Acht Millionen Euro für klimaangepassten Gebäude- und Flächenumbau

Land NRW und Emschergenossenschaft fördern Schwammstadt-Projekte in Holzwickede

Holzwickede. Die Lehrerparkplätze am Schulzentrum Opherdicker Straße entsiegeln, damit Regenwasser versickern kann. Die Dächer der Schulgebäude begrünen und Niederschlag in Zisternen sammeln. Das alles sind Maßnahmen nach dem Schwammstadt-Prinzip, die Holzwickede klimarobuster machen werden. Für diese und weitere Bau-Projekte bekommt die Gemeinde rund 8 Millionen Euro Förderung vom Land NRW und von der Emschergenossenschaft. Vorstandsvorsitzender Uli Paetzel hat den Förderbescheid an Bürgermeister Till Knoche übergeben.

Wie ein Schwamm sollte eine Stadt mit ihren Straßen, Plätzen oder Dächern Regenwasser aufnehmen, zwischenspeichern und wieder abgeben können. Der Umbau von Flächen und Gebäuden nach diesem Konzept trägt den Folgen des Klimawandels Rechnung und bedeutet Starkregen- und Hitzevorsorge. Diese naturnahe Regenwasserbewirtschaftung, bei der Niederschlag nicht einfach in die Kanalisation und zur Kläranlage abfließt, hat mehrere positive Wirkungen: Kühlung, Begrünung, Frischluftzufuhr, Stärkung des natürlichen Wasserkreislaufs.

„Die Emscherquellgemeinde Holzwickede ist seit der Gründung der Zukunftsinitiative Klima.Werk Mitglied in dem Netzwerk, in dem wir uns gemeinsam mit Kommunen in der Region für Klimaanpassung einsetzen“, sagte Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, bei der Übergabe des Förderbescheids. „Wir freuen uns sehr, dass Holzwickede so viele Projekte umsetzt und wir eine Förderung in Höhe von 8 Millionen Euro dafür übergeben können.“

Holzwickede kann bei den geplanten Maßnahmen im Gestaltungsraum Mitte von einer Förderung aus dem Programm „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ (KRiS) des NRW-Umweltministeriums profitieren. Den Zuschuss des Landes in Höhe von 60 Prozent der Kosten stockt die Emschergenossenschaft auf 100 Prozent für die Kommune auf.

Mehr Aufenthaltsqualität schaffen
„Die finanzielle Förderung ist willkommen, damit wir unsere Maßnahmen zum Schwammstadt-Umbau realisieren können“, sagte Bürgermeister Till Knoche. „Wie in vielen Ruhrgebietsstädten ist auch das Zentrum von Holzwickede stark versiegelt. Das fällt vor allem im Sommer auf, wenn es warm wird und sich die Hitze staut. Durch das Förderprogramm werden wir gemeinsam handlungsfähig. Maßnahmen wie Dachbegrünung, Entsiegelung von Flächen und zusätzliche Begrünung schaffen mehr Aufenthaltsqualität und Klimaresilienz.“

Im KRiS-Gestaltungsraum Holzwickede Mitte sollen Flächen entsiegelt sowie Dachflächen und Grundstücke abgekoppelt werden. Abkopplung bedeutet: Die Entwässerung des Niederschlags, der auf diese Flächen trifft, erfolgt nicht über Regenfallrohre oder Gullys in die Kanalisation. Vielmehr kann das Regenwasser in Mulden und Rigolen (unterirdischen Speichern) versickern, wird in Dachbegrünungen gespeichert oder in Zisternen aufgefangen, um es zur Bewässerung von Grün zu nutzen.

Schulzentrum eines der größten Projekte
Eines der größten kommunalen Bauprojekte im Gestaltungsraum sind die Maßnahmen am Schulzentrum (Opherdicker Straße). Rund 14.000 Quadratmeter Fläche werden hier von der Kanalisation abgekoppelt. Dafür wird zum Beispiel der Lehrerparkplatz nördlich der Josef-Reding-Schule entsiegelt, so dass hier Regenwasser versickern kann. Dachbegrünungen, die unter anderem Niederschlag speichern und weitere Vorteile für Klimaanpassung haben, werden (wo möglich) an der Josef-Reding-Schule, bei Schwimm- und Sporthalle, beim Laubengang des Clara-Schumann-Gymnasiums, bei der Glasbibliothek, beim Gebäude zwischen Sportplatz und Schotterparkplatz und bei den Fahrradunterständen umgesetzt. Zusätzlich werden die Fassaden einiger Gebäudeteile des Schulzentrums begrünt sowie Anlagen zur Mulden-Rigolen-Versickerung gebaut. Nach aktueller Planung ist der Baustart der Schwammstadt-Maßnahmen für Juli 2027 vorgesehen.

Förderung auch für private Umbau-Maßnahmen
Zusätzlich zu den Schwammstadt-Projekten, die die Gemeinde umsetzt, können auch private und gewerbliche Eigentümerinnen und Eigentümer von Flächen innerhalb des Gestaltungsraums Mitte eine 90-prozentige Förderung für Dachbegrünung, Muldenbau, Fassadenbegrünung etc. erhalten. Informationen zu Fördervoraussetzungen und dazu, welche Maßnahmen bezuschusst werden, finden Interessierte hier: KRiS-Förderung: Gestaltungsraum als Fördervoraussetzung

Wer eine Immobilie oder Flächen außerhalb des Gestaltungsraums hat, kann über ein anderes Programm der Emschergenossenschaft eine Förderung für Umbauten nach dem Schwammstadt-Prinzip bekommen. Informationen dazu auf Fördergeld für Abkopplung und Starkregen-Resilienz

Die Zukunftsinitiative Klima.Werk
In der Zukunftsinitiative Klima.Werk arbeiten Emschergenossenschaft und Lippeverband gemeinsam mit Städten der Emscher-Lippe-Region an einer wasserbewussten Stadt- und Raumentwicklung, um die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Lebensqualität in den Quartieren zu steigern. Der blau-grüne Umbau startete 2005 mit der Zukunftsvereinbarung Regenwasser (ZVR) von Emschergenossenschaft, Emscher-Kommunen und dem Land NRW und entwickelte sich 2014 zur Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ weiter, jetzt Zukunftsinitiative Klima.Werk.

Unter dem Dach des Klima.Werk wird das Ruhrkonferenz-Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt, an dem sich seit 2020 alle Wasserverbände der Region beteiligen. Die Förderkulisse des Projekts umfasst das Gebiet des Regionalverbandes Ruhr (53 Städte und Gemeinden). In den klimafesten Wandel sollen bis 2030 rund 250 Millionen Euro investiert und in ausgewiesenen Gebieten 25 Prozent der befestigten Flächen abgekoppelt und die Verdunstungsrate um 10 Prozentpunkte gesteigert werden. Die Serviceorganisation der Zukunftsinitiative bei Emschergenossenschaft und Lippeverband setzt mit den Städten die Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung um. Weitere Informationen (auch zur Förderung von Projekten) auf www.klima-werk.de.

Emschergenossenschaft
Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de