Kultur- und Freizeittreffpunkt gewandelt. Seit 2010 kann man Konzert- und Theateraufführungen oder ein leckeres Essen genießen – und in einem umgebauten Kanalrohr übernachten. Der BernePark wurde im Rahmen der Kooperation „Gemeinsam für das Neue Emschertal“ realisiert.

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Slinky Springs to Fame in Oberhausen. Foto: EGLV

Emschererlebnis Oberhausen

Mit der Emscher-Insel, dem Kaisergarten und dem Feuchtwald des Grafenbuschs kann man in Oberhausen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Emscher erleben. Die Brückenskulptur „Slinky Springs to Fame“ von Tobias Rehberger verbindet den Kaisergarten mit der Emscher-Insel und hat sich als begehbares Kunstwerk zu einem neuen Wahrzeichen entwickelt.

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Warten auf den Fluss auf der Emscher-Insel. Foto: Andreas Fritsche/EGLV

Kunst- und Kulturprojekte: Den Wandel gemeinsam gestalten

Innovative Kunst- und Kulturprojekte sind eine ideale Plattform, um mit den Menschen in den Dialog zu treten und sie zur Teilhabe aufzurufen. Zusammen mit zahlreichen Partnern hat die Emschergenossenschaft einige Projekte ins Leben gerufen, die weit über die Region hinaus das Interesse für das Neue Emscher-Tal wecken.

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Exkursionsbaustein für den Schulunterricht. Foto: Rupert Oberhäuser/EGLV

Unser Bildungsengagement

Ein Generationenprojekt wie der Umbau des Emscher-Systems ist hervorragend dazu geeignet, Wissen zu vermitteln und gemeinschaftliches Handeln im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu initiieren. Projekte für Kinder und Jugendliche stehen dabei genauso auf dem Programm wie Angebote für Bildungsakteure.

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Fortschreibung des Masterplans

Der Masterplan Emscher-Zukunft ist im Dialog mit zahlreichen Akteuren entstanden. Er bietet einen Orientierungsrahmen für das Zusammenwirken von Wasserwirtschaft und Stadt- und Freiraumentwicklung. Das Konzept des Masterplans hat sich in den vergangenen Jahren in vielerlei Hinsicht als Arbeitsgrundlage bewährt. Jetzt gilt es, die Erfahrungen aus den bereits realisierten Projekten zu bündeln und mit den aktuellen Herausforderungen in Übereinstimmung zu bringen – beispielsweise dem demografischen Wandel, dem Klimawandel oder den sich verändernden Ansprüchen der Menschen an ihre Mobilität und ihr Lebensumfeld.

Die Weiterentwicklung des Masterplans soll daher über eine Reihe von Fortschreibungsfenstern erfolgen. Der Schwerpunkt liegt auf teilräumlichen Fortschreibungen unter dem Themendach „Integrale Wasserwirtschaft als Motor der Stadt- und Freiraumentwicklung“. Das erste Modellprojekt hierzu startete in Zusammenarbeit mit der Stadt Herten.

Im Bereich Hochwassermanagement fokussieren wir uns auf das thematische Fortschreibungsfenster „Hochwassermanagement als Kooperationsaufgabe“ – ein wichtiger Aspekt, der schon beim Emscher-Dialog 2013 im Mittelpunkt stand. Die Bereiche Entwicklung und Profilierung der Stadt- und Landschaftsgestalt sowie die Steigerung der touristischen Attraktivität werden im Rahmen des thematischen Fensters „Integraler Gestaltungsansatz für die Emscher und ihre Ufer“ fortgeschrieben. Auch bei den Fortschreibungen des Masterplans ist die enge Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ein zentraler Grundsatz.

Integrale Wasserwirtschaft

Motor der Stadt- und Freiraumentwicklung

Mit dem Masterplan Emscher-Zukunft und der Zukunftsvereinbarung Regenwasser haben die Emscherkommunen gemeinsam mit der Emschergenossenschaft und dem Land Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren erfolgreich den Weg in eine nachhaltige Stadtentwicklung eingeschlagen. Der vielerorts bereits sichtbare Wandel der Stadtlandschaft unserer Region macht dies schon heute erlebbar. Und er macht deutlich, welche städtebaulichen und freiraumplanerischen Chancen der wasserwirtschaftliche Umbau birgt. Um diese Chancen in noch stärkerem Maße zu nutzen, wurde nun die Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ ins Leben gerufen. Ihr zentrales Anliegen: die integrale Wasserwirtschaft. Was verstehen wir darunter? Unser Ziel ist es, das Hochwassermanagement, den Wasserschutz, die Abwasserableitung und -reinigung sowie weitere Aufgaben, die im Rahmen des Wasserkreislaufs anfallen, in Einklang zu bringen, alle Interessen gegeneinander abzuwägen und damit regional eine langfristige, nachhaltige Entwicklung zu unterstützen. Zusammen mit den Kommunen wollen wir diesen Ansatz jetzt durch noch mehr fachübergreifende Kooperationen und Planungen forcieren: Stadt- und Freiraumentwicklung, Klimaanpassung, Biodiversität, Straßenbau und Mobilität sollen konsequent mit wasserbezogenen Planungen wie beispielsweise Gewässerumbauten oder naturnaher Regenwasserbewirtschaftung verbunden werden.

Modellprojekt Stadt Herten

Grün durch Blau – integrale Wasserwirtschaft als Motor der Stadt- und Freiraumentwicklung in Herten

Wie Wasserwirtschaft und Stadtentwicklung erfolgreich Hand in Hand gehen können, das zeigt unser zusammen mit der Stadt Herten entwickeltes Modellprojekt „Grün durch Blau – integrale Wasserwirtschaft als Motor der Stadt- und Freiraumentwicklung in Herten“. Als erste teilräumliche Fortschreibung des Masterplans motiviert es, das Leitbild der wassersensiblen Stadtentwicklung auch in Kooperation mit den anderen Städten umzusetzen. Konkretes Ziel des Projekts: Stadt- und freiraumplanerische Handlungsfelder sollen systematisch mit der Regenwasserbewirtschaftung und Gewässerentwicklung verknüpft werden – so lassen sich Synergieeffekte bei den zu realisierenden Maßnahmen generieren. Um diese Synergien herausarbeiten und bewerten zu können, haben wir das GIS-gestützte Kooperationsmodul „ZUGABE“ (ZUkunftschancen GAnzheitlich BEtrachten) erarbeitet. Das praxisorientierte Planungswerkzeug unterstützt den Dialog zwischen den Fachgebieten und ermöglicht es, für jeden Ort im Stadtgebiet aufzuzeigen, wo die bereitgestellten GIS-Daten auf potenzielle Synergien hindeuten. Für vier ausgewählte „Aufmerksamkeitsräume“ in Herten wurden modellartig integrierte Entwicklungsszenarien entwickelt, die exemplarisch die Potenziale einer guten Vernetzung wasserwirtschaftlicher Aktivitäten mit denen anderer Fachgebiete aufzeigen.

Für viele Städte interessant: das Planungswerkzeug ZUGABE

Die Emschergenossenschaft bietet das Kooperationsmodul ZUGABE auch anderen Kommunen für ihre Projektarbeit an. Das Planungstool qualifiziert den Nutzen von Abkopplungsprojekten und dient somit der Realisierung der Zukunftsvereinbarung Regenwasser. Aber auch für klassische Planungsaufgaben wie beispielsweise die Bauleitplanung ist der Einsatz ideal. Auf Basis der uns vorliegenden Daten begleiten und unterstützen wir gerne den weiteren Aufbau und die Anwendung im Alltagsgeschäft.