Es war eine Sturzflut!

20.01.09

Gutachten zum Hochwasser in Dortmund

Hochwasserschutz geht alle an

 

Dortmund. Heute legte Prof. Uwe Grünewald (Lehrstuhl für Hydrologie und Wasserwirtschaft) von der Technischen Universität Cottbus das gemeinsam von der Stadt Dortmund und der EMSCHERGENOSSENSCHAFT beauftragte Gutachten zur Hochwasser-Katastrophe vor.

Das Gutachten zeigt auf, dass mit der Sturzflut vom 26. Juli des vergangenen Jahres eine Naturkatastrophe nie da gewesenen Ausmaßes über der Stadt Dortmund niederging.

“Das war eine Sturzflut! Die Regenmassen vom 26. Juli waren ein ‚Extremereignis’ – wie das Gutachten jetzt deutlich herausstellt“, erklärte Dr. Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender der EMSCHERGENOSSENSCHAFT. „Dieser Katastrophenregen überstieg alle bisherigen Erfahrungswerte und Bemessungsgrößen.“

Ein wichtiges Thema des Gutachtens ist der Hochwasserschutz als regionale Gemeinschaftsaufgabe.
„Hochwasserschutz verlangt Zusammenarbeit und geht alle an. Im Neuen Emschertal müssen Kommunen, Behörden, Bürger und die EMSCHERGENOSSENSCHAFT gemeinsam verantwortungsvoll mit dem Wasser und seinen Gefahren umgehen“, nennt Stemplewski eine wichtige Erkenntnis aus dem jetzt vorgelegten Gutachten.

Weiter bescheinigt das Gutachten der EMSCHERGENOSSENSCHAFT, dass die technischen Einrichtungen „voll funktionsfähig“ waren – bis die Naturkatastrophe auch diese Anlagen erreichte. Das Gutachten zeigt damit die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen von wasserwirtschaftlichen, technischen Anlagen. Eine Naturkatastrophe wie die Menschen sie im Juli 2008 erleben mussten, ist laut Gutachten technisch nicht beherrschbar.

„Die erforderliche Hochwasservorsorge beinhaltet auch, dass für die Gefahren des Hochwassers – hier bei uns – ein Bewusstsein bei allen Beteiligten besteht und Vorsorge gemeinsam betrieben wird. Dies gilt umso mehr, weil wir in einer Region leben, deren Topographie in fast 40% des Emscher-Gebietes als Folge des Bergbaus dauerhaft verändert ist.

Das Gutachten bestätigt unser kontinuierliches Engagement rund um den Hochwasserschutz und daher werden wir unsere Bemühungen fortführen und intensivieren. Grundlage dafür ist unser Hochwasseraktionsplan von 2004.

Wir wollen zukünftig weiter Hochwasser-Übungen mit den Emscher-Städten abhalten und unsere Planungen zum Hochwasser-Schutz im Rahmen des Emscher-Umbaus fortschreiben.
Außerdem wollen wir im Mai diesen Jahres eine Konferenz zum Thema Hochwasserschutz mit allen Emscher-Städten, Behördenvertretern und externen Fachleuten veranstalten“, erläuterte Dr. Stemplewski die Maßnahmen der EMSCHERGENOSSENSCHAFT.

„Natürlich werden wir unsere Aktivitäten im Rahmen der emscherweiten ‚Zukunftsvereinbarung Regenwasser’ fortsetzen, wie es der Gutachter empfiehlt. Dabei geht es um den dezentralen, naturnahen Umgang mit dem Regenwasser, den wir Jahr für Jahr mit mehr als 7 Mio. Euro fördern“, so Stemplewski weiter.

Dorstfeld, Marten und Schönau
Im Zuge des Emscher-Umbaus wird die wasserwirtschaftliche Situation sowohl in Dorstfeld, als auch in Marten und Schönau verbessert. Die gutachterlichen Empfehlungen
decken sich mit den Planungen im Rahmen des Emscher-Umbaus.

HINTERGRUND
Gutachter und Auftraggeber
Nachdem am 26. Juli des vergangenen Jahres über Teilen des Dortmunder Stadtgebietes eine Sturzflut niederging, die besonders die Stadtteile Marten, Dorstfeld und Schönau überschwemmt hatte, waren EMSCHERGENOSSENSCHAFT und Stadt Dortmund übereingekommen, ein unabhängiges Gutachten in Auftrag zu geben. Auslöser waren Vorwürfe seitens der Bevölkerung hinsichtlich der Funktionsfähigkeit der technischen Anlagen.  

„Gutachten zu Entstehung und Verlauf des Hochwasserereignisses am 26.07.2008 einschließlich der Untersuchung der Funktionsfähigkeit von wasserwirtschaftlichen Anlagen und Einrichtungen der Stadt, der Emschergenossenschaft und Dritter in den Gebieten Marten, Dorstfeld und Schönau“, lautet der vollständige Titel des Gutachtens.

Gutachter ist Prof. Dr. rer. nat. habil. Uwe Grünewald vom Lehrstuhl für Hydrologie und Wasserwirtschaft der Fakultät Umweltwissenschaften und Verfahrenstechnik der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus. Unterstützendes Ingenieurbüro ist ARCADIS aus Köln. EMSCHERGENOSSENSCHAFT und Stadt Dortmund sind Auftraggeber.

Ab dem 23.01.2008 steht das Gutachten im Internet zum Download unter www.dortmund.de bereit.

Am kommenden Donnerstag, dem 22.01. um 18.00 Uhr werden Prof. Grünewald und sein Team sowie Mitarbeiter von Stadt und EMSCHERGENOSSENSCHAFT das Gutachten öffentlich vorstellen. Die Veranstaltung findet in der Universität Dortmund, Otto-Hahn-Straße 4, Hörsaal 1 statt.


Sturzflut 26.07.2008

Am Pegel Mengede in Dortmund erreichte die Emscher am 26. Juli 2008 einen Höchststand von 5,16 Meter. „Der enorme Niederschlag im Westen Dortmunds kam zustande, da sich immer wieder neue Gewitterzellen…bildeten“, so das Gutachten. Meteomedia, der Wetterdienst des aus TV und Hörfunk bekannten Meteorologen Jörg Kachelmann, verzeichnete mehr als 200 Liter Niederschlag pro Quadratmeter!

Alle Deiche in der Emscherregion hielten den Wassermassen stand. Innerhalb von wenigen Stunden erreichte die Hochwasserwelle das Emscherklärwerk in Dinslaken und wurde in den Rhein abgeführt.

In Marten leistete das Pumpwerk Oespeler Bach seine Höchstleistung über mehrere Stunden während des Höhepunktes der Sturzflut (ca. 15.30 Uhr bis 18.30 Uhr) von ca. 6.000 l/s. Das Pumpwerk, mit einem Einzugsgebiet von 300 ha, wurde allerdings ebenso wie die umliegenden Häuser schließlich von den großen Wassermassen überflutet. Bis zu 1,50 Meter über Geländeniveau hoch stand das Wasser und drang zuletzt in das Pumpwerk ein. Trotz der Überflutung arbeiteten die Pumpen zunächst weiter, beim Höchststand des Wassers konnte ein Pumpenausfall gegen 19.35 Uhr jedoch nicht verhindert werden: die verbleibenden Pumpen förderten allerdings weiterhin ca. 2.000 l/s. Über 30 Mitarbeiter der Emschergenossenschaft waren direkt während der Sturzflut im Hochwassereinsatz. Innerhalb von 24 Stunden lief das Pumpwerk Oespeler Bach wieder mit der vollständigen Pumpwerksleistung.