Die Seseke poetisch erleben
Marion Poschmann konzipiert anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Lippeverbandes einen Lyrikpfad entlang der Seseke in Bönen
Bönen. In diesem Jahr feiert der Lippeverband sein 100-jähriges Bestehen. Im Rahmen der Feierlichkeiten ist entlang der Seseke ein neues Kunstwerk entstanden: Die Schriftstellerin Marion Poschmann realisierte auf Einladung des Lippeverbandes unter der Kuration von Dr. Agnes Sawer das Gedichtprojekt „Flussfragmente“, das als Lyrikpfad angelegt ist. Entstanden sind Oden, die sich mit der Vergangenheit und Gegenwart der Seseke-Landschaft auseinandersetzen. Bei der Ode handelt es sich um eine antike Form, die im 18. Jahrhundert Eingang in die deutsche Dichtung fand. Ursprünglich war sie erhabenen Themen gewidmet. In „Flussfragmente“ wird sie herangezogen, um die ambivalenten Züge der Seseke-Landschaft anschaulich zu machen. Ein Teil der Gedichte wurde in handschriftlicher Form auf Tafeln graviert, die die Strömung der Seseke zwischen Schwarzer Weg und Kleystraße begleiten. Zusammen mit eigens von Marion Poschmann für das Projekt angefertigten Zeichnungen wird der gesamte Text im Sommer im Verbrecher Verlag erscheinen.
Marion Poschmann, deren Romane und Gedichtbände mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt wurden, u.a. mit dem Deutschen Preis für Nature Writing (2017), dem WORTMELDUNGEN-Literaturpreis (2021) und dem Joseph-Breitbach-Preis (2023), widmet sich in „Flussfragmente“ einem Thema, das für ihre Arbeit zentral ist: die komplexe Beziehung zwischen Mensch und Natur, von der die Seseke sichtlich geprägt ist. Während und nach der Industrialisierung als offener, begradigter Schmutzwasserlauf genutzt, durchzieht die Seseke nach ihrer naturnahen Umgestaltung die Region wieder als sauberes und lebendiges Gewässer. Dieser Wandel wird in „Flussfragmente“ reflektiert und mit einem Nachdenken über das Wasser und über das Hervorbringen von Landschaften durch Sprache verbunden.
„Über die Zusammenarbeit mit der renommierten Schriftstellerin Marion Poschmann freuen wir uns sehr. In ihren Gedichten und Romanen vermag sie unser zwischen Zerstörung und Verehrung schwankendes Verhältnis zur Natur in Worte zu fassen und uns zugleich die Schönheit unserer Naturräume vor Augen zu führen“, sagt Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes.
„Der von Marion Poschmann konzipierte Lyrikpfad stellt eine große Bereicherung für die Gemeinde Bönen dar. Er verbindet Natur und Dichtung und ermöglicht, der herrlichen Seseke-Landschaft mit neuer Aufmerksamkeit zu begegnen“, betont Bönens Bürgermeister Nils Böckmann.
„Flussfragmente“ befindet sich an der Seseke zwischen Schwarzer Weg und Kleystraße in Bönen und kann jederzeit besucht werden. Zum Autorinnengespräch mit Marion Poschmann am 9. Mai (um 16 Uhr) im Kulturzentrum Alte Mühle in Bönen (Bahnhofsstr. 235) laden der Lippeverband und das Kulturbüro der Gemeinde Bönen herzlich ein.
100 Jahre Lippeverband
Der Lippeverband wurde vor 100 Jahren – am 19. Januar 1926 – gegründet, um die Folgen der Industrialisierung und des Bergbaus in Einklang mit der Natur, der Gesundheit und der Lebensqualität der Menschen zu bringen. Der Verband konnte ohne größere Zeitverluste seine Aufgaben angehen, da sich die Verbandsorgane entschlossen hatten, die Geschäftsführung mit der bereits 1899 gegründeten Emschergenossenschaft zu vereinigen. Man vermied dadurch den Aufbau einer eigenen Verwaltung. Sitz des neuen Verbandes wurde seinerzeit Dortmund. Dort war die Sesekegenossenschaft ansässig, die bereits 1913 nach Vorbild der Emschergenossenschaft gebildet worden war und nun im Lippeverband aufging. Zuständig war der Lippeverband nicht für das gesamte Lippe-Gebiet ab der Quelle, sondern für den industriell stark geprägten Raum unterhalb Lippborg bis zum Rhein bei Wesel – inklusive der Nebenlaufgebiete. Bis heute lebt der Lippeverband als öffentlich-rechtliche Einrichtung das Genossenschaftsprinzip als Leitidee des eigenen Handelns. Weitere Informationen zum Lippeverband sowie zu Veranstaltungen rund um das 100-jährige Bestehen finden interessierte Bürgerinnen und Bürger auf jubilaeum.eglv.de.