Platz für Regen, Molch und Frosch: Neues Rückhaltebecken in Hamm-Pedinghausen
Lippeverband baut ab 2. November alten Feuerlöschteich zum Regenrückhaltebecken um
Hamm. Der Lippeverband baut ab dem kommenden Montag, 2. November, ein neues Regenrückhaltebecken an der Goldbrinkstraße. Die Arbeiten dienen der Entlastung des Kanalsystems sowie dem Schutz vor Überflutungen bei Starkregenereignissen im Stadtteil. Gleichzeitig gestaltet der Wasserwirtschaftsverband das Becken naturnah, um die Flora und Fauna im Wohngebiet zu stärken. Im Zuge der Bauarbeiten kann es vereinzelt zu temporären Einschränkungen im Straßenverkehr auf der Goldbrinkstraße kommen. Für etwaige Beeinträchtigungen bittet der Lippeverband um Verständnis.
Für den Bau des Regenrückhaltebeckens müssen zunächst knapp 400 Kubikmeter Schlamm aus dem alten Teich entfernt werden. Danach modelliert der Lippeverband mit rund 300 Kubikmeter Boden die Teichsohle. Das schafft neue Tiefen- und Flachwasserzonen sowie Wechselzonen, die nur bei Starkregen geflutet werden. Zukünftig können im neuen Regenrückhaltebecken im Normalbetrieb mehr als 100.000 Liter Regenwasser zwischengespeichert werden.
Die neuen Teichzonen unterstützen zudem die Vielfalt von Tieren und Pflanzen, die sich in den verschiedenen Lebensräumen wohlfühlen. Anders als bei klassischen Regenrückhaltebecken soll sich zukünftig die Hälfte des Beckens ohne Eingriffe komplett naturnah entwickeln können. Lediglich die nördliche Seite des Rückhaltebeckens zur Goldbrinkstraße wird zur Erhaltung der wasserwirtschaftlichen Funktionsfähigkeit mit Grünpflegearbeiten unterhalten. Der neue Drosselabfluss in den dahinterliegenden Zufluss zur Seseke erfolgt zudem über Gabionen, an denen sich beispielsweise Ringelnattern und Echsen gerne ansiedeln. Damit setzt der Lippeverband auf eine besonders naturnahe Lösung bei der Gestaltung des Regenrückhaltebeckens.
Natur im und am Regenrückhaltebecken
Und das aus gutem Grund: Bereits im Vorhinein wurde im Feuerlöschteich ein hoher Anteil an Amphibien – unter anderem Kammmolche und Frösche – festgestellt. Diese Population soll ebenfalls im neuen Regenrückhaltebecken erhalten bleiben. Zum Schutz von Flora und Fauna wurde der Ausbau auf die Winterzeit verschoben, in der sich Amphibien zum Überwintern aus dem Gewässer zurückziehen. Im Vorhinein wird die Amphibienpopulation kontrolliert und gegebenenfalls in Abstimmung mit der ökologischen Baubegleitung in ein benachbartes Gewässer umgesiedelt.
Die Arbeiten für das Regenrückhaltebecken werden voraussichtlich Ende Februar 2027 abgeschlossen.
Hintergrund:
Der Neubau des Regenrückhaltebeckens schließt an die Maßnahmen zur Ertüchtigung der Kläranlage Pedinghausen und die Erneuerung der Regen- und Schmutzwasserkanäle im Stadtteil an. Im Zuge der Kanalbauarbeiten wurde die Wohnsiedlung 2023 ebenfalls an die Trinkwasserversorgung angeschlossen – zuvor versorgten sich die Hauseigentümer*innen selbst über eigene Trinkwasserbrunnen. Dadurch gab es keinen weiteren Bedarf für den Feuerlöschteich, der zuvor von der Feuerwehr unterhalten wurde. Der Lippeverband hat mit dem Neubau des Regenrückhaltebeckens die Unterhaltung des Teichs übernommen und stärkt mit dem Ausbau Starkregenvorsorge, Artenvielfalt und (durch Verdunstung) das Mikroklima im Wohnviertel. Als letzte Maßnahme werden ab April 2027 rund 200 Meter Schmutzwasserleitungen gebaut und an den bereits bestehenden Kanal angeschlossen. In den Bau des Regenrückhaltebeckens und des Kanalabschnitts investiert der Lippeverband rund 780.000 Euro.
100 Jahre Lippeverband
Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde seinerzeit Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum unterhalb Lippborg bis zum Rhein bei Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger auf jubilaeum.eglv.de.