Umgang mit Regenwasser

In den dicht besiedelten Wohn- und Gewerbegebieten der Region hat das Regenwasser kaum eine Chance, natürlich zu versickern. Der Boden ist so bebaut, dass er größere Niederschlagsmengen nicht mehr aufnehmen kann. Meist wird das Regenwasser in die Kanalisation geleitet und anschließend gemeinsam mit dem Schmutzwasser zur Kläranlage transportiert. Diese Vorgehensweise hat eine ganze Reihe von kostspieligen Nachteilen. So müssen beispielsweise Abwasserkanäle deutlich größer ausgelegt werden, damit die Abflüsse auch bei Starkregen sicher bewältigt werden, vergleichsweise sauberes Regenwasser muss durch die Mischung mit Abwasser aufwändig geklärt werden. Darüber hinaus fehlt das entsorgte Regenwasser bei der Neubildung von Grundwasser und der Versorgung von Gewässern mit Oberflächenwasser.

Der andere Weg: dort, wo es nicht möglich ist, versiegelte Flächen wieder zu entsiegeln, wird Wasser von versiegelten Flächen gesammelt und nicht der Kanalisation zugeführt, sondern vor Ort in den Boden abgeleitet. Der Niederschlag kann dort natürlich versickern. Das kostbare Regenwasser von der Abwasserableitung abzukoppeln und schon an Ort und Stelle anderen Wegen (Versickern, Nutzen oder gedrosselt in Gewässer einleiten) zuzuführen, bringt dreifachen Nutzen.

Versickert das Regenwasser vor Ort, unterstützt dies die Neubildung von Grundwasser. Wird es dem nächsten Oberflächengewässer zugeleitet, trägt es zu einer insgesamt ausgeglichenen Wasserführung bei. Beides stärkt den natürlichen Wasserhaushalt mit seinen vielfältigen ökologischen Funktionen.

Der Starkregenindex

Starkregenereignisse treten seit einigen Jahren immer häufiger und in immer kürzeren Abständen auf. Die genaue Einordnung sogenannter „Jahrhundertregen“ fällt einem Laien eher schwer – vor allem dann, wenn eine solche „Jahrhundertkatastrophe“ gleich mehrfach binnen weniger Wochen eintritt. Statistische Wiederkehrintervalle wie „50-jährlicher Regen“ oder „größer als 100-jährliches Ereignis“ sind für die breite Öffentlichkeit oftmals nur schwer verständlich. EMSCHERGENOSSENSCHAFT und LIPPEVERBAND haben daher einen neuen Starkregenindex entwickelt. In der Zukunft soll dieser in den Einzugsgebieten von Emscher und Lippe bei heftigen lokalen Starkregen genutzt werden, die grundsätzlich seltener als einmal in 100 Jahren auftreten, um die Bedeutung eines Ereignisses mit einer einfachen Skalierung von 1 (moderat) bis 12 (extrem) sowie in einer farblichen Darstellung (grün bis violett) zu erläutern.

Hiernach wird ein Starkregenindex der Bewertungsskala „moderat“ im Wertebereich zwischen 1 und 3 (grün bis hellgelb), „stark“ im Wertebereich zwischen 4 und 6 (gelb bis hellorange), „heftig“ im Wertebereich zwischen 7 und 9 (orange bis hellrot) und „extrem“ im Wertebereich zwischen 10 und 12 (dunkelrot bis violett) eingeordnet. Wichtig zu beachten ist, dass dieser Index tatsächlich nur noch einmal die Regenereignisse klassifiziert, die seltener als einmal in 100 Jahren auftreten. Das heißt: Selbst bei einem nach der neuen Skala „moderaten“ Regen, der sich farblich „im grünen Bereich“ bewegt, handelt es sich bereits um einen außergewöhnlichen Starkregen!

Mit dem neuen Starkregenindex lassen sich auch vergangene lokale Starkregenereignisse neu einordnen. Der höchste Starkregenindex seit dem Jahr 2000 resultiert etwa in der Stadt Dortmund vom 26. Juli 2008 mit 114 mm. Das entspricht selbst nach der neuen dezidierten Aufteilung einem „extremen“ Ereignis (Index größer als 12). Zum Vergleich: Der höchste seit 2000 in Duisburg gemessene Starkregenindex liegt nur bei 4 (stark) und resultiert vom 18. Juli 2004 (36,5 mm).

Der neue Starkregenindex wurde auf der Grundlage eines internationalen, mathematisch belegten Ansatzes aus den USA weiterentwickelt und hierzulande eingeführt.