Borbecker Mühlenbach: Arbeiten für Abwasserfreiheit
Emschergenossenschaft schließt bis November seitliche Kanäle an ihren Hauptsammler an
Essen. Im Zuge des Umbaus des Berne-Systems hat die Emschergenossenschaft im Essener Nordwesten, in den Stadtteilen Bochold und Bergeborbeck, den neuen unterirdischen Abwasserkanal Borbecker Mühlenbach gebaut. Bis Ende des Jahres wird die Emschergenossenschaft nun seitliche Anschlusskanäle im Bereich der Bocholder Straße an ihren Hauptsammler anschließen. Nach und nach wird somit der Borbecker Mühlenbach vollständig vom Abwasser befreit und kann später renaturiert werden. Die Arbeiten der Emschergenossenschaft, die in der kommenden Woche (ab Montag, 6. Juli) beginnen, dauern bis voraussichtlich November.
Im Zuge der Bauarbeiten muss der Geh- und Radweg am Borbecker Mühlenbach zwischen dem Spielplatz Bergmühle und der Bocholder Straße gesperrt werden. Der Verkehr auf der Bocholder Straße wird einspurig an der Baustelle vorbeigeführt. Durch die notwendige Ampelanlage wird es zu Beeinträchtigungen des Verkehrs kommen. Zudem kann eine veränderte Spurenführung im Straßenverkehr zu Einschränkungen beim Abbiegen aus der Erdwegstraße auf die Bocholder Straße führen.
Hintergrund: Der Emscher-Umbau und die Wasserralle
Die anstehenden Arbeiten stehen noch im Zusammenhang mit dem Generationenprojekt Emscher-Umbau, das die Emschergenossenschaft zwischen 1991 und 2021 umgesetzt hat. Dabei wurden im gesamten Emscher-System neue unterirdische Abwasserkanäle verlegt, um die oberirdischen Gewässer von ihrer bisherigen Schmutzwasserfracht zu befreien. Die Flüsse und Bäche wurden infolge der Industrialisierung jahrzehntelang als offene Schmutzwasserläufe verwendet, da aufgrund von bergbaubedingten Bodensenkungen bis Anfang der 1990er-Jahre keine unterirdischen Kanäle gebaut werden konnten.
Ende 2021 erreichte die Emschergenossenschaft die vollständige Abwasserfreiheit in der Emscher und ihren Nebenläufen – mit nur einer Ausnahme: Das Berne-System, zu dem auch der Borbecker Mühlenbach gehört, führt teilweise immer noch Abwasser. Aufgrund der Sichtung eines seltenen Vogels (Wasserralle) hatten sich die Kanalbauarbeiten im Bereich Essen-Frohnhausen um zirka fünf Jahre verzögert. Bevor die Bagger anrollen konnten, musste die Wasserralle erst einmal aufwändig in ein Ersatzhabitat umgesiedelt werden.
Emschergenossenschaft
Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de