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18.12.09
Meilenstein und Jahrhundertereignis:
Fluss kehrt nach rund 150 Jahren an die Oberfläche zurück
Dortmund. Aus dem Hinterhof der Region wird allmählich ihr Vorgarten: Die EMSCHERGENOSSENSCHAFT hat am Freitag erstmals den neuen Lauf der Emscher in Hörde geflutet. Nach rund 150 Jahren fließt der Fluss erstmals wieder oberirdisch.
Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts, lange vor Gründung der EMSCHERGENOSSENSCHAFT im Jahre 1899, wurde die Emscher im Dortmunder Ortsteil Hörde unter die Erde verbannt. Genauer gesagt: unter das Stahlwerksgelände der ehemaligen Dortmunder Hermannshütte, wo zurzeit der Phoenix See entsteht. In bis zu sieben Metern Tiefe transportierte die verrohrte Emscher durch den so genannten Hoesch-Kanal sowohl Abwasser als auch den im Einzugsgebiet anfallenden natürlichen Abfluss aus Grund- und Regenwasser.
„Der Standort Hörde und die Emscher, sie waren eine Art Schicksalsgemeinschaft. Man kann auch sagen, unsere Emscher ist Zeitzeuge und Wegbegleiter der Entwicklung von Hörde“, sagt Dr. Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender der EMSCHERGENOSSENSCHAFT, und fügt hinzu: „Doch die Zeiten der offenen Schmutzwasserläufe sind bald vorbei, und damit sind vielfältige Chancen verbunden. Die Emscher und ihre Nebenläufe können aus ihrem Schattendasein befreit und zu Lebensadern der Region entwickelt werden. In Hörde holen wir heute die Emscher aus ihrem Schattendasein ins Licht zurück.“
Gemeinsam mit NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg und Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau gab Dr. Stemplewski am Freitag das Signal zur Öffnung der Wehranlage am Aussichtspunkt Bellevue: Durch die Schütze und in die Emscher floss das Wasser in das neue Bett, das zum ersten Mal überhaupt Wasser führt. Sauberes Wasser, wohlgemerkt – denn das Abwasser wird in diesem Bereich Dortmunds bereits seit Ende 2007 durch einen unterirdischen Kanal am Südufer des Phoenix Sees abgeführt.
1,3 Kilometer lang verläuft die neue Trasse der Emscher am Nordufer des Phoenix Sees entlang in Richtung Westen, bevor sie zunächst in ein vorläufiges Ersatzgerinne fließt. Die weitere Offenlegung der Emscher bis zum Hoetgerpark ist bis Frühjahr 2011 geplant.
Der Wasserlauf der neuen Emscher wird bei Trockenwetter eine Breite von etwa 3,50 Metern aufweisen. Gleichzeitig wird die Emscheraue auf 15 bis 25 Meter, abschnittsweise bis zu 40 Meter aufgeweitet. Damit wird der Raum für die Ausbildung eines naturnahen Flusslaufes entstehen. Historische Karten der Emscher, geologische Befunde, Untersuchungen zu naturnahen Flussläufen dienten dabei als Vorbild für die Planung der neuen Emscher in Dortmund. Rechnet man das Wegesystem und den Deich zwischen Emscher und See hinzu, so ergibt sich eine rund 50 Meter breite Emschertrasse am nördlichen Seeufer. „Die Menschen werden mit der Flutung des Sees im Oktober 2010 an diesem Standort die Emscher als attraktives Gewässer erleben können“, so Dr. Stemplewski. Weite Abschnitte werden über begleitende Wege für die Bürger erlebbar sein.
Die neue Emscher wird dabei nicht nur die Menschen, sondern auch Tiere und Pflanzen zum Verweilen einladen. Denn auf einer Länge von rund zwei Kilometern wird hinreichend Raum auch für die Ausbildung von Gewässerstrukturen mit einer attraktiven Aue mit Weiden, Erlen und Eschen und der Ansiedlung von zahlreichen Tieren (Käfern, Libellen, Amphibien, Vögeln usw.) geschaffen – eine der vielen neu entstehenden „ökologischen Perlen“ entlang der Emscher als Ost-West-Achse im neuen Emschertal.
Die Kosten für die Offenlegung der Emscher am Phoenix See betragen insgesamt 30 Millionen Euro. In den Bau des 2007 fertig gestellten Abwasserkanals in Hörde wurden 43 Millionen Euro investiert. Vom Land Nordrhein-Westfalen erhielt die EMSCHERGENOSSENSCHAFT für die Offenlegung der Emscher eine Förderung über 6,2 Millionen Euro. „Es handelt sich um einen historisch bedeutenden Meilenstein zur Umgestaltung des Emschersystems. Die Offenlegung der Emscher in diesem Bereich hat für die Entwicklung einer durchgehenden Vernetzung von Grünzügen und Biotopen für die gesamte Umgestaltung des Emscher-Oberlaufes überregionale Bedeutung“, sagt der nordrhein-westfälische Umweltminister Eckhard Uhlenberg.
Der benachbarte Phoenix See dient der Emscher später übrigens als gigantisches Hochwasserrückhaltebecken und schützt die Bevölkerung so vor Überschwemmungen. Der 2010 geflutete See wird bei einer Fläche von 24 Hektar und einer mittleren Tiefe von 2,50 Meter ein Volumen von 600.000 Kubikmeter fassen. Der konstante See-Wasserspiegel kann im Hochwasserfall jedoch sogar noch um einen ganzen Meter angehoben werden, so dass bei Starkregenereignissen die Wassermassen aus der nebenan fließenden Emscher über ein Wehr in den See eingeleitet werden können: Dies sind immerhin 240.000 Kubikmeter Wasser, das Gesamtvolumen des Phoenix Sees würde im extremsten Fall demnach 840.000 Kubikmeter betragen.
20091218_DO_Flutung_Emscher.pdf (50 Kb)
© Emschergenossenschaft/Lippeverband