Besetzt! – Eintreten dennoch erwünscht

14.07.10

Film-Klo bis Sex-Klo: Emschergenossenschaft und TOI TOI präsentieren Toiletten-Ausstellung auf der Emscher-Insel

Emschertal. Kein Scherz: 20 mobile Toilettenhäuschen (!) stehen im Blickpunkt des Interesses, wenn die EMSCHERGENOSSENSCHAFT und der Hersteller mobiler Sanitäranlagen, TOI TOI, ab dem 23. Juli zur Ausstellung „Besetzt!“ auf die Emscherinsel in Oberhausen einladen. Die kunterbunte Schau auf dem Gelände des Stadtsportbundes Oberhausen an der Lindnerstr. 2 dreht sich bis zum 24. Oktober rund um die Sanitärkultur und um den Weg des (Ab)-Wassers. Die Toilettenhäuschen widmen sich diversen Themen: Klo-Geschichte, Film-Klos, Kunst-Klos, Sex-Klos, Klo-Technik, oder Klo-Papier. Das Eintreten bei „Besetzt“ ist ausdrücklich erwünscht, von der Benutzung jedoch wird abgeraten! Die Ausstellung ist täglich von 9-19Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

„Keramikabteilung“, „gekachelte Nebenräume“, „für kleine Jungs“ – dies sind nur einige der unzähligen Synonyme für jenen Ort, an dem jeder Mensch reichlich Zeit seines Lebens verbringt. Und dennoch spricht niemand gerne darüber. Denn das meist „kleinste Zimmer der Wohnung“ ist ein besonders privater Raum.

„Erst im 19. Jahrhundert wurde in Europa der Ausbau eines Kanalisationsnetzes vorangetrieben, das alle Häuser und Wohnungen verbindet und vom Klo bis in die Kläranlage reicht. In dieser Zeit gründete sich auch die EMSCHERGENOSSENSCHAFT, die seitdem unter anderem den Abfluss und die Reinigung des Abwassers in der Emscherregion sicherstellt“, sagt Dr. Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender der EMSCHERGENOSSENSCHAFT.

Karin Bacher, Leitung Corporate Marketing und PR der Adco Umweltdienste Holding GmbH, unterstreicht: „Wir freuen uns, dass wir mit dieser Ausstellung zur Sanitärkultur die Chance haben, ein Tabu zu brechen. Es gibt kaum ein anderes Thema, das eine so große gesellschaftliche Relevanz hat und über das so wenig in der Öffentlichkeit gesprochen wird.“

Vergangenheit und Gegenwart zeigen, dass der Umgang mit der Toilette und allem, was dazu gehört, historisch gewachsen und oft auch kulturell und individuell geprägt ist. Die Ausstellung mit dem selbsterklärenden Titel „Besetzt!“ möchte dies auf kreative Weise veranschaulichen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der Innenraum der TOI TOI-Häuschen wird dabei als Ausstellungsfläche genutzt. Und soviel sei verraten: Das Öffnen jeder Tür wird zu einem neuen Erlebnis.

Die Klo-Themen:
Von den öffentlichen Latrinen der Römer über die stinkende Stadt im Mittelalter bis zum privaten Badezimmer von heute: Das Geschehen auf der Toilette ist in der modernen Gesellschaft unsichtbar und (fast) geruchlos geworden. Drei Toilettenhäuschen im Rahmen der Ausstellung „Besetzt!“ widmen sich daher der Klo-Geschichte.

Die Welt-Klos zeigen dem Besucher den unterschiedlichen Umgang weltweit mit dem „stillen Örtchen“, denn dieser ist nicht überall identisch: In Indien kennt man kein Klopapier, in chinesischen Dörfern gibt es nach wie vor überwiegend nur öffentliche Latrinen, in Japan versucht eine ausgefeilte Sanitärkultur dagegen, möglichst alle unangenehmen Geräusche oder Gerüche zu überdecken.

Das Film-Klo: Gar nicht mal so selten wird das Klo zum Handlungsort im Film. Zumeist tritt es als das schmutzigste Hinterzimmer der Gesellschaft in Erscheinung, als Ort körperlicher Gewalt (wie in „Desperados“ mit Antonio Banderas und Quentin Tarantino), als Ort des illegalen Drogenkonsums (nur ein Beispiel: „Gridlock’d“ mit Gangsta-Rapper Tupac Shakur und Tim Roth) oder auch als Familien-Konferenz-Zimmer (tatsächlich der Fall in „Friday“ mit Ice Cube).

Es gibt aber auch das Wohn-Klo: die „Wohnbar-Machung“ des eigentlich sterilen Raumes durch flauschige Vorleger, Klorollenüberzüge, Klodeckelbezüge oder Duftsprays – um nur mal einige Beispiele zu erwähnen.

Das Rock-Klo ist ein provokanter Ort, dies spiegelt sich bildlich in dem berühmten Plakat des sich gerade in einer „Sitzung“ befindenden Frank Zappa wider – aber auch in Texten anderer Musiker.

Wieso ein Literatur-Klo? Nun, es gibt in der Literatur dezidierte Beschreibungen von Klo-Szenen, z. B. bei Elfriede Jelinek, Vargas Llosa oder Henry Miller. Andererseits aber gibt es auf öffentlichen Toiletten mit Klosprüchen und Graffitis längst eine „Literatur-Gattung“ der ganz eigenen Art…

Klo-Papier: Ganz ehrlich, ohne können wir es uns gar nicht vorstellen, oder? Doch das war nicht immer so. Ein Film erzählt die Geschichte des Klopapiers.

Arbeitsplatz-Klo: Für manche Frauen und Männer ist die Toilette ihr Arbeitsplatz. Sie sorgen in öffentlichen Klos für Sauberkeit, verbringen viele Stunden in einem manchmal sehr provisorisch, manchmal sehr liebevoll eingerichteten Raum und erleben jede Menge Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen.

Damit man nicht mehr sehen und riechen muss, was im Klo verschwindet, ist eine ausgefeilte und aufwändige Klo-Technik (definitiv eine Wissenschaft für sich) notwendig. Die Schritte der Entwicklung der heute so selbstverständlichen Sanitärtechnik wird die Ausstellung „Besetzt!“ genauso nachvollziehbar machen wie die Klo-Hygiene.

Ein weiteres Toilettenhäuschen widmet sich den Klo-Namen (für weitere Informationen: siehe „Keramikabteilung“).

An welchen Orten gibt es eigentlich welche Klos – und wie sehen die aus? Die Antwort: überall – und abenteuerlich! Man denke nur an die weder stillen noch verdeckten Örtchen in den Straßen von Amsterdam oder an Pariser Urinale, an Klos unter Tage, in Schrebergärten oder Weltraumgärten. Mit Klo-Orten beschäftigen sich bei „Besetzt!“ gleich zwei TOI TOI-Häuschen.

Das Sex-Klo: In der homosexuellen Subkultur diente und dient das Klo auch als Treffpunkt für schnelle und anonyme sexuelle Begegnungen. Der Regisseur Frank Ripploh hat das 1980 in seinem Film „Taxi zum Klo“ komödiantisch thematisiert. Strafrechtlich ist die Umfunktionierung der Toilette zur „Klappe“ in Deutschland übrigens ein Akt des Hausfriedensbruchs!

In der Kunst wird das Klo immer wieder zur Provokation genutzt. Berühmtestes Beispiel ist Marcel Duchamps „Fountain“ (1917), es gibt aber noch viele weitere Arbeiten (unter anderem etwa von Claes Oldenburg, Piero Manzoni, Tom Wesselmann, Max Klinger oder Man Ray), die im Kunst-Klo auf der Emscher-Insel in Oberhausen „museal“ präsentiert werden.

Das Besetzt-Klo: Dieses Häuschen bleibt unbetretbar. Versucht man es zu öffnen, hört man nur in diversen Sprachen: „Besetzt!“

Die Ausstellung:
Die Toilettenausstellung „Besetzt!“ wird am Freitag, 23. Juli, auf der Emscher-Insel in Oberhausen eröffnet. Die Schau kann bis zum 24. Oktober auf dem Gelände des Stadtsportbundes Oberhausen an der Lindnerstr. 2 besichtigt werden. Unter der Leitung von Elisabeth Brinck (Emschergenossenschaft) wurde die Ausstellung kuratiert von Dr. Martina Padberg aus Bonn und Stefan Nies aus Dortmund.

Die Partner:
Die EMSCHERGENOSSENSCHAFT wurde 1899 gegründet. Seit 1992 plant und setzt sie den Emscher-Umbau um, der bis 2020 abgeschlossen sein wird. Über einen Zeitraum von 30 Jahren investiert die öffentlich-rechtliche EMSCHERGENOSSENSCHAFT insgesamt 4,4 Milliarden Euro in die Umgestaltung des Emscher-Systems. Mehr als 210 von insgesamt 400 Kanalkilometern sind bislang verbaut worden, knapp 60 von 350 Kilometern an Gewässerläufen wurden schon ökologisch verbessert.

Die Marke TOI TOI gehört wie auch die Marke DIXI zur Adco Unternehmensgruppe. Mit einem Konzernumsatz von knapp 220 Mio EUR und 57 operativen Gesellschaften ist die Adco Umweltdienste Holding GmbH der weltweit größte Anbieter mobiler anschlussfreier Sanitäreinheiten. Als fortschrittlicher Entsorgungsdienstleister ist das Unternehmen in Europa nahezu überall, sowie in den USA und Südostasien vertreten (180.000 Sanitäreinheiten in 33 Ländern).