Schutzgebiete

In Schutzgebieten sollen das Grundwasser und die Oberflächengewässer sowie Tier- und Pflanzenarten und ihre natürlichen Lebensräume geschützt bzw. wieder entwickelt werden, indem Nutzungsarten, die das Wasser bzw. die Biotope gefährden könnten, in den jeweiligen Schutzgebieten ausgeschlossen werden.

Natur- und Landschaftsschutzgebiete sind in ihrer Funktion als natürliche, naturnahe oder halbnatürliche Bereiche für den Hochwasserschutz von Bedeutung. Im HWAP Emscher werden die folgenden Schutzgebietskategorien berücksichtigt:

  • Naturschutzgebiete (nach § 13 BNatG),
  • Landschaftsschutzgebiete (nach § 15 BNatG),
  • Schutzgebiete (nach § 62 LG NRW),
  • Bereiche für den Schutz der Natur (GEP NRW),
  • FFH-Gebiete (EU-Richtlinie 92/43/EWG),
  • Wasserschutzgebiete (nach § 19 WHG), Bereiche zum Schutz der Gewässer (GEP NRW),
  • Heilquellenschutzgebiete (nach § 16 LWG).

Es werden nur ausgewiesene Schutzgebiete aufgeführt. Weitere Kategorien von Schutzgebieten werden hier nicht behandelt. Als Datengrundlage diente die digitale Zusammenstellung der LÖBF (Recklinghausen) zu Naturschutzgebieten (NSG), Landschaftsschutzgebieten und zu Gebieten nach § 62 LG NRW. Wasserschutzgebiete wurden der Datengrundlage des LUA NRW entnommen, Bereiche zum Schutz der Gewässer und Bereiche für den Schutz der Natur sind in den Gebietsentwicklungsplänen aufgeführt.

Die Schutzgebiete im Emschereinzugsgebiet werden in den "Übersichtskarten Emscher Gewässerverlauf" dargestellt. Anzahl und Art der im HWAP Emscher vorliegenden Schutzgebiete werden in der Anlage "Schutzgebiete" aufgelistet.

Naturschutzgebiete werden ausgewiesen, um gefährdete Arten und Biotope zu erhalten. Für die Ausweisung von Naturschutzgebieten sind die oberen Naturschutzbehörden zuständig.

Nach § 13 Abs. 1 Bundesnaturschutzgesetz (BNatG) sind Naturschutzgebiete wie folgt charakterisiert:

Naturschutzgebiete sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft in ihrer Ganzheit oder in einzelnen Teilen erforderlich ist:

  1. Entweder zur Erhaltung von Lebensgemeinschaften oder Biotopen bestimmter wildlebender Tier- und Pflanzenarten oder

  2. aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder

  3. wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Erholung

Nach Absatz 2 sind alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturschutzgebietes oder seiner Bestandteile oder zu einer nachhaltigen Störung führen können, nach Maßgabe näherer Bestimmungen verboten. Soweit es der Schutzzweck erlaubt, können Naturschutzgebiete der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. In den meisten Schutzgebieten sind zumindest auf Teilflächen Instandsetzungs- und Pflegemaßnahmen erforderlich, um die Schutzziele zu erreichen. Dazu sollen möglichst Pflege- und Entwicklungspläne aufgestellt werden, welche die Schutzmaßnahmen festlegen und beschreiben. Basis hierfür ist eine detaillierte Bestandserfassung von Biotoptypen, ggf. auch Pflanzengesellschaften, sowie wertbestimmender Tier- und Pflanzenarten.

Im Bereich der Emscher umfassen die 56 Naturschutzgebiete eine Fläche von ca. 1.350 ha. Die beiden größten Gebiete sind die Naturschutzgebiete „Köllnischer Wald“ in Bottrop und „Dellwiger Bach“ in Dortmund.

Landschaftsschutzgebiete werden ausgewiesen, um den naturraumtypischen Gebietscharakter zu erhalten, die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes zu erhalten oder wiederherzustellen und um auch künftigen Generationen die Möglichkeit zu bieten, sich in der Landschaft zu erholen. Für die Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten sind die unteren Naturschutzbehörden zuständig.

Nach § 15 Abs. 1 des BNatG sind Landschaftsschutzgebiete rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft erforderlich ist:

  1. Entweder zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes oder der Nutzungsfähigkeit der Naturgüter oder

  2. wegen der Vielfalt, Eigenart oder Schönheit des Landschaftsbildes oder

  3. wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Erholung

Laut Absatz 2 sind in einem Landschaftsschutzgebiet unter besonderer Beachtung des § 1 Abs. 3 des BNatG und nach Maßgabe näherer Bestimmungen alle Handlungen verboten, die den Charakter des Gebietes verändern oder dem besonderen Schutzzweck zuwiderlaufen.
Als Landschaftsschutzgebiete sind im Emschergebiet ca. 300 Flächen mit einer Gesamtgröße von etwas über 15.000 ha ausgewiesen. Die größten Flächen für Landschaftsschutzgebiete liegen in Dortmund und Castrop-Rauxel.

Weitere berücksichtigte Schutzgebiete sind die Bereiche zum „Schutz bestimmter Biotope“ entsprechend § 62 des Landschaftsgesetzes Nordrhein-Westfalen (LG NRW).

In Absatz 1 des LG NRW werden folgende Biotope als schützenswert aufgeführt:

  1. Natürliche oder naturnahe unverbaute Bereiche fließender und stehender Binnengewässer einschließlich ihrer Ufer und der dazugehörigen uferbegleitenden natürlichen oder naturnahen Vegetation sowie ihrer natürlichen oder naturnahen Verlandungsbereiche und regelmäßig überschwemmten Bereiche,

  2. Moore, Sümpfe, Röhrichte, Riede, Nass- und Feuchtgrünland, Quellbereiche,

  3. Binnendünen, natürliche Felsbildungen, natürliche oder naturnahe Blockschutt- oder Geröllhalden, Höhlen und Stollen, Zwergstrauch-, Ginster- und Wacholderheiden, Borstgrasrasen, Magerwiesen und -weiden, Trocken- und Halbtrockenrasen, natürliche Schwermetallfluren, Binnensalzstellen, Wälder und Gebüsche trockenwarmer Standorte

  4. Bruch-, Sumpf- und Auwälder, Schluchtwälder, Block- und Hangschuttwälder.

Im Einzugsgebiet der Emscher sind vier einzelne kleinste Quellbereiche, einige Gewässerabschnitte (der Spechtsbach in Bottrop ist mit ca. 4 km der längste Abschnitt) und über 200 verstreute meist kleine Flächen nach § 62 LG ausgewiesen.

Bereiche für den Schutz der Natur sind besonders schutzwürdige, ökologisch wertvolle Landschaftsbereiche oder -teile, die als Rückzugsgebiete und Regenerationsräume für die Pflanzen- und Tierwelt dienen. In diesen Bereichen ist grundsätzlich den Belangen des Biotop- und Artenschutzes Vorrang gegenüber anderen Nutzungsansprüchen zu geben. Nutzungen, die diese Zielsetzungen beeinträchtigen, dürfen nur erfolgen, wenn die angestrebte Nutzung an einem anderen, weniger konfliktreichen Standort nicht realisierbar ist.

In den Bereichen für den Schutz der Natur gelten die Planziele entsprechend den jeweils gültigen Gebietsentwicklungsplänen der Bezirksregierungen Arnsberg, Münster und Düsseldorf.

Beispielhaft für die bestehenden Gebietsentwicklungspläne wird im GEP Münsterland der Bezirksregierung Münster (1999) das Wesen der Bereiche für den Schutz der Natur wie folgt erläutert:

  • Die in diesem Gebietsentwicklungsplan dargestellten Bereiche für den Schutz der Natur müssen nicht vollständig in Form festgesetzter Naturschutzgebiete gesichert bzw. entwickelt werden. In die Darstellung sind auch solche Flächen einbezogen, denen für eine Biotopentwicklung eine geringere Priorität zukommt. Es bleibt daher den naturschutzrechtlichen Verfahren vorbehalten, Art und Umfang des Schutzes von Natur und Landschaft festzusetzen. Neben landschaftsrechtlichen Schutzkategorien sind Kooperationen zwischen Land- bzw. Forstwirtschaft und dem Naturschutz auf Vertragsbasis geeignet. Die Umsetzung von Entwicklungsmaßnahmen in Bereichen für den Schutz der Natur kann auch zu Zwecken der Kompensation von Eingriffen in Natur und Landschaft erfolgen.
  • Anliegen von Regionalplanung und Naturschutz ist der Aufbau eines regionalen Biotopverbundsystems. Zusammenhängende geschützte Lebensräume werden dabei durch Verbindungselemente miteinander verknüpft. In diesem Zusammenhang spielen Gewässerauen, feuchte Niederungen und langgestreckte bewaldete Gebirgszüge als naturgegebene Verbindungskorridore eine besondere Rolle.

Derzeitig sind im Gebiet des HWAP Emscher folgende Naturschutzförderprogramme von Bedeutung:

  • das Ökologieprogramm Emscher-Lippe (ÖPEL), das u. a. die Rückgewinnung und Neubegründung ökologischer Potenziale entlang von Emscher und Lippe, die Einbeziehung von Bergsenkungsgebieten als regionale Trittsteinbiotope und den Aufbau eines regionalen ökologischen Freiflächenverbundes zwischen Lippeaue und Ruhr fördert

  • das Kreiskulturlandschaftsprogramm des Kreises Recklinghausen, das den Erhalt wildlebender Pflanzen und Tiere und die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen fördert

Im Einzugsgebiet der Emscher gibt es 22 Schutzgebiete dieser Art mit einer Gesamtfläche von rund 930 ha. Hierzu gehören z. B. das Naturschutzgebiet „Köllnischer Wald“ in Bottrop oder ein Teil der Königshardt in Oberhausen.

Über die regionale und landesweite Bedeutung hinaus haben einige Naturräume auch im internationalen Rahmen einen Schutzstatus. Zu den wichtigsten international bedeutenden Gebieten zählen die Gebiete der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH). Gemäß der “Richtlinie 92/43/EWG ”des Rates vom 21.05.1992 (Europäische Union, 1992) zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen (Artikel 6 Abs. 2 bis 4) sind geeignete Maßnahmen zu treffen, um in diesen besonderen Schutzgebieten die Verschlechterung der natürlichen Lebensräume sowie Störungen von Arten, für die diese Gebiete ausgewiesen sind, zu vermeiden. Pläne oder Projekte, die diese Gebiete erheblich beeinträchtigen können, erfordern eine Prüfung auf Verträglichkeit mit den für diese Gebiete festgelegten Erhaltungszielen, soweit es sich nicht um Pläne oder Projekte handelt, für die aus Gründen des Bestandsschutzes keine Verträglichkeitsprüfung durchzuführen ist.

Zu den FFH-Gebieten im Emschereinzugsgebiet gehören das NSG „Rheinaue Walsum“, die „Kirchheller Heide/Hiesfelder Wald“ und der „Köllnische Wald“, wobei nur letzteres FF-Habitat vollständig innerhalb des Einzugsgebietes liegt. Die beiden anderen Schutzgebiete berühren nur in Randbereichen das Emschereinzugsgebiet. Der „Köllnische Wald“, der durch naturnahe Waldbewirtschaftung als naturnaher Laubwaldbestand mit unterschiedlichen Waldgesellschaften entwickelt und erhalten bleiben soll, umfasst eine Fläche von ca. 187 ha.

Bereiche zum Schutz der Gewässer (GEP NRW)

Nach § 19 Abs. 1 des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) können Wasserschutzgebiete festgesetzt werden, wenn es das Wohl der Allgemeinheit erfordert,

  1. Gewässer im Interesse der derzeit bestehenden oder künftigen öffentlichen Wasserversorgung vor nachteiligen Einwirkungen zu schützen oder
  2. das Grundwasser anzureichern oder
  3. das schädliche Abschwemmen von Niederschlagswasser sowie das Abschwemmen und den Eintrag von Bodenbestandteilen, Dünge- oder Pflanzenbehandlungsmitteln in Gewässer zu verhüten.

Weitere Bestimmungen zum Schutz des für die Trinkwasserversorgung genutzten Wassers finden sich in den jeweiligen Wasserschutzgebietsverordnungen.

In den GEP NRW wird in den „Bereichen zum Schutz der Gewässer“ deren Funktion als Retentions- und Versickerungsraum betont. So wird als Ziel im GEP Emscher-Lippe der Bezirksregierung Münster (2000) formuliert:

  • Die Funktion der Gewässer und Auen als natürlicher Retentionsraum soll umfassend gesichert bzw. - soweit möglich - wiederhergestellt werden. Die Funktion der natürlichen Gewässer als Lebensräume für Flora und Fauna sowie als Erholungs- und Erlebnisraum für den Menschen soll erhalten bzw. bei ausgebauten oder verrohrten Gewässern durch ökologischen Umbau und Rückgewinnung von Auenbereichen wieder entwickelt werden.

  • In von Siedlungsbereichen überlagerten Bereichen für den Grundwasser- und Gewässerschutz sollen die Belange des Gewässerschutzes im Rahmen der Bauleitplanung unter Beachtung des wasserwirtschaftlichen Vorsorgegrundsatzes besonders berücksichtigt werden.

  • Bei Nutzungskonflikten, insbesondere mit der Landwirtschaft sowie der Rohstoffgewinnung (übertage und untertage), sollen die Belange des Gewässerschutzes im Rahmen der Abwägung berücksichtigt werden. Weitere Beeinträchtigungen der Gewässer oder Verunreinigungen des Grundwassers sind auszuschließen. Durch Kooperationen zwischen Wasserwirtschaft und Landwirtschaft bzw. mit anderen Raumnutzern sollen bestehende Gewässerbelastungen weiter abgebaut werden.

  • Bei raumbedeutsamen Planungen und Maßnahmen soll das anfallende Regenwasser in den Siedlungsgebieten - soweit es die Bodenverhältnisse zulassen - versickert bzw. angrenzenden Gewässern zugeführt werden.

Vier Trinkwasserschutzgebiete des Lippe- und Ruhreinzugsgebietes grenzen mit den Zonen 3 bzw. 3B an das Emschereinzugsgebiet. Trinkwasser aus den angrenzenden Einzugsgebieten von Ruhr und Lippe werden in das Emschergebiet importiert, da das Wasser der Emscher zur Trink- und Brauchwassergewinnung nicht verwendet werden kann.

Heilquellen sind nach § 16, Absatz 1 des LWG: "natürlich zutage tretende oder künstlich erschlossene Wasser- oder Gasvorkommen, die auf Grund ihrer chemischen Zusammensetzung, ihrer physikalischen Eigenschaften oder nach der Erfahrung geeignet sind, Heilzwecken zu dienen".

In Absatz 3 heißt es, dass "zum Schutze einer staatlich anerkannten Heilquelle Heilquellenschutzgebiete festgesetzt werden. § 19 Abs. 2 bis 4 des Wasserhaushaltsgesetzes, §§ 14 und 15 dieses Gesetzes gelten sinngemäß."

Im Emschergebiet gibt es nur ein Heilquellenschutzgebiet in Bochum-Wattenscheid.