Folgen des Klimawandels: Hochwasserschutz wird noch wichtiger

17.12.09

LIPPEVERBAND baut Rückhaltebecken

EU fordert von Städten Hochwasserrisikopläne bis 2015

Dortmund. Dem Hochwasserschutz in der Region misst der LIPPEVERBAND vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Auswirkungen des Klimawandels besondere Bedeutung zu. „Die Wetterereignisse in diesem Wasserwirtschaftsjahr zeigen uns, dass wir uns auf punktuellen Starkregen als Folge von Klimaveränderungen einstellen müssen“, erklärte Dr. Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender des LIPPEVERBANDES, auf der heutigen Verbandsversammlung in Dortmund.

In diesem Jahr gab es in Teilen des LIPPEVERBANDS-Gebietes heftige Sturzregen: Am 3. Juli und besonders am 7. Oktober 2009 fiel binnen weniger Stunden mehr Regen als sonst in einem ganzen Monat: Vor allem in Datteln (84 Liter pro Quadratmeter) und Waltrop (72 Liter pro Quadratmeter) wurden heftige Niederschläge gemessen.

Die Folge: Am 7. und 8. Oktober war z.B. der Mühlenbach in Datteln randvoll und zum ersten Mal war das dortige neue Hochwasserrückhaltebecken des LIPPEVERBANDES mit einem Volumen von 65 Millionen Litern komplett eingestaut. Das hat verhindert, dass der Mühlenbach noch höher stieg und über die Ufer trat. Insgesamt betreibt der LIPPEVERBAND 26 Hochwasserrückhaltebecken an der Lippe und an ihren Nebenläufen mit einem Gesamtvolumen von rund 1,5 Mio. Kubikmeter. Einige der Hochwasserrückhaltemaßnahmen befinden sich noch im Bau. Am Kortelbach in Unna wird seit Spätsommer ein Hochwasserrückhaltebecken gebaut, mit einem weiteren Becken an der oberen Seseke in Bönen wird der LIPPEVERBAND im ersten Halbjahr 2010 beginnen. Die Anlagen werden durch die ökologische Verbesserung des Heerener Mühlbaches und der Seseke nötig – zum Schutz der Unterlieger in Kamen-Heeren-Werve und in der Kamener Innenstadt.

Am Pelkumer Bach in Hamm, einem Gewässer im Lippe-Einzugsgebiet, das noch bergbaulichen Einwirkungen unterliegt, wurde zusätzlicher Stauraum durch zwei neue Rückhaltebecken mit 124.000 bzw. 42.000 Kubikmetern geschaffen, diese ergänzen das schon vorhandene, 87.000 Kubikmeter fassende Hochwasserrückhaltebecken.

„Durch die Richtlinie der Europäischen Union über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken gewinnt die Hochwasservorsorge nicht nur für uns, sondern auch für die Mitgliedsstädte zusätzlich an Bedeutung. Hochwasserschutz bekommt eine neue Qualität und Verbindlichkeit“, erklärte Dr. Stemplewski und fügte hinzu: „Die Richtlinie macht dazu konkrete Vorgaben: Bis zum Jahr 2015 haben alle Kommunen sogenannte Hochwasserrisikomanagementpläne aufzustellen. Wir bieten unseren Mitgliedern dabei unsere Unterstützung an. Das macht deshalb Sinn, weil die verschiedenen kommunalen und verbandlichen Maßnahmen ineinander greifen müssen. Zusammen mit den Seseke-Kommunen und dem Land werden wir deshalb exemplarisch für das Sesekegebiet entsprechende Unterlagen, Karten und Pläne bis 2011 erstellen“.

Die Zusammenhänge von Klimawandel und Wasserwirtschaft sind auch Gegenstand von Forschungsprojekten. Mit 12 Partnern aus der Wasserwirtschaft, der Stadt- und Regionalplanung untersucht der LIPPEVERBAND im EU-Projekt „Future Cities“, wie die Lösungsstrategie für die Bewältigung des Klimawandels speziell im städtischen Raum aussehen sollte. Ein Beispielprojekt aus dem Lippegebiet wird die Umgestaltung des Heerener Mühlenbaches in Kamen sein.
Außerdem beteiligen sich LIPPEVERBAND und EMSCHERGENOSSENSCHAFT gemeinsam mit Partnern aus Praxis und Wissenschaft in den kommenden fünf Jahren am Projekt DynAKlim (Dynamische Anpassung regionaler Planungs- und Entwicklungsprozesse in der Emscher-Lippe-Region). Grundlage sind die Aussagen des Landes NRW, dass in den nächsten Jahrzehnten von einer durchschnittlichen Erwärmung von 1,9 Grad Celsius ausgegangen wird. Die jährlichen Gesamtmengen der Niederschläge werden um etwa fünf Prozent zunehmen – Wetterextreme wie Starkniederschläge oder Hitzewellen werden voraussichtlich häufiger auftreten.

„Wir wollen bald mit Handlungsempfehlungen konkret werden; erste Ergebnisse unserer Projekte werden wir deshalb im Herbst des kommenden Jahres präsentieren“, kündigte Dr. Stemplewski an.