Hochwasserschutz an Europas höchsten Flussdeichen
Lippeverband nimmt gesetzlich vorgeschriebene Gehölzarbeiten vor, um die Sicherheit der Anlagen dauerhaft zu gewährleisten
Hamm. Zur Gewährleistung der Deichsicherheit für den Hochwasserschutz wird der Lippeverband in der nächsten Zeit die Ufergehölze am nördlichen Lippe-Deich zwischen der Radbodstraße und dem Gersteinwerk fällen. Die gesetzlich vorgeschriebene Maßnahme, zu der der öffentlich-rechtliche Wasserwirtschaftsverband verpflichtet ist, wird zirka fünf Wochen dauern. Der Lippeverband investiert rund 60.000 Euro in die Arbeiten zur Sicherstellung der Hochwassersicherheit und bittet um Verständnis bei etwaigen Beeinträchtigungen auf dem Fuß- und Radweg. Besonders interessant: Die Anlagen in Hamm zählen zu den höchsten Flussdeichen Europas!
Zum Hintergrund: In den Jahren 1911/1912 wurde die Lippe im Gebiet der Stadt Hamm im Zusammenhang mit dem Bau des Datteln-Hamm-Kanals verlegt und begradigt. Westlich dieser Ausbaustrecke durchfloss sie in vielen Windungen die Niederung zwischen Hamm und Stockum. Auf dieser Strecke fließen der Lippe von Norden die Geinegge, der Eversbach und der Lausbach und von Süden der Vorheider Bach und der Herringer Bach zu. In der Folgezeit kam es im Bereich der Zeche Radbod durch Bergsenkungen zu Abfluss-Störungen und Hochwassergefährdungen. Zur Behebung dieser Schwierigkeiten wurde in den Jahren 1937/1947 die Lippe von der Radbodstraße bis auf Höhe der heutigen Kläranlage Hamm-West nach Süden an den Datteln-Hamm-Kanal verlegt und eingedeicht.
Zur Entwässerung der entstandenen Poldergebiete wurden die Pumpwerke Hamm-Geinegge und Hamm-Eversbach gebaut. Später kam es auch westlich dieser Strecke zu bergbaulichen Einwirkungen, und die Lippe wurde ab Höhe der Kläranlage bis Höhe Gersteinwerk auch hier nach Süden an den Datteln-Hamm-Kanal verlegt und eingedeicht. 1975 wurden die Deiche aufgrund weiterer bergbaulicher Einwirkungen aufgestockt. Die Bauwerke wurden soweit erhöht, dass sie nach Eintritt der zu erwartenden Senkungen noch einen Meter Freibord aufweisen. Mit nunmehr 17 Metern Höhe gehören sie zu den höchsten Flussdeichen Europas!
100 Jahre Lippeverband
Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde seinerzeit Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum unterhalb Lippborg bis zum Rhein bei Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zum 100-jährigen Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger auf jubilaeum.eglv.de.