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Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die Seseke ein natürlicher Flachlandfluss. Mit Industrialisierung ihres Einzugsgebiets wurde sie jedoch als offener Abwasserkanal „zweckentfremdet“. Diese Entwicklung war aus damaliger Sicht zwingend erforderlich. Mit der Industrialisierung siedelten sich immer mehr Menschen und Betriebe an der Seseke und ihren Nebenläufen an und leiteten ihre Abwässer in den Fluss. Durch Bergsenkungen bildeten sich Mulden, die sich bei Hochwasser füllten und keinen natürlichen Abfluss hatten. Diese stehenden Gewässer faulten und bildeten den Brutherd für gefährliche Krankheiten. Da der Bau unterirdischer Abwasserkanäle wegen der Bergsenkungen nicht in Frage kam, war die offene Abwasserführung in der Seseke die einzige praktikable Lösung. Die Wasserläufe wurden eingetieft und in besonderen Senkungsgebieten eingedeicht. Die Sohle sicherte man gegen das Versickern und zur schnellen Ableitung des Wassers mit Beton und Ziegelpflaster. In den 1980er Jahren nahm die Seseke auf diese Weise das Abwasser von rund 370.000 Einwohnern sowie vielen Gewerbe- und Industriebetrieben aus Dortmund, Unna, Kamen, Bönen, Bergkamen und Lünen auf.
Nach der Nordwanderung des Bergbaus kann der Fluss nun wieder ein Gesicht erhalten, das besser in eine Region passt, die den Strukturwandel von der Schwerindustrie zu einer technologie- und dienstleistungsorientierten Wirtschaft vollzieht. Die bisher direkt in die Seseke und ihre Nebenbäche eingeleiteten Abwässer verschwinden nach und nach in unterirdischen Kanälen, die parallel zu den Gewässern verlegt werden. Neue Kläranlagen sind bereits gebaut worden, die vorhandene wurde ausgebaut. In den vom Schmutzwasser befreiten Gewässern fließt dann nur noch „Reinwasser“: Quellwasser, Regenwasser und gereinigtes Abwasser. Die Sohlenbefestigung aus Beton wird entfernt, Böschungen erhalten unterschiedliche Neigungen mit Flach- und Steilufern. Wo freies Gelände vorhanden ist, suchen sich die Gewässer an Stelle des derzeit schnurgeraden Ausbaus wieder einen geschwungenen Lauf. Zahlreiche Bäche sind zum Teil schon ökologisch aufgewertet worden, weitere Gewässerabschnitte und die Seseke folgen.
Der Umbau kommt der Natur zugute, aber auch den Menschen und den Kommunen, denn die neuen Gewässer schaffen einen Zugewinn an Lebensqualität und eine höhere Attraktivität als Wirtschaftsstandort. Entlang der Gewässer wird ein zusammenhängendes Wegenetz entstehen, ein grünes, verbindendes Band zwischen und in den Städten. Den Kommunen eröffnen sich neue Perspektiven für die Stadtplanung, zum Beispiel für das Wohnen und Arbeiten am Wasser. So entstehen neue Lebensräume an Stellen, die früher zu den Schattenseiten der Städte zählten.
© Emschergenossenschaft/Lippeverband