Klimarobuster Umbau: Stadt Essen legt Gestaltungsräume fest

Förderprogramm "Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft" (KRiS) von Land und Emschergenossenschaft. Entscheidung im Rat der Stadt Essen

Essen. Die Stadt Essen hat die Gestaltungsräume Messe-Gruga, Neues Bernetal sowie Katernberg/Zollverein für das Förderprogramm "Klimaresiliente Region mit internationaler Strahlkraft" (KRIS) festgelegt. In diesen Räumen ist eine Abkopplung von 25 Prozent der zuvor an die Kanalisation angeschlossenen Flächen möglich. Damit schafft die Stadt die Voraussetzung, um künftig KRiS-Fördermittel für Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung beantragen zu können. Ziel der Förderung ist es, Städte klimarobust umzubauen.

Um Zugriff auf die KRiS-Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen und der Emschergenossenschaft zu erhalten, muss jede Kommune sogenannte Gestaltungsräume im Stadtgebiet definieren. Innerhalb dieser Gebiete stehen Fördermittel für Klimafolgenanpassungsmaßnahmen zur Verfügung. Insbesondere wird dabei das Schwammstadtprinzip fokussiert, das Regenwasser stärker vor Ort zurückhält und nutzbar macht. Sobald ein Gestaltungsraum offiziell festgelegt ist, kann die Stadt außerdem wasserwirtschaftlich bedeutende Einzelmaßnahmen im gesamten Stadtgebiet fördern lassen. Ohne die Festlegung eines Gestaltungsraums wäre diese Förderung nicht möglich.

Wie läuft die Bewilligung eines Gestaltungsraums ab?

Nach der Festlegung übermittelt die Stadt Essen über die Serviceorganisation der Zukunftsinitiative Klima.Werk bei der Emschergenossenschaft ein Konzept des jeweiligen Gestaltungsraums an den Projektträger Jülich (PtJ) als Bewilligungsbehörde sowie an die Bezirksregierung. Vor der Bewilligung prüfen die zuständigen Stellen, ob eine ordnungsgemäße Entwässerung sichergestellt ist und ob die Leitlinien sowie Mindestanforderungen des Förderprogramms eingehalten werden. Erst danach erfolgt die formale Bewilligung, und konkrete Förderanträge für Maßnahmen können von den Eigentümerinnen und Eigentümern gestellt werden. Die Bewilligung wird für das erste Halbjahr 2026 erwartet.

Wie hat Essen die Machbarkeit der Räume geprüft?

Für die genaue Abgrenzung und den Nachweis der Machbarkeit beauftragte die Stadt im Rahmen einer Förderung die Erstellung einer Konzeptstudie. Die Emschergenossenschaft trat dabei als Auftraggeberin auf. Grundlage waren vier Vorentwürfe möglicher Räume, die die Verwaltung zuvor in einem integralen Prozess entwickelt hatte. Im Rahmen der Untersuchung der Machbarkeit wurde der Prozess in Form von Projektwerkstätten fortgeführt und die Räume optimiert.

Welche Räume wurden untersucht – und was ist das Ergebnis?

Im Rahmen der Untersuchungen wurden vier Räume betrachtet:

  • Messe – Gruga
  • Neues Bernetal
  • Seumannstraße
  • Katernberg und Zollverein

Nach der letzten Projektwerkstatt Anfang September 2025, an der sowohl größere private Eigentümer*innen – unter anderem Essener Wohnungsbaugesellschaften, Universität, Unikliniken als auch relevante städtische Ämter beteiligt waren -, liegt nun der finale Bericht vor. Als Gestaltungsräume wurden Messe-Gruga, Neues Bernetal sowie Katernberg/Zollverein identifiziert und nun vom Rat der Stadt festgelegt. Im Raum Seumannstraße könnten wasserwirtschaftlich relevante Einzelprojekte trotzdem gefördert werden, da bereits drei Gestaltungsräume vorliegen.

Was ist das Ziel des Förderprogramms KRIS?

Das Förderprogramm des NRW-Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr unterstützt Maßnahmen in allen 53 Städten und Gemeinden des Regionalverbandes Ruhr (RVR). Das Land NRW verfolgt dabei das Ziel, bis 2030 rund 25 Prozent der befestigten Flächen in ausgewiesenen Räumen von der Mischwasserkanalisation abzukoppeln und die Verdunstungsrate um zehn Prozentpunkte zu steigern. Gestaltungsräume können grundsätzlich Quartiere mit klimawandelbedingten Defiziten sein, denen mit wasserbezogenen Maßnahmen begegnet werden kann – vor allem dort, wo gebündelte Maßnahmen messbare Effekte erzielen.

Die Zukunftsinitiative Klima.Werk

In der Zukunftsinitiative Klima.Werk arbeiten Emschergenossenschaft und Lippeverband gemeinsam mit Städten der Emscher-​Lippe-Region an einer wasserbewussten Stadt-​ und Raumentwicklung, um die Folgen des Klimawandels abzumildern und die Lebensqualität in den Quartieren zu steigern. Der blau-​grüne Umbau startete 2005 mit der Zukunftsvereinbarung Regenwasser (ZVR) von Emschergenossenschaft, Emscher-​Kommunen und dem Land NRW und entwickelte sich 2014 zur Zukunftsinitiative „Wasser in der Stadt von morgen“ weiter, jetzt Zukunftsinitiative Klima.Werk.

Emschergenossenschaft

Am 14. Dezember 1899 als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet, ist die Emschergenossenschaft heute gemeinsam mit dem 1926 gegründeten Lippeverband Deutschlands größter Betreiber von Kläranlagen und Pumpwerken. Die Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Unternehmens sind die Abwasserentsorgung, der Hochwasserschutz sowie die Klimafolgenanpassung. Ihr bekanntestes Projekt ist der Emscher-Umbau (1992-2021), bei dem die Emschergenossenschaft im Herzen des Ruhrgebietes eine moderne Abwasserinfrastruktur baute. Dafür wurden 436 Kilometer an neuen unterirdischen Abwasserkanälen verlegt und vier Großkläranlagen gebaut. Rund 340 Kilometer an Gewässern werden insgesamt renaturiert. Parallel entstanden in enger Kooperation mit den kommunalen Partnern über 360 Kilometer an Rad- und Fußwegen, die das neue blaugrüne Leben an der Emscher und ihren Nebenläufen erleb- und erfahrbar machen. www.eglv.de