Hochwasserkonferenz: Lippeverband holt Akteure an einen Tisch

Zusammenarbeit intensivieren auch über den Krisenfall hinaus

Lippe-Gebiet. Wie kann die Zusammenarbeit im Hochwasserfall verbessert werden? Welche zusätzlichen Maßnahmen an den Gewässern können sinnvoll sein und welche Möglichkeiten bietet Stadtplanung, um besser mit Starkregen umzugehen? Rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Mitgliedskommunen des Lippeverbandes folgten der Einladung zur Hochwasserkonferenz (18. November) nach Recklinghausen oder nahmen digital teil.

Gemeinsam diskutierten Fachleute aus Kommunalverwaltung, Feuerwehr und Wasserwirtschaft, wie die Zusammenarbeit auch über den Krisenfall hinaus intensiviert werden kann. In der vergangenen Woche hatte bereits der Schwesterverband Emschergenossenschaft in Essen eine Info-Veranstaltung für die Emscher-Kommunen durchgeführt. Als externe Fachleute gaben nun in Recklinghausen Hans-Josef Vogel, Regierungspräsident des Regierungsbezirks Arnsberg, Bodo Klimpel, Landrat des Kreises Recklinghausen und Vorsitzender des Lippeverbandsrates sowie Ansgar Stening von der Berufsfeuerwehr Gelsenkirchen und Sprecher des Arbeitskreises Bevölkerungsschutz im Ruhrgebiet wichtige Impulse für vier Arbeitsrunden, die danach stattfanden.

Zähes Ringen um Schutzanlagen und Flächen
„Die entsetzliche Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern hat uns die Tragweite des Klimawandels schmerzlich vor Augen geführt“, erinnerte Prof. Dr. Uli Paetzel als Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes. Er prognostizierte ein zähes Ringen um den Ausbau von Hochwasserschutzanlagen und den Grunderwerb von notwendigen Flächen an Gewässern und mahnt vor diesem Hintergrund zum entschlossenen Handeln aller Beteiligten. Genehmigungsprozesse müssten zügig abgewickelt werde, damit man schnell in die Umsetzung gehen könnte.

„Wir halten alle gesetzlichen Vorgaben zur Hochwasservorsorge ein und gehen mit dem Schutzniveau zum Teil deutlich über diese Vorgaben hinaus. Aufgrund des Klimawandels und der zunehmenden Intensität der Starkniederschläge reicht das aber zukünftig nicht überall aus. Wir haben erlebt, wie wichtig Retentionsräume an Gewässern sind, da technische Systeme extreme Niederschläge in der Größenordnung von über 200 mm am Tag nicht aufnehmen und abführen können. NRW muss sich daher weiter gegen die Folgen des Klimawandels wappnen und das schnellstmöglich“, appellierte auch Dr. Emanuel Grün, Technischer Vorstand des Lippeverbandes.

Zusammenarbeit in den Krisenstäben funktioniert
Dass die Zusammenarbeit innerhalb der Krisenstäbe gut funktioniert habe, da waren sich die Beteiligten der Arbeitsrunden einig. Optimiert werden könne allerdings der Austausch über Zuständigkeitsbereiche hinweg – denn das Wasser macht nicht an Stadtgrenzen halt. Bei Hochwasserwarnungen müsse verstärkt der gesamte Flusslauf betrachtet werden und nicht die einzelne Kommune.

Folgen des Klimawandels wirken sich auf Krisenmanagement aus
Besonders die veränderte klimatische Lage stellt die handelnden Akteurinnen und Akteure vor neue Herausforderungen. Im Juli war zu beobachten, dass einzelne Starkregezellen so schnell „abregneten“, dass es keine ausreichenden Vorwarnzeiten gab. „Darauf müssen wir uns zukünftig einstellen und mit technischen Lösungen und einer schnelleren Kommunikation darauf reagieren. Zum einen müssen wir neuralgische Deichabschnitte überströmungssicher ausbauen, zum anderen müssen Auswertungen von Wetterprognosen frühzeitig und transparent zur Verfügung gestellt werden“, so Emanuel Grün.

Für NINA-Warn-App werben
„Wir sitzen alle im selben Boot. Nur wenn wir unsere Städte verstärkt nach den Prinzipien der ‘Schwammstadt’ ausbauen, Starkregen- und Hochwasserrisikokarten als Grundlage für Stadtplanung ernst nehmen, für Warnsysteme wie die NINA-App werben und auch weiterhin in technischen Hochwasserschutz investieren, können wir den Schutz der Menschen und Güter in unserer Region langfristig auf sicheren Boden stellen“, fasste Bodo Klimpel zusammen.