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21.05.10
An Emscher und Lippe steigt von Jahr zu Jahr die Artenvielfalt wieder an
An Emscher und Lippe. Die Tierarten an Emscher und Lippe werden immer vielfältiger: Neben zahlreichen Fischen und Kleinlebewesen, die vor allem in der Lippe, aber auch in den Nebenläufen von Emscher und Lippe zu finden sind, wurde jetzt erstmals im LIPPEVERBANDS-Gebiet ein Biber-Vorkommen nachgewiesen. In der Lippeaue bei Hamm haben sich nach langer Zeit wieder Störche angesiedelt. Kaum bekannt ist, dass im Emscherbruch an der Stadtgrenze Herten – Herne – Gelsenkirchen die scheue Ringelnatter heimisch ist.
„Es ist sehr erfreulich, dass sich immer neue Tierarten an Lippe, Emscher und ihren Nebenläufen ansiedeln und damit die Natur in unserer Region bereichern“, bewertet Dr. Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender von EMSCHERGENOSSENSCHAFT und LIPPEVERBAND, die Entwicklung: „Die aktuellen Beispiele zeigen, wie positiv sich unsere Investitionen in die ökologische Entwicklung der Gewässer auch auf die Artenvielfalt im neuen Emschertal und in der Lipperegion auswirken“.
Eine echte Überraschung sind die eindeutigen Biber-Spuren, die Fachleute des LIPPEVERBANDES vor einigen Wochen an einem Gewässer im westlichen LIPPEVERBANDS-Gebiet gefunden haben. „Es sind in Bleistift-Form abgenagte Bäume und deutliche, künstlich herbeigeführte Aufstauungen zu beobachten – das vermag kein anderes Tier“, fasst Dr. Mario Sommerhäuser, Hydrobiologe bei EMSCHERGENOSSENSCHAFT und LIPPEVERBAND, die Ergebnisse zusammen. Noch unklar ist die Herkunft des oder der Biber: „Theoretisch möglich wäre es, dass ein Tier von der Bislicher Insel am Niederrhein zu uns eingewandert ist.
Da hatten es die Störche, die in diesem Frühjahr in den Lippeauen östlich von Hamm brüten, leichter: Sie sind einfach geflogen. „Im Rahmen des Life-Projekts Lippeaue, das wir zusammen mit der Stadt Hamm durchführen, wurden künstliche Nisthilfen für die Störche geschaffen und die umliegenden Auenflächen mit umfangreichen Maßnahmen renaturiert. Nach vielen Jahrzehnten der Abwesenheit haben die Störche das Projektgebiet bereits nach kurzer Zeit wieder angenommen“, erläutert Gunnar Jacobs, der auf Seiten des Verbandes das Projekt landschaftspflegerisch begleitet. Beim Life-Projekt kümmert sich der LIPPEVERBAND um die bauliche Umsetzung, Kooperationspartner sind die Stadt Hamm als offizieller Projektträger und der Kreis Warendorf sowie die ABU Soest.
Dabei wurden mehrere Kilometer Lippeufer entfesselt und die dahinter liegenden Auenflächen naturnah entwickelt. Das erfolgreiche Life-Projekt wird jetzt mit dem Programm „Life Plus“ fortgesetzt.
Zuweilen sind die Störche im Flug und bei der Nahrungssuche von dem neu erbauten Beobachtungsturm am Niederwerrieser Weg in Hamm zu beobachten. Naturinteressierte Bürgerinnen und Bürger werden aber dringend gebeten, keinesfalls im Gelände auf die Suche nach Nestern zu gehen. Dadurch würden die Tiere empfindlich gestört.
Ein Beispiel dafür, dass es sogar im industriell geprägten Emschertal Nischen für scheue Tiere gibt, ist die Ringelnatter im Emscherbruch bei Herten, Herne und Gelsenkirchen. Die dortige Schlangenpopulation hat sich als so stabil erwiesen, dass die Stadt Gelsenkirchen jetzt eine Studie über den Bestand und die Verbreitung der Nattern gestartet hat.
Insgesamt hat sich die Anzahl der Gewässerorganismen im Emschergebiet in den letzten 20 Jahren nahezu verdoppelt – auch ein Ergebnis des fortschreitenden Umbaus der ehemaligen Schmutzwasserläufe zu ökologisch wertvollen Gewässern. Fast ein Drittel der nachgewiesenen Wasserinsekten, Muscheln und Schnecken gehört dabei zu den bedrohten Arten, für die hier neuer Lebensraum geschaffen wurde.
Wie empfindlich die erhaltenen oder wieder eingewanderten Tierbestände oft sind, lässt sich am Schicksal des Eisvogels erkennen: Entlang der Lippe seit den 90er Jahren wieder zunehmend verbreitet, musste der schmucke blaue Ufertaucher in den beiden vergangenen Wintern herbe Rückschläge hinnehmen. Vor allem durch zugefrorene Ufer im strengen Winter 2008/ 2009, aber auch im letzten Winter, hat sich die Zahl der heimischen Brutpaare stark dezimiert. Umso wichtiger ist es, dass der LIPPEVERBAND sein Lippeauenprogramm fortsetzen kann, das u. a. die „Entfesselung“ befestigter Ufer und die Schaffung von Steilhängen durch Uferabbrüche vorsieht - ideale Bedingungen, damit der Eisvogel nisten kann.
20100521_Artenvielfalt.pdf (65 Kb)
© Emschergenossenschaft/Lippeverband