DEFIZITE/EMPFEHLUNGEN

Die folgende Liste von Defiziten ist mit den Empfehlungen gekoppelt, teilweise sind auch Maßnahmenvorschläge vorhanden.

Die Liste muss einer genauen Prüfung hinsichtlich möglicher Verbesserungen im Hochwasserschutz der Emscher unterzogen werden:

Grundlagendaten

  1. Geographisches Informationssystem: Der Aufbau eines geographischen Informationssystems, welches alle hochwasserrelevanten Themen enthält, ist zu empfehlen.
  2. Deiche: Es muss ein Bezug zwischen der Sachdatenbank Deiche und den GIS-Daten hergestellt werden, damit kurzfristig Informationen zu Deichstrecken zur Verfügung gestellt werden können.
  3. Geländemodell: Das Einzugsgebiet wird gewässerbezogen betrachtet. Es fehlt ein flächendeckendes aktuelles hochgenaues DGM (vgl. Abbildung unten: nur in grünen Bereichen ausreichender Punktabstand (2 m)). Speziell in den potenziell gefährdeten Gebieten wäre es hilfreich, ein hochgenaues Geländemodell mit hydraulisch wirksamen Bruchkanten zur Verfügung zu haben. Eine Untersuchung der „Durchlass-Situationen“ (DGM liefert scheinbar hydraulisch wirksame Bruchkante, Situation ist aber wg. Brücke hydraulisch anders zu interpretieren) ist auch dann noch notwendig.

Modelltechnik

  1. Hydraulisches 1D-Gesamtmodell: Die Aufstellung eines Gesamtmodells (d. h. Integration der Emscher oberhalb Dortmund-Deusen) wird empfohlen. Dieses Modell ist z. B. nutzbar für Bordvoll-Nachweise, Nachweise für Umbau-Zustände (Emscher-Masterplan).
  2. Hydraulische Modelle: Die Aufstellung eines hydraulischen 2D-Modells wird empfohlen. Damit könnte die Wellenretention nachgewiesen werden (dies ist im Kontext HQextrem wichtig, wenn kein neues N-A-Modell aufgestellt wird).
  3. N-A-Modellierung: Die (Neu-)Aufstellung des N-A-Modells Emscher wird empfohlen einschließlich der Randbedingungen der Pumpwerke, die das Abflussverhalten des Systems stark beeinflussen (dies ist im Kontext HQextrem wichtig, um den Wellenablauf und die Wellenretention beurteilen zu können). Dies ist auch im Kontext der Arbeiten zum Emscherumbau zu empfehlen (Wirkungsanalysen).
  4. Vorhersage: Einsatz Wetterradar im operativen Hochwasserdienst verbessern.

Bemessungsgrößen, Hochwasserschutzplanung, Hochwasser-Beobachtung

  1. Bemessungsgrößen: Beschaffung von Informationen zum Thema „Abflussverhalten im Gesamteinzugsgebiet“: Es gibt keinen übergeordneten verbindlichen Plan mit Informationen zu den Einleitungen in die Emscher (für den Fall eines extremenHochwassers). Ein solcher Plan sollte auf der Basis des Extremereignisses und entsprechender Modellrechnungen aufgestellt werden. Ein Konzept für eine regelmäßige Prüfung und Fortschreibung eines solchen Planes ist vorzusehen.
  2. Hochwasserschutzplanung: Hochwasserschutzaspekte sind generell beim Emscherumbau zu berücksichtigen. Dies betrifft auch Themen wie z.B. Neufestlegung von Bemessungsgrößen für die umgestalteten Nebenläufe oder die Risikoabschätzung bei (extrem) Hochwasserabflüssen.
  3. Hochwasser-Beobachtung: Ggf. Erweiterung des vorhandenen Pegellattensystems an den kritischen Stellen (z. B. an eintauchenden Brücken), sofern keine Pegellatten vorhanden sind. Bei einem Hochwasser kann dann mit relativ geringem Aufwand der Wasserspiegel abgelesen werden (Latten installieren, einmessen, alle 5-10 Jahre Kontrollmessungen im Zuge allg. Vermessungsarbeiten am Gewässer).

Hochwasserschutzanlagen und Bauwerke am Gewässer

  1. Hochwasserschutzanlage Deich: Die Bemessung der Deiche besonders in den Überlastungsbereichen muss für alle Umbauzustände des Emschersystems ausreichen. Standsicherheitsnachweise sind zu erstellen.
  2. Hochwasserschutzanlage Deich: Die Verstärkung der Deiche in den Überlastungsbereichen in Überlastungsstrecken HQextrem des Emschersystems überdenken.
  3. Bauwerke am Gewässer: Liste der bei Hochwasser eingestauten Brücken aus hydraulischem 1D-Modell verwenden für die Planungen in Zuge des Umbaus des Emschersystems.
  4. Bauwerke am Gewässer:Die Verlegung bzw. Teilverlegung von Bauwerksquerschnitten durch größere Gegenstände (z. B. Bäume) wurde im HWAP Emscher nicht untersucht. Es wird empfohlen, diesen Punkt bei den Planungen zum Emscherumbau zu berücksichtigen.
  5. Hochwasserschutzanlage Pumpwerk: Es gibt keine Dienstanweisungen zur integrierten Pumpensteuerung im Falle eines extremen Hochwassers. Jedes Pumpwerk fördert mit maximaler Leistung (damit das jeweilige Hinterland vor Ort trocken bleibt). Das Zusammenspiel der Pumpwerke im Gesamtgebiet muss beachtet werden.

Sicherheit Gesamtsystem

  1. Produktleitungen: Im Hochwasserfall gibt es z. Z. kein schnell verfügbares Wissen bzgl. der Betroffenheit von Produktleitungen. Dies ist problematisch nicht nur hinsichtlich von Schadstoffeinträgen durch Versagen einer Produktleitung sondern auch hinsichtlich der Zerstörung von Deichen durch z. B. Explosionen von Leitungen. Untersuchungen werden im Rahmen des Masterplanes Emscher durchgeführt.
  2. Rückstau: Die Auswirkungen des Rückstaus von Hochwasser der Emscher in die Nebenläufe sollten im Rahmen der geplanten Risikostudien untersucht werden.
  3. Gefährdung Bergsenkung: Es muss geklärt sein, ob weitere Bergsenkungen die Hochwassergefährdung in bestimmten Bereichen verschärfen. Dies muss bei allen Planungen berücksichtigt werden.
  4. U-Bahnstationen: Die Einlaufmöglichkeiten in die Stationen und Lüftungsschächte und die daraus resultierenden Gefährdungen sollten mit den Betreibern der Verkehrslinien geklärt werden.
  5. Besonders gefährdete/gefährdende Objekte: Diese Objekte müssen identifiziert werden, soweit sie nicht im Kapitel "Besonders gefährdete/gefährdende Objekte" aufgeführt sind. Die Eigentümer bzw. Betreiber sollen auf die möglichen Gefahren aufmerksam gemacht werden. Es sollten Maßnahmen ergriffen werden, Risiken und Schäden soweit wie möglich zu mindern.

Vorsorge

  1. Gefahrenanalyse: Die Erstellung von Gefahrenkarten für die betroffenen potenziellen Überflutungsgebiete wird empfohlen.

Umbau Emschersystem

  1. Der Umbau des Emschersystems wird zu einer Reihe von temporären Maßnahmenam Gewässer führen. Alle Baumaßnahmen sind so durchzuführen, dass jederzeit die reibungslose Ableitung von Hochwasserereignissen mindestens bis zur aktuellenBemessungsgrenze gewährleistet ist.
  2. Die Hochwassersicherheit aller neu trassierten Gewässerbereiche ist zu sichern. Die hochwassermindernde Wirkung der Rückhaltungen in DO-Ellinghausen und DO-Mengede ist zu untersuchen und zu dokumentieren.
  3. Seitliche Gebietszuflüsse, Pumpwerke und Düker sind hinsichtlich ihrer künftigen Bemessung unter dem Aspekt der HWextrem-Situation zu planen.

Kommunikation

  1. Kommunikation EMSCHERGENOSSENSCHAFT intern: Die Verfahrens- undArbeitsanweisungen für den Hochwasserdienst (einschließlich Dienst- und Betriebsordnung) werden zur Zeit überarbeitet, bzw. liegen aktualisiert vor (Aufbau des Qualitätsmanagements und die Bereitstellung aller wesentlichen Dokumente im Intranet). Ziel ist die Bereitstellung bis Jahresende 2004. Die Aktivitäten der Emschergenossenschaft sind in Kap. 4.7 analysiert und beurteilt worden.
  2. Kommunikation EMSCHERGENOSSENSCHAFT intern: Grundsätzlich wird künftig auch das Verbesserungspotential kontinuierlich überprüft. Diese Vorgabe sichert ab, dass Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen durchgeführt werden. Dies schließt auch die Weiterqualifikation der Mitarbeiter ein.
  3. Kommunikation EMSCHERGENOSSENSCHAFT intern: Durch die regionale Bearbeitung der Einzeldokumente Arbeitsanweisungen (zentrale Speicherung im DMS) werden diese Dokumente weiterhin schlecht zu pflegen sein. Hier ist auf eine einheitliche Bearbeitungsmethodik durch die jeweiligen Mitarbeiter zu achten (Schulung), der Hinweis auf ein Content Managementsystem ist zu wiederholen.
  4. Kommunikation EMSCHERGENOSSENSCHAFT intern: Im Rahmen der Zertifizierung der Abteilung Betrieb der Emschergenossenschaft wurden die Dienst- und Betriebsanweisungen (DuBA) u. a. auf Unstimmigkeiten bei Meldewegen und Meldeketten (Hochwassereinsatzplanung) stichprobenartig untersucht. Die hierbei aufgefundenen Schwachstellen wurden angemerkt und werden zur Zeit in dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) behoben.
  5. Kommunikation EMSCHERGENOSSENSCHAFT intern: Es sollte überlegt werden, ob die Radardaten verstärkt in das Vorhersagekonzept einbezogen werden können.
  6. Kommunikation EMSCHERGENOSSENSCHAFT mit externen Stellen: Es ist zu überprüfen, ob die Kommunikation mit den Kreisleitstellen und die Zusammenarbeit für den Fall des Eintritts eines Großschadensereignisses in der Realität (d.h. wie in einem beliebigen Tagesgeschäft) funktioniert. Auch die Frage von Zuständigkeiten und Kompetenzen ist zu prüfen. Für April 2005 ist eine Stabsübung „Wasserfall“ mit dem Kreis Unna und der Stadt Lünen (Lippenanlieger) geplant, bei der alle bis dahin aufgestellten Leitlinien und Grundsätze überprüft werden sollen. (Hinweise: Es gibt bereits seitens des Betriebs der Emschergenossenschaft informelle laufende Kontakte, die zur Kommunikation bzgl. eines extremen Hochwasserereignisses genutzt werden könnten. Die Kommunikation mit den Kommunen ist zu intensivieren.)
  7. Kommunikation EMSCHERGENOSSENSCHAFT mit externen Stellen: Erfahrungsaustausch mit anderen Verbänden oder Aufsichtsbehörden (Arbeitsgruppe Hochwasserschutz der Wasserverbände NRW, Arbeitskreis Hydrologie der Wasserverbände NRW; Arbeitskreis Hydrologie und Hydraulik der Lippe mit StUA und Wasserverband Obere Lippe) nach abgelaufenen Hochwasserereignissen weiter ausbauen.