Wärme aus Abwasser? Ein Pilotprojekt

Die fossilen Energieträger Öl, Kohle und Gas haben zwei wesentliche Nachteile: sie sind nicht unendlich verfügbar und ihre Verbrennung erzeugt klimaschädliche Emissionen – mit erheblichen Folgeschäden und -kosten. Auf der Suche nach noch nicht ausgeschöpften regenerierbaren Energiequellen rückt mehr und mehr auch erwärmtes Abwasser in den Blickpunkt. Wie und unter welchen Voraussetzungen dies genutzt werden kann, untersuchen wir zusammen mit der Stadtwerke Bochum GmbH am Beispielobjekt Nordwestbad Bochum.

Der Grundgedanke dazu ist einfach: fast überall steht Abwasser in Abwasserkanälen zur Verfügung. Gelingt es, dem erwärmten Abwasser über Wärmetauscher Wärmeenergie zu entziehen, kann diese an anderer Stelle zur Beheizung genutzt werden kann.

Azubis entwickelten die Idee – „Abwasser wärmt Wohnzimmer“

Fünf Schüler der Gesamtschule Essen-Holsterhausen und drei Auszubildende der EMSCHERGENOSSENSCHAFT gewannen 2007 den bundsweiten Schulwettbewerb „Schule macht Zukunft“ der Zeitschrift FOCUS. Das Team untersuchte am konkreten Beispiel einer Wohnsiedlung in Essen, wie gut sich Abwasser als Wärmequelle nutzen lässt. Die Gruppe analysierte Wirtschaftlichkeit, CO2-Einsparung und globale Einsatzchancen.

Von der Idee zur Praxis

Das Nordwestbad in Bochum ist besonders geeignet, die Idee der Wärmerückgewin-nung in die Praxis umzusetzen. Der Abwasserkanal liegt nur etwa 200 Meter von der Heizzentrale des Schwimmbades entfernt. Die Abwassertemperatur liegt auch in den Wintermonaten bei mindestens 12°C. Das reicht für den beabsichtigten Zweck aus. Bei den Planungen zum Neubau eines Mischwasserkanals wurde gleich ein erforderlicher Wärmetauscher mit einer Länge von 120 Metern vorgesehen. Hinzu kommt die nötige Mess- und Regeltechnik.

Die Stadtwerke Bochum GmbH übernehmen in diesem Gemeinschaftsprojekt den Bau und Betrieb der Heizzentrale. Hier wird durch eine von einem Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Strom versorgte Wärmepumpe die Abwärme auf eine Heiztemperatur von 50 – 55 °C angehoben. Auch die erzeugte Wärme des BHKW wird komplett im „Nordwestbad Bochum“ genutzt. Damit wird die Grundlast der Beheizung des Bades und Aufladung der Warmwasserspeicher mit einem Gesamtvolumen von 8.000 Litern gewährleistet. Zwei vorhandene Gasbrennwertkessel decken Bedarfsspitzen ab. Statt für bisher 1.700 werden sie künftig nur noch für 500 Volllaststunden eingesetzt.

Die bisher für Heizzwecke benötigte Gasmenge von 2.952 MWh/a kann durch die Abwärmenutzung auf 1.857 MWh/a reduziert werden. Die CO2-Emissionen verrin-gern sich dadurch um 220 Tonnen pro Jahr (37Prozent).

Das Projekt wird vom Bundesumweltministerium mit rund 240.000 Euro aus dem Umweltinnovationsprogramm gefördert.

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