Rhein-Herne-Kanal

Bei der EMSCHERGENOSSENSCHAFT existieren Überlegungen zur Entlastung der Emscher im Hochwasserfall durch Überleitung von Abflussanteilen in den Rhein-Herne-Kanal (EMSCHERGENOSSENSCHAFT, 2003). Eine solche Entlastung ist als Teil eines Maßnahmenbündels zum Hochwasserschutz anzusehen.

Eine Entlastung in den Rhein-Herne-Kanal (RHK) ist hydrografisch lediglich zwischen Oberhausen und der Schleuse Herne-Ost möglich, da hier die Wasserspiegellage im Kanal unter der in der Emscher liegt. Die Scheitelhaltung des RHK und der Dortmund-Ems-Kanal (DEK) liegen zu hoch für eine Überleitung von Wasser aus der Emscher. Über sie kann nur eine Fortleitung von Entlastungswasser erfolgen (mit Pumpen).

Nimmt man an, dass eine Anhebung des Wasserstandes im RHK um 1 m bei einem drohenden Großschadensereignis in der Emscher als noch unschädlich hingenommen werden kann, ergibt sich bei einer Länge von rd. 35 km und einer mittleren Wasserspiegelbreite von 55 m sowie 10 % Zuschlag für Hafenflächen ein nutzbares Speichervolumen von ca. 2.1 Mio. m³. Bei einem Überleiten von 50 m³/s würde dieses Volumen also nur 0,5 Tage reichen.

Eine Fortleitung dieses Wassers von Haltung zu Haltung kann ordnungsmäßig nur über die vorhandenen Freiwasserleitungen an den Schleusen mit einer Kapazität von je 4 m³/s in Richtung Rhein oder durch Einsatz der Pumpwerke von je 25 m³/s zur Scheitelhaltung östlich von Herne erfolgen. Von dort kann das fortgeleitete Wasser über den Wesel-Datteln-Kanal, Lippe, Seseke, Stever sowie Ems weitergeleitet werden.

Bei gleichzeitigem außergewöhnlichem Rheinhochwasser entfällt die Fortleitung über den RHK zum Rhein, weil dann der Wasserstand im Hafen Duisburg höher ist als in der Haltung DU-Meiderich. Dies gilt analog auch für den Weser-Datteln-Kanal in Friedrichsfeld.

Bei länger andauerndem Extremhochwasser in der Emscher könnten demnach über die Kanäle fortgeleitet werden:

  • ohne Rhein-HW: bis zu 4 m³/s + 25 m³/s =29 m³/s
  • bei Rhein-HW: bis zu 25 m³/s

Diese Werte können sich bei gleichzeitigem Lippe- oder/und Ems-Hochwasser reduzieren, weil Lippe und Ems dann möglicherweise selbst keine freie Kapazität mehr haben.

Bei diesem Ansatz wären Schäden an den Kanälen wahrscheinlich vermeidbar, lediglich die Schifffahrt müsste auf Grund geringer Durchfahrtshöhen unter niedrigen Brücken eingestellt werden.

Zur Zeit existiert eine Überleitungsstelle in den RHK in Essen, am Hafen Mathias Stinnes. Das Gelände im Bereich der Überleitungsstelle ist zum größten Teil im Besitz der EMSCHERGENOSSENSCHAFT. Weitere Überleitungsstellen sind z. Z. nicht geplant. Die vorhandene und weitere, evtl. im Zuge des Emscherumbaus als geeignet anzusehende Überleitungsstrecken sind bei Änderungen im hydraulischen System z. B. durch Umbauten an Brücken (Abriss/Neubau/Renovierung) später neu zu definieren.

Zwei noch bestehende Überleitungsstellen - Bereich Hüller Bach und Bottrop - sind z. Z. nicht mehr wirksam bzw. entfallen kurzfristig im Zuge des Emscherumbaus. Die Überleitungsstelle am Hafen Mathias Stinnes wurde als ein Überlastungsbereich beim Extremereignis HWextrem_üs ermittelt.

Die 2D-Strömungssimulationen in den potenziellen Überflutungsgebieten Polder eindringende Wassergenutzt wird.

Der geplante Ausbau des RHK zwischen der Schleuse Gelsenkirchen und Castrop-Rauxel Henrichenburg ist mit dem Umbau der Emscher abzustimmen.