Die Körne – Beispiel einer ökologischen Gewässerentwicklung im Bereich der Lippe

Die Körne ist großer Niederungsbach im östlichen Ruhrgebiet und mündet in die Seseke, die wiederum ein Nebengewässer der Lippe ist. Bis ins 19. Jahrhundert war die Körne ein kleines, wenig beachtetes Gewässer in einer wenig besiedelten Region. Die Landschaft war geprägt durch Weiden, sumpfige Auen und Bruchwälder. Mit der Industrialisierung und der Entwicklung zum Ballungsraum gegen Ende des 19. Jahrhunderts leiteten zahlreiche Haushalte und Industriebetriebe ihre Abwässer in die Körne. Großflächige Bergsenkungen zerstörten die natürliche Vorflut im Körne- und Seseke-Gebiet. Es kam zu Überschwemmungen. Die Abwässer stauten sich in riesigen Senkungssümpfen. Die Folge: Im ganzen Gebiet verbreiteten sich Seuchen wie Ruhr, Malaria und Typhus.

Im Zuge dieser industriellen Entwicklung wurde die Körne erstmals in den 30er Jahren verlegt, als Schmutzwasserlauf begradigt und verkürzt sowie mit Sohleschalen technisch ausgebaut. Abwasser und Reinwasser wurden nun gemeinsam über die Körne abgeleitet. Die Körne verarmte ökologisch und wurde aufgrund der starken anthropogenen Veränderungen durch Siedlungs-, Verkehrs- und Industrieflächen von ihrem natürlichen Einzugsgebiet abgekoppelt.

Mit der Beendigung der Bergbautätigkeiten in der Seseke-Region wurde der Weg frei für die ökologische Umgestaltung der Körne. Vorab wurden unterirdische Kanäle gebaut, in denen das Abwasser zu den Kläranlagen geleitet wird. 2002 konnte die ökologischen Umgestaltungsmaßnahmen an der Körne über die gesamte Länge von 12,8 Kilometer beginnen. Eines war von Anfang an klar: eine Rückführung in den ehemals natürlichen Zustand war nicht möglich. Doch die Körne hat zwei Voraussetzungen für eine gute ökologische Entwicklung: vorhandene Zuflüsse und ein ländliches Umfeld. Ziel war es, ein strukturreiches Niederungsgewässer herzuleiten und dabei der eigendynamischen Entwicklung viel Raum zu geben. Wo es nötig war, wurden Profilaufweitungen und Laufverlagerungen vorgenommen, in anderen Abschnitten wurde Platz für eine breite Aue geschaffen, die von der Körne in der ihr eigenen Dynamik geformt und ständig umgebildet wird.

Die Gewässerumgestaltung konnte 2005 abgeschlossen werden. Erfahrungen zeigen, dass sich nach circa 10 Jahren Entwicklung ein stabiler Zustand einstellt. Dies wir durch ein intensives Monitoring begleitet und ausgewertet.

Mehr zum Thema

Seseke-Zeitreise – Stationen einer bewegten Flussgeschichte

Die Körne in Kleinen und die Seseke im Großen: Beide Fliessgewässer sind markante Beispiele für ein stark durch den Menschen genutztes und geprägtes Fliessgewässer – ihre sich ändernden Gesichter spiegeln die Geschichte des Raumes wider.
Lassen Sie sich einladen zu einer Flussgeschichte in Bildern!

Lesen Sie mehr

 

Enge Verflechtung von Fluss und Aue – das Projekt Lippeauen
Im Bereich der östlichen Lippeaue vom Kreis Soest über den Kreis Warendorf bis nach Hamm befindet sich ein ökologisch hochgradig schützenswertes Gebiet. Die Lippe und ihre Aue zeichnen sich hier durch ein vielfältiges Lebensraummosaik aus: Mäanderschlingen, strömungsberuhigten Bereichen mit dichten Teichrosenbeständen, Altarmen, Teichen, kleinen Bächen, Röhrichten und Grünland.

Lesen Sie mehr

Mehr zum Thema

Spiel „Auf Fotosafari in der Aue“

Manga Seika, die Expertin unserer interaktiven Spielewelt, macht einen Ausflug in die Aue. Dort möchte sie einige Tiere mit ihrem Fotohandy fotografieren. „Hilf mir, die Tiere, die sich auch unter einem Stein oder im Wasser befinden, zu finden!“

Lesen Sie mehr