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Immer häufiger werden in Oberflächengewässern und Trinkwasser Arzneimittelrückstände nachgewiesen. Der Grund hierfür ist nicht ausschließlich eine wachsende Wasserbelastung durch Arzneien, sondern eine immer leistungsfähigere Analysetechnik. Diese hat dazu geführt, dass heute Stoffe bereits in sehr viel niedrigeren Konzentrationen im Wasser bestimmt werden können als noch vor einigen Jahren.
Im EU-Projekt PILLS (Pharmaceutical Input and Elimination from Local Sources – Eintrag und Beseitigung von Arzneimittelrückständen aus Punktquellen) haben sich Experten aus Deutschland, den Niederlanden, Luxemburg, der Schweiz, Schottland und Frankreich zusammengeschlossen, um das Problem der Wasserbelastung durch Arzneimittelrückstände anzugehen. Als Lead Partner übernimmt die EMSCHERGENOSSENSCHAFT dabei die Leitung des Projekts. PILLS hat ein Budget von 8 Millionen Euro. Die Hälfte davon wird von den Partnern aufgebracht, die andere Hälfte wird im Rahmen des INTERREG IV B-Programms von der Europäischen Union zur Verfügung gestellt. Das Projekt läuft von September 2007 bis Dezember 2011. Darüber hinaus bearbeiten die meisten Partner noch weitergehende, oft durch Eigenmittel finanzierte Begleitprojekte zum Thema.
Arzneimittel werden im Krankheitsfall eingenommen und gelangen auf diese Weise in den Blutkreislauf. Nicht alle Stoffe werden dabei völlig vom Organismus umgewandelt, sondern wieder ausgeschieden. Die in der Humanmedizin eingesetzten Stoffe gelangen in der Regel über die Kanalisation zur zentralen Abwasserreinigung in Kläranlagen. Selbst moderne Kläranlagen auf dem heutigen Stand der Technik sind allerdings nicht in der Lage, sämtliche dieser Stoffe aus dem Wasser zu eliminieren. Gerade Spurenstoffe, die sehr stabil sind, können eine Kläranlage unverändert passieren. Die Konzentrationen der Spurenstoffe, die in Oberflächengewässern oder im Trinkwasser nachgewiesen werden, sind nach heutigem Kenntnisstand für den Menschen unbedenklich. Unklar ist allerdings, welche Wechselwirkungen sich im Gewässer als Lebensraum ergeben und welche Folgen dies für die Artenvielfalt hat.
Zur Reduktion der Gewässereinträge sind verschiedene Maßnahmen notwendig: Schon bei der Produktion der Arzneien sollte auf den vermehrten Einsatz biologisch abbaubarer Wirkstoffe geachtet werden. Auch ein veränderter Umgang mit Arzneimitteln, bei dem verstärkt auf umweltfreundliche Produkte geachtet wird, oder – wenn dies medizinisch unbedenklich ist – weniger Arzneimittel verwendet werden, kann zur Verminderung des Gewässereintrags beitragen. Schließlich können neue Verfahren bei der Abwasserbehandlung zu einer verbesserten Elimination der Rückstände führen.
Die PILLS-Partnerschaft konzentriert sich zunächst auf die Verminderung von Rückständen aus Arzneimitteln der Humanmedizin durch eine optimierte Abwasserbehandlung. Hauptziel von PILLS ist die Erarbeitung wissenschaftlicher und praktischer Lösungen für die Behandlung von Abwasser aus Punktquellen. Parallel sollen ein fachlicher und politischer Austausch sowie eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Thematik erfolgen. Da Maßnahmen an Punktquellen mit hoher Konzentration besondere Effizienz versprechen, steht die Entwicklung lokaler Behandlungsanlagen für Krankenhäuser und Pflegeheime im Zentrum der Aktivitäten.
© Emschergenossenschaft/Lippeverband