Bauwerke an der Emscher

Insgesamt wurden an der Emscher 125 Bauwerke (Brücken, Durchlässe) identifiziert, von denen 18 als einstaugefährdet hinsichtlich Hochwasserereignissen unterhalb BHW anzusehen sind. Der Düker unter dem Rhein-Herne-Kanal ist schon bei einem HQ10 einstaugefährdet, er wird aber kurzfristig durch einen Neubau ersetzt. Als eingestaut gelten alle Brücken, deren Unterkonstruktion durch den vorgegebenen Abfluss benetzt wird. Details zu den einstaugefährdeten Bauwerken sind den genannten Hydrotec-Studien zu entnehmen. Die Bauwerke sind in den "Übersichtskarten Emscher Gewässerverlauf" dargestellt. Eine qualitative Einschätzung des Rückstaueinflusses der Brückenbauwerke gibt das Kapitel "Extremereignis ohne Rückstaueinfluss der Brücken".

Bei einem extremen Hochwasserereignis (wie im Kapitel "Bemessungswassermengen einschließlich Extremereignis" ermittelt) sind verschiedene Brückenbauwerke eingestaut. Eingestaute Brücken stellen einerseits eine Gefahr dar, wenn durch die Erhöhung der Wasserspiegellagen im Rückstaubereich der Brücke Deiche überströmt werden. Andererseits können sie durch ihre Retentionswirkung indirekt einen Schutz für die Unterlieger darstellen. Dies ist z. B. der Fall bei der oberhalb des Brückenbauwerks der L644, Recklinghauser Straße, entstehenden Überlastung der Deiche mit Flutung des Polders Herne Nord/Schalke. Diese Situation ist bei Umbauarbeiten an den Brücken zu beachten und mit der Gesamtsituation im Hoch­wasserfall abzustimmen. Jede Brücke ist einzeln bzgl. ihrer Wirkung zu betrachten, da eine Veränderung der Leistungsfähigkeit zu einer Entschärfung eines Rückstaus führt, gleichzeitig aber eine höhere Belastung der Unterliegerstrecke bewirkt.

Daraus entsteht die Forderung, jede Brücke, die umgebaut werden soll/muss, auf ihre Wirkung auf den Abfluss zu überprüfen. Es ist sinnvoll, neue Nutzungen für nicht mehr benötigte Brücken (z. B. stillgelegte Zechenbahnen) den Erfordernissen des Hochwasserschutzes anzupassen.

Da viele Brücken im gleichen Zeitraum erstellt worden sind (nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 60er Jahre) ist davon auszugehen, dass alle diese Brücken in den nächsten Jahrzehnten saniert/umgebaut/erneuert werden müssen. Z. Z. existieren jedoch noch keine detaillierten Planungen zu einzelnen Brücken. Evtl. werden einzelne Brückenhebungen notwendig. Im Bereich der Emschermündung gibt es Untersuchungen zur Situation der Brücken im Falle von zukünftigen Bergsenkungen. Bei Eintreten der Senkungen müssten alle Brücken im Emscherunterlauf überplant werden.

Bezüglich ihrer Auswirkungen auf die Hydraulik und Änderungen in der Hochwassersituation für Unter- und Oberlieger sind mindestens folgende Brücken besonders zu beachten:

  • Brücke Huckarder Straße, Dortmund-Dorstfeld

  • Stillgelegte Zechenbahn bei Pöppinghausen, Castrop-Rauxel/Recklinghausen

  • Brücke L644, Recklinghauser Straße, Herne

Eine vollständige Verlegung des Abflussquerschnittes der Emscher (z. B. durch Brückeneinsturz) könnte in der Theorie vorkommen, wurde aber nicht explizit untersucht. Die Auswirkungen einer solchen Verlegung sind extrem unterschiedlich und hängen von den örtlichen Gegebenheiten ab.