Hochwassermanagement bei der EMSCHERGENOSSENSCHAFT

Außerhalb der regulären Arbeitszeiten wird für Situationen, die von normalen Betriebszuständen abweichen, eine Rufbereitschaft eingerichtet. Diese Rufbereitschaft wird für Zeiten von Starkregenvorhersagen um eine Hochwasserbereitschaft erweitert. Hochwassersituationen werden bei der EMSCHERGENOSSENSCHAFT in verschiedene Stufen unterteilt. Mit dem Eintreten einer Hochwassersituation wird der Hochwasserdienst an den entsprechenden Gewässerabschnitten und/oder Anlagen eingerichtet. Das Verhalten (Meldungen, Arbeitsabläufe, Kontrollpunkte usw.) der Mitarbeiter in drohenden oder eingetretenen Hochwassersituationen ist in allgemeinen Verfahrensanweisungen und im Detail in Gewässer- bzw. anlagenspezifischen Arbeitsanweisungen für die Emscher, ihre Nebengewässer und sonstige Anlagen geregelt.

Zusätzlich ist die Betriebsführungszentrale (BFZ) in Bottrop ständig besetzt und koordiniert bei Abweichungen vom Normalbetrieb den Einsatz der normalen Rufbereitschaft.

Strategisches Hochwassermanagement

In einem durch den Vorstand der EMSCHERGENOSSENSCHAFT eingesetzten Lenkungskreis Hochwasser wurde u.a. eine für alle Mitarbeiter der EMSCHERGENOSSENSCHAFT verbindliche Hochwasserschutzstrategie erarbeitet und eingeführt. Mittels des Lenkungskreises Hochwasser sollen zuständigkeitsübergreifend Probleme des Hochwasserschutzes und der Hochwasservorhersage innerhalb der EMSCHERGENOSSENSCHAFT erkannt, diskutiert und ggf. den zuständigen Fachabteilungen zur Erarbeitung von Lösungen übergeben werden. Im Lenkungskreis werden die Ergebnisse der Fachabteilungen mit der Hochwasserschutzstrategie abgeglichen, freigegeben und anschließend durch die Fachabteilungen umgesetzt.

Im Rahmen dieser Tätigkeiten wird u.a. die Hochwasserschutzstrategie in regelmäßigen Abständen geprüft.

Betriebliches Managementsystem (BMS)

Zur Umsetzung von rechtlichen Vorgaben sowie zur Sicherung der Handlungs- und Ergebnisqualität besteht innerhalb der EMSCHERGENOSSENSCHAFT ein hierarchisch strukturiertes System von internen Regelwerken mit verbandsweiter Verbindlichkeit. Dieses gliedert sich wie folgt:

  • Allgemeine Geschäftsanweisungen (AGA) und Unternehmensziele,

  • Spezielle Geschäftsanweisungen (SGA),

  • Verfahrensanweisungen (VA).

In der Hauptabteilung Betrieb werden diese internen Handlungsvorgaben sowie gesetzliche Vorgaben (z.B. SüwVKan, SüwKom) durch das Betriebliche Managementsystem (BMS) konkretisiert. Hierzu hat die Hauptabteilung Betrieb sukzessive ein Regelungssystem zur Qualitätssicherung aufgebaut, dessen Kern die anlagenspezifischen Dienst- und Betriebsanweisungen bilden. Im Rahmen der Vorbereitung auf die Zertifizierung des Anlagenbetriebes von EMSCHERGENOSSENSCHAFT und LIPPEVERBANDES wurde dieses zu einem prozessorientierten Qualitätsmanagementsystem weiterentwickelt. Dieses Betriebliche Managementsystem der EMSCHERGENOSSENSCHAFT setzt sich zusammen aus der SGA Betrieb mit Funktion eines Qualitätsmanagementhandbuches, den Verfahrensanweisungen mit Prozessbeschreibungen sowie einem System aus Arbeitsanweisungen, das sich wie folgt aufbaut:

  • Zentrale Arbeitsanweisungen (ZAA),

  • Anlagenspezifische Musterarbeitsanweisungen (MAA), Anlagenspezifische Arbeitsanweisungen für Kläranlagen, Gewässer, Pumpwerke, Kanäle, Regenwasserbehandlungsanlagen und Werkstätten.

Aus den anlagenspezifischen Musterarbeitsanweisungen werden durch die Leiter der zuständigen Organisationseinheiten für die Mitarbeiter verbindliche anlagenspezifische Dienst- und Betriebsanweisungen aufgestellt und eingeführt. Des Weiteren sind die o.g. Leiter für die laufende Aktualisierung der eingeführten Arbeitsanweisungen verantwortlich.

Das Hochwassermanagement ist in der Verfahrensanweisung „Hochwasser“, den zusätzlichen Arbeitsanweisungen „Führung in Hochwassereinsätzen“, „Verbesserung des technischen Hochwasserschutzes“, „Hochwasserzentrale Essen“ und dem „Systemordner Hochwasser“ verankert. Auf dieser Grundlage wurden die anlagenspezifischen Musterarbeitsanweisungen und anlagenspezifischen Anweisungen zum Hochwassermanagement entwickelt. Diese können bei Bedarf, z. B. bei hochwasserempfindlichen Baustellen, um temporäre Arbeitsanweisungen ergänzt werden, in denen dann besondere Maßnahmen zur Sicherung des Hochwasserschutzes vorgegeben werden.

Die Verfahrensanweisungen, zusätzlichen Arbeitsanweisungen, Musterarbeitsanweisungen und Arbeitsanweisungen werden in einem unternehmensweit verfügbaren digitalen Dokumentenmanagementsystem (DMS) bearbeitet und verwaltet. Dieses System ist auch auf allen Außenanlagen online verfügbar.

Zertifizierung der Arbeitsabläufe gem. DIN EN ISO 9001:2000

Am 30. August 2004 wurden EMSCHERGENOSSENSCHAFT und LIPPEVERBANDvon der ZER-QMS GmbH, Köln, die erfolgreiche Zertifizierung des Anlagenbetriebes nach DIN EN ISO 9001:2000 ausgesprochen.

Mit der Umsetzung der DIN EN ISO 9001:2000 wird die ständige Verbesserung über die prozessorientierte Organisation der Arbeitsabläufe fest in der Hauptabteilung Betrieb verankert.

Gegenstand der Zertifizierung ist das Betriebliche Managementsystem (BMS) sowie die darin integrierten Regelungen zum Hochwassermanagement. Im Rahmen der Zertifizierung wurde u. a. das Dokumentenmanagementsystem (DMS) auf seine DIN-Konformität geprüft, in dem auch das Hochwassermanagement abgebildet ist.

In der DIN EN ISO 9001:2000 verankert ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP), dessen Realisierung in jährlichen Folgezertifizierungen überprüft wird.

Verbesserung des Hochwasserschutzes, der Hochwasserprognose
und der Kommunikation mit Externen

Im Rahmen der kontinuierlichen Verbesserung der Hochwasservorhersage ist u. a. ein weiteres eigenes Regenradar konkret geplant.

Zur Verbesserung der Kommunikation mit den Kommunen, den Kreisen und den kreisfreien Städten im Falle eines drohenden bzw. eingetretenen Großschadensereignisses durch Hochwasser erfolgt als erster Schritt die Stabsübung „Wasserfall“ mit dem Kreis Unna und der Stadt Lünen im April 2005. Die Stabsübung „Wasserfall“ wird unterstützt, begleitet und ausgewertet durch die Akademie für Katastrophenschutz, Notfallmanagement und Zivilschutz (AKNZ) in Bad Neuenahr/Ahrweiler. Die in dieser Stabsübung gewonnenen Erkenntnisse werden in das o.g. Regelwerk aufgenommen und um Erkenntnisse aus ähnlichen, zukünftigen Stabsübungen mit anderen Kommunen, Kreisen oder kreisfreien Städten ergänzt werden. U. U. ist auch eine Stabsrahmenübung denkbar, in der Einsatzkräfte vor Ort tätig werden.