Sechs Millionen Euro für klimaangepassten Straßenumbau und ein grünes Rathaus-Dach
Land NRW und Emschergenossenschaft fördern Schwammstadt-Projekte in Bochum
Bochum. Bochum macht einen weiteren großen Schritt Richtung klimarobuste Stadt: Der zweite Abschnitt der Castroper Straße wird ab Frühjahr 2027 nach dem Schwammstadt-Prinzip umgestaltet. Das gilt auch für die Straße An der Papenburg in Wattenscheid. Außerdem wird das Dach des Rathauses in Wattenscheid begrünt. Rund 6 Millionen Euro Förderung bekommt die Stadt dafür vom Land NRW und von der Emschergenossenschaft. Vorstandsvorsitzender Uli Paetzel hat den Förderbescheid an Oberbürgermeister Jörg Lukat übergeben.
Wie ein Schwamm sollte eine Stadt mit ihren Straßen, Plätzen oder Dächern Regenwasser aufnehmen, zwischenspeichern und wieder abgeben können. Der Umbau von Flächen nach diesem Konzept trägt den Folgen des Klimawandels Rechnung und bedeutet Starkregen- und Hitzevorsorge.
„Die Stadt Bochum ist ein engagiertes Mitglied der Zukunftsinitiative Klima.Werk und nimmt eine Vorreiter-Rolle ein“, sagte Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, anlässlich der Übergabe des aktuellen Förderbescheids in Höhe von rund sechs Millionen Euro für Schwammstadt-Projekte in Bochum. „Die Stadt begreift Regenwasser als Ressource und setzt auf innovative Techniken bei der Klimaanpassung, zum Beispiel bei Baumrigolen“, so Uli Paetzel weiter.
Bochum kann bei den Maßnahmen an der Castroper Straße und in Wattenscheid von einer Förderung aus dem Programm „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ des NRW-Umweltministeriums profitieren. Den Zuschuss des Landes in Höhe von 60 Prozent der Kosten stockt die Emschergenossenschaft auf 100 Prozent auf.
„Das ist Geld, das wir für den klimafesten Umbau der städtischen Infrastrukturen dringend benötigen“, sagte Oberbürgermeister Jörg Lukat. „Wir gehen den Weg als Stadt konsequent weiter. Maßnahmen zur Klimaanpassung sind kein ‚nice to have‘, das hat spätestens dieser Hitzesommer gezeigt.“
Rund vier Millionen Euro fließen ab Frühjahr 2027 in den Umbau des zweiten Bau-Abschnitts der Castroper Straße vom Planetarium bis zum Stadion. Das bedeutet, dass das Regenwasser von Straßen-, Park, Gehweg- und Dachflächen nicht mehr zusammen mit Abwasser in die Kanalisation eingeleitet wird, sondern über Mulden-Rigolen-Systeme oder entsiegelte Flächen versickern kann und zurückgehalten wird. Unter Straßenbäumen werden ebenfalls Rigolen (Speicherkästen) verbaut, in denen Niederschlag zwischengespeichert wird, um die Bäume mit Wasser zu versorgen.
Eine solche naturnahe Regenwasserbewirtschaftung wird auf einem großem Teilstück der Straße An der Papenburg in Wattenscheid umgesetzt.
Das bietet unter anderem einen verbesserten Überflutungsschutz bei Starkregen: Wenn der Niederschlag nicht mehr in die Mischwasserkanalisation gelangt, sondern Möglichkeiten zum Versickern hat oder für die Bewässerung der Straßenbäume zurückgehalten wird, sinkt das Risiko einer Überlastung des Kanals und von Rückstau.
Rund zwei Millionen Euro Förderung sind für den Umbau dieser Straße und die Begrünung des Wattenscheider Rathaus-Daches vorgesehen. Die Dachbegrünung dient ebenfalls dem Regenwasser-Rückhalt und sorgt über die Verdunstung der Pflanzen und ihre dämmende Wirkung für mehr Kühlung außen und innen. Die Arbeiten für die Dachbegrünung sollen im Sommer 2028 starten.
Die Zukunftsinitiative Klima.Werk
In der Zukunftsinitiative Klima.Werk arbeiten Emschergenossenschaft und Lippeverband gemeinsam mit Städten der Emscher-Lippe-Region an einer wasserbewussten Stadt- und Raumentwicklung, um die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Lebensqualität in den Quartieren zu steigern. Der blau-grüne Umbau startete 2005 mit der Zukunftsvereinbarung Regenwasser (ZVR) von Emschergenossenschaft, Emscher-Kommunen und dem Land NRW und entwickelte sich 2014 zur Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ weiter, jetzt Zukunftsinitiative Klima.Werk.
Unter dem Dach des Klima.Werk wird das Ruhrkonferenz-Projekt „Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft“ des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt, an dem sich seit 2020 alle Wasserverbände der Region beteiligen. Die Förderkulisse des Projekts umfasst das Gebiet des Regionalverbandes Ruhr (53 Städte und Gemeinden). In den klimafesten Wandel sollen bis 2030 rund 250 Millionen Euro investiert und in ausgewiesenen Gebieten 25 Prozent der befestigten Flächen abgekoppelt und die Verdunstungsrate um 10 Prozentpunkte gesteigert werden. Die Serviceorganisation der Zukunftsinitiative bei Emschergenossenschaft und Lippeverband setzt mit den Städten die Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung um. Weitere Informationen (auch zur Förderung von Projekten) auf www.klima-werk.de.
Emschergenossenschaft
Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de