Deiche, Dämme und Mauern mit Hochwasserschutzfunktion

Deiche, Dämme und Mauern mit Hochwasserschutzfunktion sind in den "Übersichtskarten Emscher Gewässerverlauf" dargestellt. Zusätzliche Informationen sind der Tabelle in den Anlagen zu entnehmen. Im Einzugsgebiet der Emscher handelt es sich bei den Schutzanlagen in aller Regel um Deichbauten aus Waschbergematerial.

Die Verwendbarkeit von Waschbergematerial für den Deichbau wird von den Fachleuten unterschiedlich beurteilt. Einerseits ist das Material sehr standfest und hält auch bei Höchsteinstau einer Belastung z. B. durch Baufahrzeuge stand, andererseits dichten sich Risse in Waschberge-Deichen - die z. B. durch Bergsenkungen entstehen können – nicht ab, so dass Lecks entstehen können. Der weitere Einsatz von Waschbergematerial im zukünftigen Deichbau bzw. in der Deichsanierung ist z. Z. noch nicht geklärt.

Die Gesamtlänge der Deiche im Emschergebiet (Emscherhauptlauf und Nebenläufe) beträgt ca. 133 km: am Emscherhauptlauf erstrecken sich Deiche über eine Länge von ca. 75 km (davon 39 km links der Emscher und 36 km rechts der Emscher), an den Nebenläufen beträgt die gesamte Deichlänge ca. 53 km.

Eine Deichstrecke von ca. 4 km Länge entlang des rechten Rheinufers wird ebenfalls von der EMSCHERGENOSSENSCHAFT betreut.

Zielsetzung des Schutzes vor Hochwasser im 19. und 20. Jahrhundert war es, den Abfluss im Gewässer durch Ausbau zu regeln. Wasserstände sollten durch einen möglichst raschen Abfluss minimiert werden. Gewässer wurden begradigt, Profile so ausgebaut, dass Hochwasser im Gewässerbett möglichst schnell abgeführt werden konnte. Wo dies nicht ausreichte, wurde durch Deichbauten der Wasserfluss auf einen möglichst kleinen Teil der natürlichen Überflutungsgebiete reduziert, um die übrigen Flächen intensiv nutzen zu können. Außerdem mussten die durch die Senkungen im Zuge des Bergbaus geschilderten Probleme beseitigt werden.

Die Emscherdeiche sind von der Mündung in den Rhein bis zur Einmündung des Schellenbruchgrabens (Station 32,6) bis zu einer Jährlichkeit HW200 hochwasserfrei ausgebaut. Oberhalb des Schellenbruchgrabens bis Castrop-Rauxel-Ickern (Station 47,5) hat die Emscher z. Z. einen Ausbaugrad von HW50, der aber auf HW100 erhöht werden soll. Oberhalb Castrop-Rauxel-Ickern bis Dortmund-Dorstfeld (Station 58,1) liegt der Ausbaugrad wieder bei HW100. Oberhalb Dorstfeld liegt der Ausbaugrad aufgrund geringerer Abflussfülle der Emscher bei HW50 bis HW20.

Im Bereich Dortmund-Dorstfeld ist der linksseitige Deich, der dem Schutz des Gewerbegebietes Dortmund-Dorstfeld Nord dient, auf HW50 ausgelegt. Bei HW100 wird das Gewerbegebiet überflutet.

Wenn der Ausbaugrad zwischen Schellenbruchgraben und Castrop-Rauxel-Ickern auf HW100 erhöht wird, ergeben sich unter der Annahme, dass sich die Abflussmengen im Zuge des Emscher­umbaus eher verringern werden, Einstaureserven, welche die Hochwassersicherheit für die Unterlieger erhöhen.

Die Unterhaltung und Verbesserung vorhandener Deiche bleibt wichtig, da in den eingedeichten Bereichen aufgrund der Bebauung ein hohes Schadenspotenzial vorhanden ist. In Einzelfällen könnten auch weiterhin Deichneubauten zum Schutz vorhandener Siedlungen erforderlich sein. Dies könnte z. B. zum Schutz der Bebauung im Bereich der Resser Mark – bei Inanspruchnahme als möglicher Notfallpolder – der Fall sein.

Die Emscherdeiche werden bei den Bemessungsereignissen HW100 im Oberlauf bzw. HW200 ab Schellenbruchgraben mit einer Ausnahme (Gewerbegebiet Dortmund-Dorstfeld Nord) nicht überströmt. Sie können aber bei größeren Hochwasserereignissen überströmt werden. Dies ist bei dem hier ermittelten HWextrem in größeren Bereichen besonders im Mittellauf der Emscher der Fall. Dagegen gibt es Bereiche, die auch bei einem extremen Hochwasserereignis noch ein Freibord von mehreren Metern aufweisen (evtl. Bereiche mit nicht eingetretenen Bergsenkungen):

  • Dortmund: Mengede

  • Gelsenkirchen/Herne: Resser Mark, Unser Fritz

  • Oberhausen: Sterkrade, Holten

  • Dinslaken: Barmingholten, Averbruch.

Die Situation der Deiche an der Emscher ist also deutlich unterschiedlich.

Neben der Möglichkeit, dass die Bemessungsgrenzen der Deiche überschritten werden können, gibt es auch bei sehr lang anhaltenden Hochwasserereignissen die Möglichkeit, des Aufweichens und Versagens der Hochwasserschutzdeiche. Diese Situation wird in den Szenarien „Potenzielle Überflutungsgebiete“ in ihren Auswirkungen beschrieben .

Bemessung des Freibords

An der Emscher wird grundsätzlich ein Freibord von 50 cm angesetzt. Diese Konzeption wurde zuletzt 1987, bei der Vorstellung des Freibordmaßes im Rahmen des jährlichen Berichtes der EG zur Deichsicherheit, abgestimmt. Das MURL (jetzt MUNLV), die Bezirksregierungen, die StÄWA (jetzt StUÄ) und das Landesoberbergamt akzeptierten die Freibord­bemessung.

Die für die Anordnung eines Freibordes von 1 m im DVWK-Merkblatt 210 dargelegten Unwägbarkeiten Windstau und Wellenschlag sind an der Emscher nie vorgekommen und Brückenverlegungen durch Bäume scheiden im unbepflanzten Abflussprofil aus. Die Deiche sind erdstatisch für einen Wasserstand bis zur Krone bemessen.

Weitere Betrachtungen zum Freibord werden im Rahmen des Emscherumbaus – unter den dann geänderten hydraulischen Gegebenheiten – notwendig werden.